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Felix Baumgartners Rekordjägerei : Gefallen

  • -Aktualisiert am

Logisch, aber doch merkwürdig: Der schiefe Turm von Pisa wäre auch nicht schneller vom Himmel gefallen als der Österreicher Felix Baumgartner.

          1 Min.

          Freier Fall? Nichts leichter als das. Aber ob es stimmt, was sich die Leute erzählen: dass Fallschirmspringer, die ihren Fallschirm vergessen haben, nichts mehr mitbekommen, weil sie, ob nun vor Schreck oder weil die Luftverhältnisse so ungünstig sind, vor dem Aufprall sowieso ohnmächtig werden? Jedenfalls ist der freie Fall für den Menschen eine Herausforderung. Die Philosophie hat ihn relativ schnell in den Griff bekommen. Schon Aristoteles war aufgefallen, dass sich im Wasser schwere Körper nach unten bewegen, leichte nach oben. Daraus schloss er, dass es sich in der Luft ganz ähnlich verhalten müsse. Ganz so stimmte das nicht, aber dass Körper, wenn sie losgelassen werden, fallen, das traf zu.

          Es war Galileo Galilei, der dann die eigentliche Gesetzmäßigkeit des freien Falls untersuchte. Allerdings war ihm dabei, anders als die Legende es will, der schiefe Turm von Pisa nicht behilflich, sondern nur ein Wassereimer. Der Witz am fallenden Körper ist, dass sein Gewicht keine Rolle spielt, wenn er in einem Vakuum fällt, also ohne den geringsten Luftwiderstand.

          Die Schallmauer durchbrochen

          Man darf annehmen, dass Felix Baumgartner sich mit dieser Erkenntnis vertraut gemacht hat, bevor er sich die 39 Kilometer hinaufkutschieren und dann fallen ließ. Was ihn dazu bewogen hat, war wohl weniger das Gefühl der Schwerelosigkeit, das man ja auch mit weniger Aufwand erreichen kann (Drogen oder ganz einfach Schlaf), sondern die ewige Rekordjägerei, wobei es, wenn wir das richtig gesehen haben, gar nicht 39 Kilometer waren, sondern 39,045. Die Differenz ist, nach den Maßstäben des Weltalls, die hier ja einzig zählen, eine Kleinigkeit, nach irdischen aber fast die Höhe des schiefen Turms von Pisa, der 55 Meter hoch ist. Hätte nun Baumgartner nicht einfach dort herunterspringen können?

          Baumgartner wollte ja die Schallmauer durchbrechen! Das ist ihm gelungen, die 1342 Kilometer in der Stunde muss ihm erst einmal jemand nachmachen. Nach einer halben Minute raste er schon mit tausend Sachen durch die Luft, geriet dann aber bedenklich ins Trudeln, für einen Moment war es ihm, als würde er ohnmächtig. Dann hätte auch der Fallschirm nicht mehr geholfen, an den er zum Glück gedacht hat.

          Das Gesetz des freien, im Vakuum passierenden Falls ist logisch zwingend. Trotzdem berührt es uns merkwürdig, dass oben, in der so gut wie luftfreien Zone, auch der schiefe Turm von Pisa mit seinen fast 15000 Tonnen kaum schneller gewesen wäre als dieser erstaunliche Österreicher.

          Edo Reents

          Redakteur im Feuilleton.

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