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Fernsehen : Die Museumsinsel - ein Monumentalfilm

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Ausschnitt aus dem Film "Die neue Museumsinsel" Bild: ZDF

Berlins Museumsinsel erwacht zu neuem Leben, und das Fernsehen ist dabei. 3sat präsentiert an diesem Samstag den zweiten Teil einer Langzeitdokumentation.

          Es sei gleich vorweg gesagt: Der Filmbeitrag von Carola Wedel über die Geschichte der Berliner Museumsinsel fasziniert. Leicht und doch profund erzählt die Filmemacherin in Wort und Bild vom Stand der Sanierung eines großen Weltkulturerbes unserer Zeit. Ihr Film „Die neue Museumsinsel“, dessen zweiter Teil am Samstag bei 3sat läuft, ist als zehnteilige Langzeitdokumentation angelegt.

          Ihren Abschluss findet die Filmreihe dann, wenn auch die Museumsinsel selbst komplett restauriert worden ist - voraussichtlich im Jahr 2010. Die deutsche Hauptstadt wird dann über ein kulturhistorisches Zentrum verfügen, das neben dem Louvre und dem British Museum, dem Prado und dem Metropolitan Museum zu den fünf bedeutendsten Museumskomplexen der Welt zählen wird.

          Schinkel als Vordenker

          Friedrich Wilhelm III. hatte um 1820 beschlossen, auf Augenhöhe seines Berliner Stadtschlosses einen Tempel für seine reichen Kunstsammlungen zu bauen. Gegenüber seiner Residenz sollte auf der Spreeinsel nach Vorbild des Forum Romanum ein klassisches Gebäude entstehen, das Kunstwerke öffentlich machen und damit die Bedürfnisse der Aufklärung ideal erfüllen sollte. Mit Friedrich Schinkel hatte der Monarch den fortschrittlichsten Baumeister der Zeit an seiner Seite. 1830 wurde der Kunsttempel mit Säulenvorhalle und flach geneigtem Dach eröffnet. Man hatte ihn auf tausende Holzpfähle gestellt, einen Kanal zugeschüttet und eine große Freifläche geschaffen, damit die Sichtachse zwischen Schloss und Museum stimmte.

          Krieg und Nachkriegszeit haben an der Bausubstanz des berühmten Schinkelbaus sichtbar gezehrt. Zu DDR-Zeiten wurde das Alte Museum als Vorzeigeobjekt allerdings nicht ganz vernachlässigt, so dass hier noch die geringsten Bauschäden der vier großen Museumsinselgebäude zu beklagen sind. Dennoch hat das mit der Sanierung beauftragte Büro Heinz Hilmer und Christoph Sattler aus München mehr als nur kosmetische Veränderungen vor. Alle eingebauten Provisorien sollen entfernen, Innenhöfe überdacht und Kuppln für eine neue Lichtführung gereinigt werden. Das ganze Haus soll licht und hell werden. Schließlich birgt das Alte Museum antike Plastiken, die unter griechischer Sonne erst ihr wahres Leben entfalteten.

          Chipperfield als Weiterdenker

          Nach einem Masterplan des britischen Architekten David Chipperfield sollen alle Museen einst mit einer archäologischen Promenade verbunden werden. Ein Rückgrat, das den Museen wie ein Nervensystem dienen könnte, meint Direktor Klaus-Peter Schuster. Im desolaten Pergamon-Museum wünscht man sich im Untergeschoss einen Schnellrundgang, so dass die massenhaft anreisenden Berlin-Touristen zügig mit den Highlights der Sammlung vertraut gemacht werden können. Ein Plan, der nicht unumstritten ist.

          Ein strahlendes Vorzeigestück ist schon Ende letzten Jahres eingeweiht worden. Mit großem Pomp feierte Berlin die Wiedereröffnung seiner neuen Alten Nationalgalerie, die unter ihrem Dach europäische Malerei vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert beherbergt.

          Ein Platz für Nofretete

          Doch es bleibt noch viel zu tun auf der Berliner Museumsinsel. Wenn alle Häuser mit neuer, unsichtbarer Architektur ausgestattet sind und damit Technik, Licht und Farben, Besucherführung und Ausstellungskonzepte auf dem neusten Stand sind, wenn Dächer, Keller und Wände keine Bombenschäden mehr aufweisen, wenn die Nofretete hier eingezogen ist und die antiken Gebäudefassaden wieder aufgebaut sind, wird Berlin mehr Raum und Ruhe für sein unschätzbar kostbares kulturelles Erbe bieten, als die meisten europäischen Hauptstädte. Dank der Kameras von Carola Wedel können die Fernsehzuschauer den spannenden Prozess bis dahin hautnah miterleben.

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