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Fernsehen in der Corona-Krise : Es war einmal

  • -Aktualisiert am

Am Expertentisch: Albert Maier (rechts) bei der Bewertung einer Antiquität – neben Moderator Horst Lichter Bild: © Frank Dicks/

Wer heute Fernsehen schaut, blickt auf die Welt von gestern. Alle begrüßen sich per Handschlag und umarmen sich, Tuchfühlung überall, niemand trägt Schutzmasken. Dabei ist das doch schon alles historisch.

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          Wie schnell doch das eben noch Alltägliche, Topaktuelle, Gegenwärtige oder gar vermeintlich Zukunftsweisende historisch wird – wir erleben es gerade mit maximaler Beschleunigung. Und der Blick ins Fernsehprogramm offenbart: Was da läuft, ist jetzt alles „History Channel“ oder Kostümdrama aus einer Epoche, so nah und doch so fern, ganz gleich, bei welchem Sender oder in welchem Genre.

          Traditionalisten müssen trotz aller Behaglichkeit bei „Bares für Rares“ im ZDF innerlich zusammenzucken, wenn sich Trödelbesitzer und -käufer per Handschlag einigen und Gutachter die Köpfe über Krimskrams zusammenstecken. Abstand, bitte! „Tatort“-Fans bestaunen die verlorengegangene Normalität im Ausnahmezustand des Kapitalverbrechens: Die Frankfurter Kommissare treffen einfach, wen sie wollen, nähern sich, wie sie wollen, an Handschuhe oder Mund-Nase-Schutz denkt niemand, der sich nicht als Kollege von der Spurensicherung verkleiden will. Ohne Sicherheitsausrüstung – inzwischen kennen wir den Unterschied zwischen selbstgenähter, FFP1- und FFP3-Standard – glüht die Zigarette zugegeben viel malerischer im Mund. Corona? Kein Thema.

          Und wie ist es bei Netflix? Da flirten sich paarungsfreudige Bikini- und Badehosen-Schönheiten unter Palmen durch die trashige Eskapisten-Show „Too hot to handle“ (angeblich die zurzeit beliebteste Netflix-Sendung in Deutschland), während die Produzenten ihr Glück, Cast und Crew vor dem Shutdown nach Hause bekommen zu haben, wahrscheinlich gar nicht fassen können.

          Das Fernsehen spult jenseits der Unzahl von Sondersendungen und Talkshows zur Pandemie ab, was es auch unter normalen Umständen sendete, was auf Vorrat da ist. Es wirkt plötzlich unglaublich gestrig, als wäre jeder Fernsehfilm in Schwarzweiß, und staunenswert beruhigend. So war es einmal, so soll es wieder werden, träumen wir. Dabei weiß niemand, wie die Sendungen von morgen aussehen werden. Jedenfalls nicht mehr so wie die von gestern, die heute laufen.

          Ursula Scheer
          (eer.), Feuilleton

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