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FAZ vom 28.11.1949 : Schlankheitskuren

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Wie ergeht es dem dicken Mann, wenn der Arzt ihm sagt „Da müssen mindestens 20 Pfund herunter“? Er kaut auf zierlichen Pfläumchen und flüchtet beleidigt ins Grüne. Nur gut, dass die erfahrene Ehefrau die Barometeranzeige ihres Mannes kennt.

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          Seit einigen Wochen sind sie wieder da: die Schlankheitspillen in allen Farben und mannigfacher Packungen. „Schlankwerden ohne Hungerkuren!“ rufen sie den Dicken beiderlei Geschlechts zu.
          Männer beunruhigt das beachtlicher werdende Bäuchlein zunächst gar nicht. Erst wenn sie infolge einer harmlosen Erkältung den Arzt aufsuchen und der erfahrene Medizinmann ihnen wohlmeinend auf die Schulter klopft: „Da müssen mindestens 20 Pfund herunter, mein Lieber. Ihr Herz klopft bereits Alarm!“, werden sie ernst. „Meiden Sie Flüssigkeiten, allzuviel Fett und Mehlspeisen. Essen Sie, wenn möglich, salzlos und schieben Sie hin und wieder einen Obsttag ein.“

          Jetzt stellt sich der Haushalt um. Das Salzfaß verschwindet vom Tisch. Die Kinder essen heimlich in der Küche vor und nach den Mahlzeiten eine Mehlspeise. Mitleidig kratzt die Mutter dem Vater nach einer salzlosen Wassersuppe ein mageres Butterbrot. Morgens in aller Frühe rasselt der Wecker, und der Dicke macht unter viel Keuchen und Stöhnen im Nachthemd vor offenem Fenster grotesk anzusehende Freiübungen. Als er sich erschöpft eine´ Stunde später vor dem Kaffeetisch niederläßt, findet er als Überraschung vier zierliche Pflaumchen vor. Resigniert, mit spitzen Zähnen kaut er auf ihnen herum und eilt in die Stadt. Viel Bewegung - so lautet die ärztliche Vorschrift. Die Abnahme der überquellenden Lebensmittelauslagen ist keine Kleinigkeit.

          Aufatmend flüchtet der Hungernde ins Grüne. Laut und vernehmlich knurrt sein Magen, der ebenso beleidigt wie sein Besitzer über die vier zierlichen Pflaumchen ist. Übelgelaunt, gereizt nähert sich das Opfer häuslichen Gefilden. Kaum hat er sich im Wohnzimmer niedergelassen, öffnet sich die Tür und seine Frau steht dort, zur Abwechslung des Menü-Zettels mit zwei rotbäckigen Äpfelchen auf einer Untertasse. Sie ist eine alte erfahrene Ehefrau und kennt die Barometeranzeige ihres Mannes ganz genau. Diesmal rückt der Zeiger bedenklich auf Sturm. Hellsichtig sieht sie auf der Grundlage von vier Pflaumchen eine schreckliche sturmbewegte Zukunft vor sich. Die Situation beim Schöpfe fassend, eilt sie in die Küche, wirft ein paar Bratkartoffel in die Pfanne, schiebt ein ordentliches Stück Speck dazwischen, salzt tüchtig nach, schlägt ein Ochsenauge über das Ganze und stürzt in das Zimmer ihres Mannes. Eine halbe Stunde später ruht auf dem Familiensofa ein zufrieden schmunzelnder Mann. Sein Bäuchlein wölbt sich beachtlich nach oben und in seinen Mundwinkeln schimmern noch glänzend golden ein paar aufgespeicherte Fettoasen. mm

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