https://www.faz.net/-gqz-7avwb

FBI-Informant bei Wikileaks : Fünfzehn Minuten Berühmtheit für „Siggi, den Hacker“

T-Shirt-Verkäufer oder wichtiger Mitarbeiter? Sigurdur Thordarson neben Juliane Assange Bild: Getty Images

Der Hacker Sigurdur Thordarson war Informant des FBI bei Wikileaks. Um zu beweisen, dass er dort mehr war als ein „unbedeutender T-Shirt-Verkäufer“, wie Wikileaks behauptet, veröffentlicht er nun interne Chatprotokolle.

          Der junge Isländer Sigurdur Thordarson, der bei Wikileaks und zugleich ein Informant des FBI war, hat offenbar begriffen, dass seine fünfzehn Minuten Weltberühmtheit gerade begonnen haben. Ein unbedeutender T-Shirt-Verkäufer sei er gewesen, der es mit der Wahrheit nicht so genau nehme, hatte der Wikileaks-Sprecher Kristinn Hrafnsson im Gespräch mit FAZ.NET gesagt. Kurze Zeit später twitterte Wikileaks offiziell, Sigurdur Thordarson, besser bekannt als „Siggi, der „Hacker“, habe nie für Wikileaks „gearbeitet“ und sei nicht an sensible Informationen herangekommen.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Das war eine Reaktion auf die Nachricht, dass besagter Siggi, der anderthalb Jahre lang persönlichen Kontakt zu Wikileaks-Gründer Julian Assange hatte, zugab, ein Informant des FBI gewesen zu sein. Über ihn könnte die amerikanische Bundespolizei also an Informationen über Wikileaks herangekommen sein, was sowohl für den in den Vereinigten Staaten des Geheimnisverrats angeklagten Bradley Manning unangenehm werden könnte, aber auch für alle Wikileaks-Unterstützer, sollte Thordarson, der unter anderem ein Wikileaks-Forum bei Facebook betreute, Daten über alle, die sich dort anmeldeten, weitergegeben haben.

          „LulzSec“ gegen „Anonymous“

          Um zu zeigen, dass er mehr als ein T-Shirt-Verkäufer war, hat Siggi nun in der vergangenen Nacht eine Bombe gezündet. Er hat auf seinem Twitter-Account eine Unterhaltung eingestellt, die wohl beweisen soll, dass er bei Wikileaks mehr war als jemand, der dort „nicht gearbeitet“ hat. Es ist eine Unterhaltung zwischen „dumbo12“ und „Sabu“. Hinter „dumbo12“ dürfte Siggi stecken, der sich bei Wikileaks in Chats in verschiedenen Versionen als „fliegender Elefant“ herumtrieb. „Sabu“ wiederum ist das Pseudonym des Hackers Hector Xavier Monsegur, der zu den Gründern der Gruppe „LulzSec“ gehörte, die 2011 für Furore sorgte, als sie unter anderem massenhaft Daten von Sony-Kunden abgriff. Die Gruppe „LulzSec“ hatte keine lange Lebensdauer, im Juni 2011 gab sie nach wenigen Wochen ihres desaströsen Wirkens ihre Auflösung bekannt. Was freilich damit zu tun hatte, dass „Sabu“ vom FBI einkassiert und umgedreht worden war und angeblich seine Mithacker fleißig verpfiffen hatte. Bei alldem lieferte sich „LulzSec“ mit „Anonymous“ Gefechte um die Deutungshoheit in der Welt der Hacker.

          Es unterhalten sich also „dumbo12“ und „Sabu“, was einen Kommentator gleich auf die Interpretation brachte: FBI-Informanten unter sich. Das mag sein, auch kann einen skeptisch stimmen, dass die Unterhaltung angeblich im November 2011 stattfand, als es „LulzSec“ offiziell nicht mehr gab, „Sabu“ aber immer noch so auftritt, als sei er Herr des Verfahrens. Die Hinweise auf Geldtransfers, die zwischen Konten in Syrien und Österreich (via Commerzbank in Frankfurt) und in Moskau hin- und hergingen (einmal fünf Millionen Euro, einmal zwei Milliarden Euro; Summen, die angeblich das Assad-Regime überwies) – diese Hinweise sind schon interessant.

          Hinweise auf Geldtransfers fanden sich später nämlich in den sogenannten „Syria Files“, die Wikileaks im Juli 2012 herausbrachte. Und das regt dann die Phantasie an: Die „Syria Files“ –  tonnenweise E-Mails und Chats aus dem syrischen Regierungsapparat -, waren gehackt worden.  Aktivisten von Anonymous nahmen für sich an Anspruch, die Informationen, die Wikileaks online stellte, beschafft zu haben.

          Da passte dann eines zum anderen, oder auch nicht: Wikileaks, Anonymous und die „Syria Files“; „dumbo12“, „Sabu“ und – das FBI. Kein Wunder, dass sich bei Sigurdur Thordarson nun Leute melden, die wissen wollen, ob das FBI etwas über sie in Erfahrung bringen wollte und was er gesagt hat. Da gibt er sich mal gönnerhaft, mal anspielungsreich, mal cool: „I do no longer have active relationship with the FBI“, schreibt er unter anderem. Wikileaks, wir erinnern uns, hatte per Twitter mitgeteilt: “At no time did Sigurdur Thordarson ,work’ for WikiLeaks. At no time did he have access to sourcing or publishing systems.“ Was für eine Arbeitsbeziehung.

          Weitere Themen

          Der Weltuntergang wird abgesagt

          Wagner in Chemnitz : Der Weltuntergang wird abgesagt

          Das tut Chemnitz gut: Die Regie von Elisabeth Stöppler und ein ganz beeindruckendes Ensemble bescheren der Stadt und der Oper eine großartige Deutung von Richard Wagners „Götterdämmerung“.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.