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Herzen bei Twitter : Liebe für einen Tweet

Herzig: das neue Favoriten-Icon bei Twitter Bild: Twitter

Jahrelang regnete es Sterne für beliebte Tweets. Jetzt hat Twitter endgültig auf Herzen umgestellt – und damit einen Running Gag unter seinen Nutzern zu weit getrieben.

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          Es war doch alles so einfach: Wer einen Tweet interessant oder lustig oder sonstwie bedeutsam fand, klickte auf den Stern. Dann freute sich der Absender. Manche Tweets blieben auf ewig unbesternt, andere sammelten im Laufe der Zeit hunderttausende Sterne. Niemand sah einen Grund, daran etwas zu ändern. Außer Twitter selbst.

          Julia Bähr
          Koordinatorin F+Inhalte und redaktionelles SEO.

          Denn nach und nach ersetzte Twitter die gelben Sterne durch rote Herzen. Manche bekamen das früh angezeigt. Gestern erwischte es die meisten Nutzer in der Desktop-Version; Android hinkte etwas hinterher. Wenn das Herz angeklickt wird, scheint es zu pulsieren – zumindest war das wohl der Gedanke hinter der eigentümlichen Animation. Bei den Nutzern kam das allerdings nicht so gut an.

          Dazu muss man wissen, dass die deutsche Twitter-Gemeinde ein eigenwilliges Völkchen ist. Zumindest jene, die die Plattform privat nutzt. Man siezt einander förmlich, doch pathetische Sympathiebekundungen fallen durchaus nicht unangenehm auf. Außerdem gilt Twitter diesen Nutzern als eine besondere Form von Singlebörse: Hunderte schreiben über ihr Singleleben, opfern ihre Dates auf dem nur 140 Zeichen breiten Anekdotenaltar und witzeln darüber, dass sie keinen Sex haben, nie. Die Unterschiede zu einer richtigen Singlebörse liegen erstens in der unverblümten Ehrlichkeit, die die Anonymität vieler Nutzer natürlich erleichtert, und zweitens darin, dass niemand erwartet, auf Twitter einen Partner kennenzulernen. Die Aussichtslosigkeit generiert neue Scherze. Man will nur erzählen, wie es so ist. Aber plumpe Vertraulichkeit? Um Himmels Willen.

          Da kommt das Herz viele hart an, hat es doch ein facettenreiches Symbol durch ein plumpes ersetzt. Der Stern, der konnte alles heißen, zumindest aber: Dieser Tweet leuchtet aus der Nacht des Internets heraus. Das Herz aber ist einfach ein Herz. Liebe für diesen Tweet. Es fühlt sich an, als hätte man sich versehentlich verlobt. Einen Stern konnte man auch jemandem rüberreichen, den man eigentlich nicht leiden mag oder gar nicht kennt, weil er einem zufällig in die Timeline retweetet wurde. Das Herz dagegen, dieses Symbol voller Vertraulichkeit und Vertrautheit – das ist vielleicht doch nur etwas für richtige Singlebörsen. Mit Aussicht.

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