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FDP, Grüne und Medien : Was erlauben sich diese Jungwähler?

Eben noch im Wahlkampf in Köln, jetzt auf Regierungskurs: FDP-Chef Lindner Bild: REUTERS

Das Erstaunen in den Medien ist groß, dass viele Jungwählerinnen und Jungwähler für die FDP gestimmt haben. Da hat man in der journalistischen Blase wohl etwas nicht mitbekommen.

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          Nach der Wahl ist vor der Wahl. Das jedenfalls gilt für die oberflächliche Betrachtung von Politik und Gesellschaft, die uns vor allem das Fernsehen anbietet und in die sich Journalisten einfinden, denen man nur ein Instagram-Bildchen hinwerfen muss, schon sind sie zufrieden und meinen, dass das, was nach Friede, Freude, Eierkuchen aussieht, schon die ganze Geschichte sei.

          So erleben wir es gerade mit Blick auf die Sondierungsgespräche von FDP und Grünen, deren Koalition – ob mit SPD oder Union – angeblich gar nichts entgegensteht.

          Zwischen FDP und Grünen liegen Welten

          Diesen Eindruck vermittelte gerade erst Frank Plasberg in seiner Talkshow „hart aber fair“. Da bedurfte es des Welt-Reporters Robin Alexander, um dem Nonsens ein Ende zu bereiten. Zwischen FDP und Grünen nämlich liegen Welten – und zwischen ihren jungen Wählern auch. Die Grünen streben einen staatlich verordneten gesellschaftlichen Wandel an, der Ansatz der FDP ist das Individuum mit seinen Freiheitsrechten.

          Gerade deshalb haben junge Wählerinnen und Wähler die Liberalen auserkoren und nicht die Grünen, die SPD oder die Union. Nichts würde sie mehr enttäuschen, legte die FDP ihr Freiheitsversprechen, das sie auf sämtlichen politischen Feldern durchdekliniert, um der Regierungsbeteiligung willen zu den Akten.

          Die Liberalen haben bei den Koalitionsverhandlungen dieser Tage viel mehr zu verlieren als vor vier Jahren. Wer die Liberalen gewählt hat, setzt das Zeichen, dass nicht alle zur „Generation Greta“ gehören und mit „Fridays for Future“ oder dem blauhaarigen CDU-Zerstörer auf Youtube verrechnet werden wollen. Für die Grünen, die einem erscheinen wie die alte CDU und sich offenbar gar nicht vorstellen können, dass Jüngere sie nicht wählen, ist das ein Schock, auf den sie mit Verdrängung reagieren.

          Und für die journalistische Blase, deren Umsichselbstkreisen man besonders gut bei Twitter besichtigen kann, ist es schon ziemlich peinlich, die Hälfte der Jungwählerinnen und Jungwähler nicht auf dem Schirm gehabt zu haben. In der ARD-Wahlarena mit Armin Laschet saßen wie selbstverständlich drei Aktivistinnen aus dem linken Spektrum – so sieht Repräsentativität im Ersten aus.

          So ist das mit der Konformität

          Die Sender, öffentlich-rechtliche wie private, die zurzeit mit Macht nach mehr „Diversität“ streben, sollten sich einmal überlegen, was und wen sie damit erreichen und wen sie ausschließen – aus ihren eigenen Reihen und dem Publikum.

          Die Umfrage unter ARD-Volontären, die vor einigen Monaten Furore machte, weil sie ergab, dass 92 Prozent der Befragten sich mit den politischen Farben Rot-Rot-Grün identifizieren, sollte den Senderverantwortlichen zu denken geben. Sie reden von Diversität, schaffen aber Konformität – im Denken, was sich direkt im journalistischen Handeln niederschlägt. Und dann herrscht große Verwunderung über den Erfolg der FDP bei den Jungen.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

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