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FAZ.NET-Frühkritik zu Jauch : Wir sind die Niedersachsen

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Dass mit Jürgen Trittin, Sigmar Gabriel, Ursula von der Leyen und Philipp Rösler ein niedersächsisches Quartett herausgekommen war, schien nicht die Absicht gewesen zu sein Bild: dpa

Als Person gewinnen, als Partei verlieren und umgekehrt: Bei Günther Jauch wurde dieses Spiel schon einmal für die Bundestagswahl eingeübt.

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          Wer den Abend über die Berichterstattung zur Wahl verfolgt hatte und immerhin verstanden zu haben meinte, dass es sich um die Wahl in Nordrhein-Westfalen gehandelt hatte, war natürlich zuerst einmal erstaunt, als dann bei Günther Jauch vier Politiker aus Niedersachsen saßen. Die Einladungspolitik der Sendung wirkt ja manchmal wie ein Kartenspiel, bei dem die Gäste aus einem Stapel gezogen werden, in dem es keine neuen Karten gibt und die alten daher immer neu kombiniert werden müssen. Dass mit Ursula von der Leyen, Sigmar Gabriel, Philipp Rösler und Jürgen Trittin dabei ein niedersächsisches Quartett herausgekommen war, schien nicht die Absicht gewesen zu sein. Aber welche gab es dann?

          Die zweite Erkenntnis, die sich aus der vorherigen Berichterstattung ergeben hatte, war, dass diese Wahl in der Hauptsache von den jeweiligen Spitzenkandidaten gewonnen oder verloren worden war und nicht von ihren Parteien. Hannelore Kraft war am Muttertag im Mutterland der Sozialdemokratie zu jener Landesmutter gewählt worden, als die sie sich immer schon gegeben hatte. Norbert Röttgen war mit einem Wahlkampf, der „in Themen, Inhalt und Stil“, wie er sagte, nach ihm ausgerichtet war, gescheitert und beschrieb die Niederlage, die er sich daher persönlich anlastete, mit dem in diesem Zusammenhang selten gehörten Wort „umfassend.“ Christian Lindner hatte sich eine Splittergruppe auf den Rücken geschnallt und sie, wie es schein, fast ganz allein ins Parlament gewuchtet.

          In der Wahl war es offensichtlich um Personen, weniger um Parteien, gegangen, aber keine dieser Personen saß jetzt bei Günther Jauch. Bei Günther Jauch saßen vier Leute, welche die Ereignisse mit dem Scheinwerfer ihrer Parteien ausleuchteten, die Siege einfärbten, die Niederlage ausblichen. Das lief einige Minuten lang in der bekannten Art und Weise ab, nach der dem Wähler nun, wo er gerade seine Stimme abgegeben hatte, noch einmal erklärt wird, was er damit sagen wollte. Aus der Menge der Balkendiagramme ein Bild zu entwerfen, das stimmig ist, gehört zum Spiel zwischen Politikern und Journalisten nach so einem Abend, und doch wirkt es jedes Mal wieder so, als habe damit schon Minuten nach der Schließung der Wahllokale die Entmündigung des Einzelnen und die Aneignung seiner Stimme durch den Apparat bereits wieder begonnen.

          Ist Angela Merkel nun in Not? Lässt sich gegen das Schuldenmachen keine Wahl mehr gewinnen? Muss man als Politiker heute ein Kümmerer sein, der auf die Menschen eingeht, statt ihnen mit Unangenehmem zu kommen? Ist Hannelore Kraft eine kommende Kanzlerkandidatin?

          Welches Ergebnis hätte es auch sein können?

          Je länger dieses Spiel lief, das Günther Jauch mit jeder routinierten Frage immer nur in die nächste Runde brachte, ohne dass es jeweils ein Ergebnis gab – welches hätte das auch sein können? – umso mehr trat das, was gesagt wurde, hinter dem zurück, wie es gesagt wurde. Diese vier Gäste mochten zur Erklärung der Lage ihrer Partei nach einer Landtagswahl eingeladen worden sein, sie gehören aber zum Personal der anstehenden Bundestagswahl, die in der Hauptsache womöglich ebenso von den jeweiligen Kandidaten und Spitzenkandidaten entschieden wird. So gesehen konnte man sich hier schon einmal ein Bild machen von der Auseinandersetzung, die ansteht und den Charakteren, die sie austragen – und da wurde die Sache dann interessant.

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