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Familienwerte : Warum ist das mit den Kindern so kompliziert?

  • Aktualisiert am

Unterschiede zeigen sich früh: Drei Newcomer in einer Geburtsklinik. Bild: dpa

Trotz aller Anreize werden wenig Kinder geboren. Das größte Hindernis, so fand das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung heraus, sind die kulturellen Einstellungen: Das Leben mit Kindern gilt als anstrengend und soll perfekt gelingen. Muss das so sein?

          Kinderhirn in Vaterzeit

          Was aber die Hauptsache an seiner Halluzination von Vaterschaft war - er hatte keinerlei eigene Meinung mehr. Er sah die Dinge um sich herum und verstand auch, was vorging, doch er konnte sich darüber keine Meinung mehr bilden und wusste nicht, worüber er sprechen sollte. Das Kind, das neu geborene Kind hatte ihm Meinung und Sprache verschlagen. Dergestalt war die Einfühlung in das Wesen seines Kindes, dass der Vater, welcher von der Vaterschaft schon immer einen ausserordentlichen Zuwachs an Zufriedenheit und Lebensfreude erwartete, sich plötzlich wie neu geboren vorfand. Er meinte die Welt mit den Augen seines Schreihalses zu sehen, blank und bloß, ungeschieden und ungeschlacht, ganz so, als habe er selbst noch keinerlei eigene Erfahrungen gemacht; als trage er nicht schon seine Meinungen mit sich herum; als müsse er sich von allem, was ihm begegnete, einen gänzlich neuen Begriff bilden. Meinen, was das Kind meint. Sprechen, was das Kind spricht. Und ihm obendrein ein fortlaufender Spender von Anregungen sein. Vater, wo bleiben die harten Anregungen für mein weiches Gehirn? So vernahm es das eingebildete Vaterherz in einem fort. Denn das Kindergehirn in seiner Plastizität ist ja ein furchtbar forderndes Organ, es will, so sagt die Wissenschaft, stets neu angeregt und mit wertvollen Eindrücken gewickelt sein, mit anderen Worten: es duldet keine Halbheiten von Vaterschaft, es verschlingt den ganzen Mann, der es erzeugt. Und als der Mann aus seinem halluzinierten guten Vatersein erwachte, da wollte er alles, nur eines nicht: Vater sein. Er meinte zu Recht, seine „spezifischen Vorstellungen von Elternschaft“ (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung) würden sich wohl nicht verwirklichen lassen.

          Christian Geyer

          Morgen, Kinder, wird’s euch geben

          Das Kind der achtziger Jahre sah in seiner Zukunft eine große Familie. Als Garant dafür galt ein fester Arbeitsplatz - gerade für Mädchen; die Eltern lebten vor, dass ökonomische Sicherheit wichtig ist, um sich Freiheiten zu schaffen. Für die Heranwachsende verblasste der Familienplan, ganz natürlich. Die geistige Welt stand jetzt im Vordergrund - aus Überzeugung. Mit den Worten der Vorbildgeneration, die einen im Studium umgab: die Karriere, die geplante Zukunft; dann würde sich auch alles andere ergeben. Erst mit Ende zwanzig tauchten die Kinder wieder auf - in kurzen Fragen und Bemerkungen. Die Antwort lautete ungefähr so: „Kinder, ja, ich will Kinder.“ Dann war der Arbeitsplatz da, und jemand, mit dem man sich ein Kind vorstellen konnte; doch die äußeren Bedingungen entsprachen nicht der Prophezeiung der Vergangenheit: „Erst müssen wir beide in einer Stadt einen Job finden, zusammenziehen“. Weiter führen die Gespräche meist nicht. Den Kinderwunsch in die Zukunft auszulagern, fällt in unserer Arbeitswelt leicht: Die intellektuellen Vorbilder und Lebensbereiche sind kinderfrei, die Gesellschaft ist kinderfern. Und so vergehen die Jahre. Der nebelhaft vorausgesehene Tag, an dem alles so perfekt sein würde, dass ein Kind selbstverständlich wäre, stellte sich nicht ein. Warum ist das so?

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