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Fernsehen : Die „Manns“ räumen wieder ab

  • Aktualisiert am

Sieger aller Klassen: Armin Mueller-Stahl als Thomas Mann Bild: dpa

Natürlich wieder „Die Manns“, aber auch Schund wie „Barbara Salesch“: Die Nominierungen zum Deutschen Fernsehpreis wurden bekanntgegeben.

          3 Min.

          Die Jury des Deutschen Fernsehpreises, der am 5. Oktober in Köln verliehen wird, sah sich in einer Zwickmühle. Das Fernsehereignis des Jahres war ganz ohne Zweifel Heinrich Breloers Mehrteiler „Die Manns“, der indes schon so ziemlich jeden Preis erhalten hat, den man gewinnen kann. Weil die Jury das Doku-Drama um Thomas Mann und die Seinen aber trotzdem würdigen wollte, und zwar nicht mit einem herkömmlichen und reichlich späten Preis, dachte man sich kurzerhand eine ganz neue Kategorie aus - und nominierte das Werk, sehr originell, für den Titel „Fernsehereignis des Jahres“. Als einzige Sendung. Das kann spannend werden.

          Nicht jede Fernseh-Produktion, deren Nominierung für den Deutschen Fernsehpreis am Donnerstag abend bekannt wurde, wird indes einen Preis bekommen. In manchen Fällen ist das auch gut so. Den Deutschen Fernsehpreis nämlich richten die großen Sender ARD, ZDF, RTL und Sat.1 gemeinsam aus, und damit alle bei Laune bleiben, wird stets schön paritätisch nominiert - selbst dann, wenn es sich bei der einen oder anderen auserwählten Sendung unverkennbar um Schrott handelt.

          Fernsehpreis für Richterin Salesch?

          In der Kategorie „Beste tägliche Sendung“ zum Beispiel, ebenfalls ein neuer Titel, möchte man eigentlich keinen Sieger sehen. Dort nämlich trifft das unverdiente Los entweder das schamlos bei der Konkurrenz abgekupferte „Quiz mit Jörg Pilawa“ (ARD) oder die Sat.1-Trash-Shows „Richterin Barbara Salesch“ und „Zwei bei Kallwass“. Da wünschte man sich, dass auch die originelle ARD-Jugendserie „Berlin, Berlin“ hier auftauchte, deren bisherige Folgen schließlich ebenfalls im Tagesrhythmus liefen. Doch „Berlin, Berlin“ ist als „Beste Serie“ nominiert.

          Der Preis für den Besten Fernsehfilm/Mehrteiler geht entweder an Peter Keglevics Oetker-Entführungsdrama „Der Tanz mit dem Teufel“ (Sat.1), das auch schon vielfach ausgezeichnet wurde, an Christian Petzolds hochgelobten Thriller „Toter Mann“ (ZDF) oder an Lars Beckers Polizeifilm „Rette deine Haut!“ (ZDF). Keglevic und Petzold sind neben Marc Rothemund für „Die Hoffnung stirbt zuletzt“ (ARD) auch als beste Regisseure nominiert. Anneke Kim Sarnau, die in Rothemunds Film eindrucksvoll eine von ihren Kollegen schikanierte Polizistin spielte und auch in „Ende der Saison“ (ARD) brillierte, konkurriert mit Monica Bleibtreu („Verlorenes Land“, ARD) und Nina Hoss („Toter Mann“) um den Titel „Beste Schauspielerin/Hauptrolle Fernsehfilm“.

          Drei Frauen, drei Serien, sechs Nominierungen

          Die beste Serienschauspielerin heißt entweder Wolke Hegenbarth („Mein Leben & Ich“, RTL), Rebecca Immanuel („Edel & Starck“, Sat.1) oder Felicitas Woll („Berlin, Berlin“). Ebenjene Sendungen streiten auch um den Preis für die beste Serie. Chancen auf den Titel „Bester Serienschauspieler“ haben Christoph M. Ohrt, Rebecca Immanuels Anwaltskollege in „Edel & Starck“, Gottfried Vollmer (Wolke Hegenbarths Vater in „Mein Leben und ich“) und Tom Gerhardt als „Hausmeister Krause“ (Sat.1). In der Kategorie „Bester Schauspieler/Hauptrolle Fernsehfilm“ sind nominiert André Hennicke („Toter Mann“), Wotan Wilke Möhring („Hat er Arbeit?“, ZDF) und Hilmar Thate („Operation Rubikon“, Pro Sieben).

          Als beste Dokumentation nominiert sind die Kelly-Bastian-Geschichte „Der Engel und der General“ (WDR), die nicht unumstrittene HR-Produktion „Drei Kugeln und ein totes Kind - Wer erschoss Mohammed Al-Dura“ (ARD) sowie „die story: Gipfelstürmer - Die blutigen Tage von Genua“ (ARD).

          Die doppelte Anke

          In der Kategorie „Comedy“ kämpft Anke Engelke gegen sich selbst: Nominiert ist sowohl ihr Duett mit Olli Dittrich in „Blind Date 2 - Taxi nach Schweinau“ (ZDF) als auch ihr Sat.1-Solo „Ladykracher“. Allein das ebenfalls nominierte „headnut.tv“ mit Erkan & Stefan (Pro Sieben) kommen ohne Engelke aus. Besonders geehrt fühlen darf sich auch Barbara Schöneberger: Für ihre Show „Blondes Gift“ - die einst in mehreren Lokalsendern und heute im WDR läuft - wurde sie in der Kategorie „Beste Unterhaltungssendung/Beste Moderation Unterhaltung“ nominiert. Neben den Quoten-Riesen Günther Jauch („Der große IQ-Test“, RTL) und Oliver Geißen („Die 80er Show“, ebenfalls RTL). Für Schöneberger, die bislang mehr von ihr begeisterte Kritiker anzulocken schien als Zuschauer, ist das ein schöner Erfolg.

          Die meisten Nominierungen (22) erhielt das ZDF, gefolgt von der ARD (20), Sat.1 (10), RTL (9), Pro Sieben (5) und dem WDR (2). Erst kurz vor der Verleihung bekanntgegeben werden die Nominierungen als „Beste Informationssendung“. Außerdem werden ein „Ehrenpreis der Jury“ und zwei Förderpreise für die beste Jungschauspielerin und den besten Jungschauspieler verliehen.

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