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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum die Eltern und nicht die Kinder Kindergeld bekommen

Zu früh gefreut? Wer das Kindergeld erhält, muss davon auch eine ganze Menge bezahlen. Bild: Picture-Alliance

Es gibt Kindergeld und Elterngeld. Und auf wessen Konto landet beides? Wofür das Kindergeld gedacht ist und warum der Staat nicht jeden Monat 190 Euro direkt an den Nachwuchs überweist.

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          Beim Geld hört der Spaß auf, klare Sache! Das denken eher früher als später auch die Kleinen. Und dann kommt der Punkt, an dem sie Fragen stellen. Garantiert auch die: „Warum bekomme ich das Kindergeld eigentlich nicht selbst? Ich bin doch das Kind!“

          Christoph Schäfer

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und Finanzen Online.

          Die Frage ist berechtigt, schließlich geht es nicht um kleine Summen. Erst in diesem Jahr wurde das Kindergeld um zwei Euro je Kind und Monat erhöht. Für das erste und das zweite Kind beträgt es nun jeweils 190 Euro, für das dritte Kind gibt es 196 Euro und für das vierte und jedes weitere Kind je 221 Euro. Wenn das Kind ein Zahlenfuchs ist, könnte es sich ausrechnen, dass es damit jeden zweiten Tag ins Kino gehen könnte. Oder jeden Tag zwei Tüten Chips kaufen. Oder sechs Kugeln Eis pro Tag. Also her mit dem Geld?

          So einfach ist es nicht. Um zu klären, wem das Geld zusteht, muss man wissen, warum der Staat das Kindergeld überhaupt zahlt. Darauf gibt es zwei Antworten. Zum einen sollen Familien gefördert werden. Zum anderen hat das Bundesverfassungsgericht angeordnet, dass das Existenzminimum von Kindern nicht besteuert werden darf. Sprich: Statistiker, also erwachsene Zahlenfüchse von Berufs wegen, ermitteln, wie viel Geld es mindestens kostet, ein Kind in Deutschland mit Essen, Kleidung, einer Wohnung und anderen notwendigen Dingen zu versorgen. Diesen Betrag dürfen Eltern dann in jedem Fall voll behalten, dieser Anteil ihres Gehalts darf nicht besteuert werden.

          Kindergeld garantiert längst kein Luxusleben

          Einfacher ausgedrückt: Die Regierung und die Richter wissen, dass es viel Geld kostet, ein Kind groß zu ziehen. Dabei wollen und müssen sie helfen. Deshalb gibt es das Kindergeld. Für ein Luxusleben, für Chips und Eis ist es jedenfalls nicht gedacht.

          Dafür ist es auch nicht ansatzweise hoch genug: Laut Statistischem Bundesamt geben Paare mit einem Einzelkind durchschnittlich 584 Euro im Monat für ihren Nachwuchs aus. Im Fall von drei Kindern sinken die Ausgaben auf je 484 Euro. Das Kindergeld deckt also nur ein Drittel der tatsächlichen Kosten. Das muss man Kindern klar machen, wenn sie das Kindergeld aufs eigene Konto einfordern. Sie würden ein ganz schlechtes Geschäft machen, wenn sie im Gegenzug ihr Essen und ihre Jeans selbst zahlen müssten (von Strom, Heizung, Schulsachen oder Kindergartengebühren ganz zu schweigen).

          Allerdings gibt es Eltern, die mit ihren älteren Kindern ein Mischmodell ausgehandelt haben. In diesen Familien erhält das Kind sein Kindergeld tatsächlich selbst, muss dafür aber beispielsweise seine Kleidung oder seine Freizeitaktivitäten komplett selbst bezahlen. So eine Regel kann dem Nachwuchs dabei helfen, besser mit Geld umzugehen und ein Gespür für Kosten zu bekommen. Nie und nimmer aber könnte das Kind damit finanziell auf eigenen Füßen stehen und alle Kosten selbst bestreiten. Von Kino und Chips hat da noch keiner geredet.

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