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Fernsehen : Jack ist wieder da

Doch es muß schon ein besonderer Grund her, dem kleinen, aber verwöhnten Publikum dieser Serie eine Fortsetzung vorzusetzen. So wird nicht nur alles nach dem Steigerungsprinzip von "Die Hard" mit Bruce Willis noch härter und unerbittlicher nach dem Motto "Die harder". Es geht in Staffel zwei von "24" weniger darum, wie ein Attentat verhindert, sondern wie es in seinen Folgen abgemildert werden kann. Die Bombe wird hochgehen, sie wird es vor dem Ende dieser Staffel tun, und es wird die Frage sein, was danach geschieht. Im Grunde ist dies die psychologische Vorbereitung oder Begleitung des "Krieges gegen den Terror", den der echte amerikanische Präsident George W. Bush führt. Und es ist eine intelligente, bis in die kleinste Folgenabschätzung stichhaltige Schilderung, Erläuterung und Kommentierung der Verfaßtheit dieser Welt.

Hier findet ein Krieg statt, den man nicht gewinnen, sondern nur eindämmen kann. Die Frage ist, mit welchen Mitteln und mit welch weitreichenden Folgen. Vor diese Aufgabe sieht sich der von Dennis Haysbert gespielte Präsident in "24" gestellt. Daß nichts an diesem Szenario künstlich oder übertrieben und die Handlung nur in ein paar Wendungen an den Haaren herbeigezogen scheint, das macht die fiktionale Meisterschaft von "24" aus. Es ist, als würden die Nachrichten, die uns jeden Abend die zerfetzten Leiber der bei Attentaten in aller Welt zu Tode gekommenen Opfer des Terrors, verlängert und dem nächstschrecklichen Ereignis vorgegriffen. Wird sich die Steigerung des 11. September 2001 vermeiden lassen? "24" weiß die Antwort, und wer sich der Serie aussetzt, muß sie aushalten können. Für Heile-Welt-Fernsehen sind andere zuständig.

Verschwörungstheoretiker kommen auf ihre Kosten

Daß den Schauspieler Kiefer Sutherland seine Rolle als Jack Bauer, wie er in einem Interview sagt, vollkommen in Anspruch nimmt, kann man gut verstehen. Bei all der Hektik, Gleichzeitigkeit und Action, die hier ins Bild gebannt wird, spielt er doch in jeder zweiten Szene (allein den Text zu lernen muß die Hölle sein) und entwickelt dabei eine Präsenz, die diese Serie zu seiner macht. Besonders hervor tritt in der zweiten Staffel jedoch auch Xander Berkeley, der den unsympathischen CTU-Bürochef George Mason spielt. Ein Wiedersehen gibt es auch mit Sarah Wynter, welche die Agentin verkörpert, die sich am Ende der ersten Staffel von "24" als diejenige entpuppte, die die ganze Zeit über ein falsches Spiel betrieb.

Das gibt es von heute an selbstverständlich abermals, nur sitzen diejenigen, die tarnen, täuschen und eventuell einen dritten Weltkrieg in Kauf nehmen, auf jeden Fall aber den Clash der Kulturen für unvermeidlich und ihre Nation dabei für den Sieger am Ende aller Schlachten halten, dem Präsidenten direkt vor der Nase. So kommen also auch Verschwörungstheoretiker abermals auf ihre Kosten. Wir können uns lediglich schwer vorstellen, wie nach dieser zweiten Staffel, die als DVD seit längerem bereits komplett im Handel ist, die nächste Steigerung aussehen soll. Es geht hier schließlich schon ums Ganze, also auch darum, wie man sich mit Weltläuften arrangiert, die man nicht beherrschen, sondern nur sich täglich mühen kann, nicht von ihnen und also nicht von den Bombenlegern und Globalterrorpredigern beherrscht zu werden.

Die Produzenten von "24" aber haben sich, wie Kiefer Sutherland sagt, diese Frage schon während der ersten Staffel gestellt. Zuerst wußte ja niemand, ob dieses "Echtzeitfernsehen", das seinen Namen in mehrfacher Hinsicht verdient, überhaupt funktioniert. Das steht nicht mehr in Frage, wohl aber, was wir mit dem Fernseher machen sollen, wenn "24" wieder vorbei ist. Grausam ist schließlich nicht, was wir hier sehen, sondern sonst viel zu viele Stunden des Tages lang vorgesetzt bekommen. Doch darum kann sich selbst Jack Bauer nicht kümmern.

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