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Fernsehen für Vierbeiner : Hund im Bild

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Bilder von Seelandschaften, Ballspielen und Autofahrten: „Dog TV“, der erste Fernsehkanal für Hunde, soll Abhilfe gegen tierische Vereinsamung schaffen. Das Konzept stammt ausgerechnet aus dem einst hundefeindlichen Israel.

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          „Dog TV“, der erste Hunde-Kanal, ist auf Sendung gegangen. Von der israelischen Firma „Jasmine TV“ produziert, wird er zunächst nur im amerikanischen San Diego ins Kabelnetz gespeist. In drei Sendungsblöcke aufgeteilt, soll das Programm den negativen psychischen Folgen hündischer Vereinsamung entgegenwirken. Der erste Programmabschnitt soll dem Tier zur Entspannung verhelfen. Zu sanfter Musik genießt etwa ein Artgenosse die pastorale Idylle einer ins Dämmerlicht getauchten Seelandschaft. Andere Hundekollegen sieht der tierische Zuschauer in den Schlaf gleiten, was offenbar inspirierend wirken soll. Für Stimulation ist in einem zweiten Programmabschnitt mit Bildern von Ballspielen aller Art gesorgt. Ein dritter Programmblock soll dem geliebten Haustier das Gefühl der Teilhabe am außerhäuslichen Hundeleben geben, beispielsweise eine Autofahrt mit Bildern vorbeirauschender Landschaften.

          Entspannung und Beruhigung stünden bei „Dog TV“ im Vordergrund, betont dessen Direktor Gilad Neumann und bezieht dies auch auf das quälende Herrchengewissen. Ob das Hundefernsehen dem der Zweibeiner bald folgen und noch spezialisiertere Spartenkanäle anbieten wird? Etwa einen Welpen-Kanal oder einschlägige Lokalsender mit Liveschaltungen von der nächstgelegenen Hundewiese? In Israel selbst wird „Dog TV“ indes vorerst nicht ausgestrahlt. Dass der Sender ausgerechnet von dort kommt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Denn in der religiösen jüdischen Tradition gilt der Hund als unrein. Als Familienmitglied wurde er im Land lange Zeit meist nur von europäischstämmigen säkularen Juden betrachtet, in der Öffentlichkeit allenfalls geduldet.

          Grund dafür war nicht zuletzt auch die belastende Erinnerung an die Wachhunde in den Konzentrationslagern. Dieses Trauma thematisierte 1969 der israelische Schriftsteller Yoram Kaniuk auf beklemmendste Weise in seinem Roman „Adam Hundesohn“. Dessen Titelheld hatte den Holocaust überlebt, weil er für den Lagerkommandanten den Hund spielte. Zwei Jahrzehnte später machten die zunehmende Amerikanisierung und die zahlreichen russischen Einwanderer den Hund als Haustier und auch in der Öffentlichkeit populärer. Als Helden werden heute israelische Militärhunde verehrt, die bei Kampfeinsätzen ihr Leben lassen. Sie werden mit einer offiziellen Beisetzungszeremonie gewürdigt.

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