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Fernsehen auf der Berlinale : Wir sind die Größten

„Es ist ein bisschen zur Masche geworden, auf uns herumzuhacken“, sagt Tom Buhrow Bild: dpa

Beim „Kino Kaffee“ zeigt der WDR, wer die Macht im Revier ist, wenn es um die Förderung des deutschen Films geht. Regisseure und Schauspieler müssen brav aufzeigen.

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          Es sind so viele Fernsehkommissare zum sogenannten „Kino Kaffee“ des WDR ins Savoy-Hotel an der Kantstraße gekommen – man könnte direkt losziehen und ein paar ungelöste Fälle in der Hauptstadt aufklären. Schließlich gibt es da aktuell eine Versorgungslücke: Die einen Berliner „Tatort“-Kommissare sind am Sonntag in den Ruhestand geschickt worden sind, und die anderen gerade erst nominiert.

          Tobias Rüther
          Redakteur im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung in Berlin.

          Aber dafür ist Dietmar Bär („Tatort“ Köln) da und trägt eine Mütze von Borussia Dortmund, das passt gut, es ist ja auch eine Art nordrhein-westfälische Machtdemonstration, was hier am Rande der Berlinale zu sehen ist. Aylin Tezel („Tatort“ Dortmund) ist auch gekommen, genau wie ihr Gerichtsmedizinerkollege Stefan Konarske. Und wie Claudia Michelsen („Polizeiruf“ Magdeburg), wie Sebastian Schipper („Tatort“ Hamburg), wie Bärs Kölner Kompagnon Klaus Behrendt, und ein Pensionär zeigt sich auch noch, Joachim Król, der sein Revier in Frankfurt eben aufgegeben hat, aber im Revier geboren wurde.

          Fünf Premieren für den Sender

          Nur ist man hier im „Savoy“ wirklich am  Rand der Berlinale? Oder nicht vielmehr mitten in der Zentrale der deutschen Filmförderung? „Wir sind“, sagt Gebhard Henke, der Fernsehspielchef des WDR und „Tatort“-Koordinator der ARD, „mit fünf Premieren auf der Berlinale vertreten“, und erst fährt man leicht zusammen bei so viel Selbstbewusstsein – aber dann sieht man dabei zu, wie Henke diese fünf Produktionen aufzählt: „Hüter meines Bruders“ von Maximilian Leo. „Zeit der Kannibalen“ von Johannes Naber. „Über-Ich und Du“  von Benjamin Heisenberg. „Diplomatie“ von Völker Schlöndorff. „Die geliebten Schwestern“ von Dominik Graf.

          Und bei jedem dieser Filme bittet Henke, es möge doch bitte kurz aufzeigen, wer von den Beteiligten heute gekommen sei, und dann zeigen sie auf: Dominik Graf zeigt auf, der sonst auf solchen Veranstaltungen eher nicht zu sehen ist. Seine Hauptdarstellerin Hannah Herzsprung zeigt auf, Maximilian Leo zeigt auf, alle zeigen sie auf, nur Schlöndorff nicht, der fehlt, und der große Florian Stetter, Grafs „Schiller“ auch nicht, der kommt erst später.

          „Ich komme aus der Non-Fiction“

          Dann spricht Tom Buhrow, der Intendant des WDR. „Ich komme aus dem Non-Fiction-Bereich“, sagt er, so kann man Nachrichten natürlich auch nennen,  und er siezt, wo Henke duzte, und er sagt: Wir sind Partner, wir sind Plattform, wir sind Geldgeber. „Es ist ein bisschen zur Masche geworden, auf uns herumzuhacken“, sagt Buhrow, deswegen bitte er die Medien darum, „kloppen Sie nicht einfach wild und  undifferenziert auf uns herum“, und dann sagt er, dass diese Veranstaltung keine Sause, sondern ein Kaffeekränzchen sei, solle man nicht so auslegen, dass künftige Produktionen frugal ausgestattet würden. Vorher hatte Gebhard Henke noch erklärt, man sei beim WDR auch dafür zuständig, Gebühren „zu hundert Prozent auszugeben“, da hatte er auch mal aus dem Bereich Non-Fiction gesprochen. „Auf gute Zusammenarbeit“, sagt Buhrow. Auf gute Zusammenarbeit!

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