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Familienfreundliche Bundeswehr : Herrenwitzlos

Intelligente Unternehmensführung versus die Ideologie des totalen Dienstes: Ursula von der Leyens Pläne zur familienfreundlichen Reform der Bundeswehr bringen eine uferlose Debatte zurück in die Realität.

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          „Sie hat die Themen angesprochen, die über die Zukunftsfähigkeit der Bundeswehr entscheiden werden“, so lapidar kommentiert Hellmut Königshaus, der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages, die Reformpläne der neuen Verteidigungsministerin. „Gerade weil“, fährt er fort, „der Dienst in der Bundeswehr immer auch von persönlichen Härten geprägt sein wird, ist es richtig, das Möglichste zu tun, um das Arbeitsumfeld familienfreundlich zu gestalten.“ Gerade weil – die beiden Worte stellen nebenbei die Herrenwitz-Rhetorik bloß, der zufolge es doch keine „Teilzeitkriege“ und keine „familienfreundlichen Militäreinsätze“ gebe.

          Gerade weil es solche nicht gibt, muss man – solange die Bundeswehr nicht abgeschafft werden soll – da, wo es geht, den privaten Belangen der Soldaten umso mehr entgegenkommen. Welche Satire sollte hier zünden? Etwa dass der Feind sich nicht nach den Kita-Schließzeiten richtet? Ha, ha, ha. Natürlich kann man wochen- und monatelang abseits der Familie im Ausland stationiert sein, ohne dass dies gegen Kitas in den heimischen Kasernen sprechen würde, gegen Lebensarbeitszeitkonten oder gegen die Überprüfung eines unsinnigen Versetzungsfurors. Mit ihren wuchtig präsentierten Reformthesen bringt Ursula von der Leyen nicht irgendwelche emanzipatorischen Partikularinteressen zum Ausdruck (von der Kanzleranwärtschaft abgesehen), sondern exerziert ausgerechnet in der Bundeswehr vor, was intelligente Unternehmensführung versus die Ideologie des totalen Dienstes bedeutet.

          Selbstverständlich sind die Belange des Familienlebens keine Privatsache in dem Sinne, dass sie jenseits der beruflichen und wirtschaftlichen Situation schwebten, für die der Arbeitgeber seine Vorgaben macht. Es gibt eine politisch unbedarfte wie ökonomisch berechnende Privatisierung des Privatlebens, die noch immer so tut, als kriege man Kinder ohnehin (Adenauer), als sei Familie eine Art Geschmacksache, mit der das Gemeinwesen nicht zu behelligen sei. Folgerichtig prostet man lieber endlosen Vereinbarkeitsdebatten zu, als einen Betriebskindergarten zu liefern oder sich auf Leistungskriterien für die Arbeit im home office zu einigen. Solche, der Realität spottenden Rückzugsgefechte geht in Deutschland niemand so wirksam an wie die profilbewußte Politikerin von der Leyen. Lässig verspricht sie zwar nicht direkt das Blaue vom Himmel, aber den benefit der Motivierten. Die Betriebe, meint sie, brauchten sich doch nur ein Beispiel an ihrer Bundeswehr zu nehmen – der künftigen.

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