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FAZ.NET-Spezial : Islamkonferenz: An den Grenzen des Respekts

Auch eine Frage der Konstruktion: Arbeiten an der Kuppel einer neuen Moschee in Berlin-Kreuzberg Bild: ddp

Die Islamkonferenz ist auf Jahre hin angelegt. Ein Erfolg ist sie schon jetzt. Denn endlich wird das Thema Islam in Deutschland nicht nur dann politisch diskutiert, wenn mal wieder etwas passiert ist. FAZ.NET-Spezial.

          In einem Punkt hat der Schrifsteller Feridun Zaimoglu natürlich recht: Es ist unverständlich, warum auf der Islamkonferenz, die sich am Mittwoch zum zweiten Mal im Plenum treffen wird, nicht auch eine überzeugte Kopftuchträgerin sitzt. „Warum sind alle Frauen, die an der Konferenz teilnehmen, bekennende Säkulare oder Islam-Kritikerinnen? Wieso fehlt eine gläubige Muslima?“ hatte Zaimoglu schon am 1. Oktober vorigen Jahres in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ gefragt (siehe auch: Autor Feridun Zaimoglu: „Ja, es gibt einen deutschen Islam“). Freilich adressiert der Schriftsteller seine Kritik falsch.

          Christian Geyer-Hindemith

          Redakteur im Feuilleton.

          Nicht die Islam-Kritikerinnen, die er in der vergangenen Woche als „medial gehypte Frauen“ denunzierte (siehe auch: Feridun Zaimoglu: Kritiker der Islamkritikerinnen), sind schuld, sondern die religiösen Verbände selbst, also beispielsweise der Zentralrat der Muslime in Deutschland. Diese Verbände haben nur religiöse Männer in die Islamkonferenz geschickt, keine religiösen Frauen. Womöglich ein unfreiwilliger Beleg für das, was die Islam-Kritikerinnen als patriarchalische Struktur an den Pranger stellen?

          Schon jetzt ein Erfolg

          Die Streitfrage alles Funktionärshaften - wer darf wen mit welcher Tagesordnung vertreten? -, hat auch die Islamkonferenz fest im Griff. Und doch ist diese von Wolfgang Schäuble installierte Veranstaltung schon jetzt ein Erfolg. Denn zum ersten Mal wird das Thema Islam in Deutschland nicht nur dann politisch diskutiert, wenn mal wieder etwas passiert ist: ein Ehrenmord in Hamburg, ein mit dem Koran argumentierender Richterspruch in Frankfurt (siehe auch: Richterbund verteidigt Frankfurter Familienrichterin in Sachen Koran). Zum ersten Mal existiert hierzulande mit der Islamkonferenz ein in der politischen Hierarchie hoch aufgehängtes Forum, bei dem die in der islamischen Sache Betroffenen kontinuierlich aufeinandertreffen: Vertreter des Staates reden mit frommen und säkularen Muslimen - sowie, besonders wichtig, diese beiden letzteren Gruppen reden untereinander.

          Dass dies alles nicht in ein leeres Palaver mündet, liegt für den, der sich politisch nicht begriffsstutzig stellt, auf der Hand. Denn im Hintergrund dieser auf mehrere Jahre angelegten Konferenz stehen hochpolitische Erwartungen, die den wachsenden Anteil islamisch geprägter Familien in Deutschland in Rechnung stellen. Erwartungen, die sich - mit unterschiedlichen Akzenten - auf die Anerkennung einer islamischen Instanz als öffentlich-rechtlicher Körperschaft beziehen, als Träger von Bildungseinrichtungen, Schulen und Moscheen.

          Wer spricht für wen?

          Mit anderen Worten: Hier, auf dieser Konferenz, geht es nicht um die soundsovielte Akademieveranstaltung zum großen Brummer Integration (welche Diskrepanz zwischen der Abstraktheit dieses hochgestochenen Begriffs und der Alltäglichkeit der davon berührten Fragen). Es geht vielmehr darum, im Gespräch mit den Beteiligten Entscheidungen vorzubereiten, die so oder so das politisch-kulturelle Gesicht unserer Kommunen prägen werden. Insofern versteht man die Aufregung, die immer wieder entflammt, wenn - wie jetzt im Fall Zaimoglu - auf der Islamkonferenz Fragen der personellen Repräsentation zur Sprache kommen. Sie sind von unmittelbar inhaltlicher Bedeutung, weil sie die Frage beeinflussen, welche Fragen sich stellen - und welche im Gegenteil unter den Tisch fallen dürfen oder sollen.

          Als entscheidend wird im Augenblick die Frage angesehen, für wen der von den religiösen Verbänden flugs als Dachverband gegründete „Koordinierungsrat der Muslime“ sprechen soll. „Faktisch ist dies über den Kopf von 3,3 Millionen Muslimen hinweg geschehen, nur fünfzehn Prozent der hier lebenden Muslime sind darin organisiert“, erklärt Ezhar Cezairli (siehe auch: Ein Gespräch mit Ezhar Cezairli, Vertreterin der säkularen Muslime bei der Islamkonferenz), die auf der Islamkonferenz eine Vertreterin der Säkularen ist. „Sollte die Bundesregierung den Dachverband als Vertreter aller Muslime anerkennen, wäre das ein schwerer Schlag und die Islamkonferenz in Frage gestellt.“

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