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Fassadenstifter : Mein Schloss

Das könnte Ihr Schloss sein - zumindest ein Stück davon. Bild: Förderverein Berliner Schloss / eldaco

Diamanten waren gestern, heute schenkt man schmucken Sandstein. Und macht damit auch noch Geschichte. Verspricht zumindest der Förderverein Berliner Schloss e.V.

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          In vier Wochen ist die Materialschlacht auch schon wieder vorbei. Alle Geschenke ausgepackt, die Papiertonnen quellen über und die Nachhaltigen bügeln Schleifen gerade. Weitere vier Wochen später erinnert sich kaum einer, was man eigentlich von wem und warum bekommen hat. Da hilft nur Geschenkenthaltsamkeit (was Kinder und der Einzelhandel hassen) oder das genaue Gegenteil – ein Geschenk für die Ewigkeit, oder jedenfalls für ein paar Jahrhunderte.

          Zum Glück schickt uns der Förderverein Berliner Schloss e.V. dieser Tage einen dicken Katalog mit der Fanfare: „Machen Sie Geschichte! Stiften Sie jetzt Ihren Schlossbaustein oder Ihr Schmuckelement! Engagieren Sie sich für den Wiederaufbau des Berliner Schlosses!“ Und fächert ein Angebot auf, das jedes Schenkerherz höher schlagen lassen müsste. Man weiß gar nicht, wo man zugreifen möchte – beim Portal II des Schlossforums zu sieben Millionen Euro oder doch beim sieben Meter hohen Kuppelkreuz mit Kuppe, Kupfer getrieben und vergoldet für überschaubare 680000 Euro?

          Momente der Wahrheit inbegriffen

          Wie, das ist Ihnen immer noch zu viel für ein Weihnachtsgeschenk? Bedenken Sie bitte den Effekt, wenn Sie 2019 mit dem Empfänger ihrer Gabe vor dem dann fertigen Neubau stehen und im Schlüterhof sagen können: „Liebling, die Konsole der Volutenpilaster der Galerie dort oben – das ist dein Weihnachtsgeschenk 2014, freust Du Dich?“ In solchen Augenblicken erst offenbart sich, wes Zeitgeistes Kind die Zielperson wirklich ist.

          Und solche Momente der Wahrheit könnte es tausendfach geben. Man muss sich nur entscheiden, sei es für die Wappenkartusche im Übergang zum Eosander-Risalit (Fama Ost, 269000 Euro), sei es für ein Architrav inklusiv Seitenansicht (107000 Eruo). Ganze Säulenschäfte sind preisgünstiger (ab 3500 Euro), und wer wirklich nur eine Kleinigkeit verschenken will, wird auch im dreistelligen Bereich fündig, einzelne Schaftsteine sind ab 300 Euro zu haben.

          Das Maß der öffentlichen Dankbarkeit ist freilich abhängig von der Spendenhöhe. Zuwender bis 199 Euro erhalten eine Spendenbescheinigung plus Lageplan des Teilbausteins, jenseits der 10000 Euro gibt es einen Stifterbrief, die Ehrennadel Berliner Schloss in Gold nebst Lageplan des Schmuckelements mit Koordinatenangabe plus Spendenbescheinigung. Die Spendernamensliste wird nicht nur im Internet, sondern im Schloss via Videoprojektion geehrt, sechsstellige Stifter erhalten steinerne Namenstafeln, siebenstellige dürfen Wünsche äußern, die Benennung eines Saals nach ihrem Namen winkt.

          Da dem Verein noch sechsunddreißig Millionen Euro zum Schlossglück fehlen, sollte die Nation die diesjährige Weihnachtsgeschenkfrage hiermit als geklärt betrachten.

          Hannes Hintermeier

          Verantwortlicher Redakteur für das Feuilleton.

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