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Fernsehen : Grimme-Preis 2005 für Stefan Raab

  • Aktualisiert am

Hat gut lachen: Raab ist Grimme-Preisträger Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Wer hätte das vor ein paar Jahren gedacht: Stefan Raab erhält den wichtigsten deutschen Fernsehpreis. Weitere Grimme-Preise gehen an Olli Dittrichs „Dittsche“ und an Christian Petzolds Film „Wolfsburg“.

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          Daß es dazu einmal kommen würde, hätte vor wenigen Jahren kaum jemand gedacht: Der Comedian Stefan Raab erhält den wichtigsten deutschen Fernsehpreis.

          Mit dem Grimme-Preis in der Kategorie „Spezial“ ausgezeichnet wird Raab allerdings nicht für seine umstittene Show „TV Total“, sondern für die „Entdeckung und Förderung von Musiktalenten“ in seiner Spezialreihe „SSDSGPS - Ein Lied für Istanbul“ (Pro Sieben). Es ist die einzige Auszeichnung, die in diesem Jahr an die Produktion eines Privatsenders geht. Mit seiner „wunderbaren Leichtigkeit des Humors“ habe Raab „dem Genre der Casting-Show Wiedergutmachung“ angedeihen lassen, urteilte die Jury. Unter dem Strich sei auch noch gute Popmusik dabei herausgekommen.

          Das Adolf-Grimme-Institut gab die Namen der Preisträger am Dienstag in Marl bekannt. Der Grimme-Preis in Gold geht in diesem Jahr an die Sendung „Dittsche“ von und mit Olli Dittrich und an Christian Petzolds Film „Wolfsburg“ mit Nina Hoss und Benno Fürmann. „Ich finde das Milieu und solche Leute interessant“, sagte Dittrich, der als Arbeitsloser in einer Imbißbude seine sonderbare Weltsicht offenbart.

          Kein Grund zur Trübsal: Gold für „Dittsche”
          Kein Grund zur Trübsal: Gold für „Dittsche” : Bild: HR/WDR

          „Wirkliche Entdeckung“

          Das abgelaufene Fernsehjahr sei durch eine schwierige wirtschaftliche Situation und mit Sendungen wie der RTL-Dschungelshow durch eine „Entwicklung an die Grenzen des guten Geschmacks“ gekennzeichnet gewesen, sagte Interims-Institutsleiter Friedrich Hagedorn. Weitere Grimme-Preise gehen an den 3sat-Moderator Gert Scobel, an den WDR-Talk „Hart aber fair“ mit Frank Plasberg, den HR-„Tatort“ „Herzversagen“ mit Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf und an den ZDF-Film „Kiss and run“, der laut Jury „durch Frische und Witz besticht und als wirkliche Entdeckung gelten kann“. Regisseurin Annette Ernst wird ebenso mit einem Preis bedacht wie die Darsteller Ken Duken und Maggie Peren, welche auch als Autorin des Films gekürt wird.

          Die „Besondere Ehrung“ erhält bei der Grimme-Gala am 18. März in Marl der Musiker Klaus Doldinger. Doldinger komponierte die Musik für Filme wie „Das Boot“ und „Liebling Kreuzberg“ und trug „maßgeblich zur Qualität und Entwicklung des Mediums Fernsehen“ bei, begründete der Deutsche Volkshochschul-Verband als Mitträger des Grimme- Instituts seine Wahl.

          Die Komiker Hape Kerkeling und Bastian Pastewka gingen ebenso leer aus wie die favorisierten ARD-Fernsehspiele „Stauffenberg“ und „Spiele der Macht“ sowie Edgar Reitz' Epos „Heimat 3“.

          Die Preisverleihung ist am 18. März in Marl. Zugleich wird das renovierte Grimme-Institut wiedereröffnet. WDR-Moderatorin Bettina Böttinger moderiert die Festveranstaltung.

          Die Preisträger im Überblick:

          Information und Kultur

          „Hart aber fair“ (WDR); Frank Plasberg (Moderation), Stefan Wirtz (stellv. für die Redaktion), Jürgen Schulte (Produktion)

          „Die Rapoports - Unsere drei Leben“ (ZDF/Arte); Britta Wauer (Buch/Regie) und Sissi Hüetlin (Buch/Regie)

          „Hitlers Hitparade“ (ZDF/Arte); Oliver Axer (Buch/Regie), Susanne Benze (Buch/Regie) und C. Cay Wesnigk (Produktion)

          „Damals in der DDR“ (ARD/MDR/WDR); Karsten Laske (stellv. für das Regie- und Autorenteam) und Gunnar Dedio (Produktion)

          „Abdullah Ibrahim“ (ZDF/Arte); Ciro Cappellari (Buch/Regie/Kamera)

          „Kultur“ - Sonderpreis des Landes NRW

          Neruda“ (ARD/SWR/Arte); Ebbo Demant (Buch/Regie)

          „Fiktion & Unterhaltung“

          Adolf Grimme Preis mit Gold

          Wolfsburg“ (ZDF/Arte); Nina Hoss (Darstellung), Benno Fürmann (Darstellung), Christian Petzold (Buch/Regie)

          Adolf Grimme Preis mit Gold

          „Dittsche - das wirklich wahre Leben“ (WDR); Olli Dittrich (Idee und Darstellung)

          Adolf Grimme Preis

          München 7“ (BR); Franz Xaver Bogner (Buch & Regie) (stellv. für das gesamte Produktionsteam)

          „Tatort: Herzversagen“ (ARD/HR); Andrea Sawatzki (Darstellung), Jörg Schüttauf (Darstellung), Stephan Falk (Buch), Thomas Freundner (Buch/Regie)

          „kiss and run“ (ZDF); Maggie Peren (Buch & Darstellung), Ken Duken (Darstellung), Annette Ernst (Regie)

          „Grüße aus Kaschmir“ (ARD/BR); Bernadette Heerwagen (Darstellung), René Ifrah (Darstellung), Harald Göckeritz (Buch), Miguel Alexandre (Regie)

          Publikumspreis der „Marler Gruppe“

          Zeit der Wünsche“ (ARD/WDR/BR); Lale Yavas (Darstellung), Erhan Emre (Darstellung), Tevfik Baser (Buch), Rolf Schübel (Regie)

          „Spezial“

          Gert Scobel für die Redaktion und Moderation der Sendereihe „delta“ (3sat) und des Kulturmagazins „Kulturzeit“ (3sat)

          Beate Langmaack, Henry Hübchen und Uwe Steimle für die Gestaltung und Weiterentwicklung des „Polizeiruf 110“ (ARD/NDR)

          Stefan Raab für die Entdeckung und Förderung von Musiktalenten durch „SSDSGPS - Ein Lied für Istanbul“ (Pro Sieben)

          „Besondere Ehrung“

          Die Besondere Ehrung des Deutschen Volkshochschulverbandes für Verdienste um die Entwicklung des Fernsehens wird vergeben an Klaus Doldinger

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