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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Wie es mit #FridaysForFuture weitergehen könnte

Greta Thunberg demonstriert in Berlin mit vielen anderen Schülerinnen und Schülern für den Klimaschutz. Bild: dpa

Noch streiken jeden Freitag Kinder und Jugendliche auf der ganzen Welt für den Klimaschutz. Aber was, wenn irgendwann niemand mehr kommt – hat Greta Thunbergs Bewegung dann verloren?

          Die Kolumne „Wie erkläre ich's meinem Kind?“ gibt es auch zum Hören – und zum Abonnieren, als Podcast. Auch diese Folge.

          Letzten Freitag waren besonders viele Menschen bei der „Fridays for Future“-Demo in Berlin. Es waren kleine Menschen und große Menschen, junge Menschen und alte, und es kann sein, dass manche von ihnen nur deswegen nach Berlin gekommen sind, weil Greta Thunberg auch da war, die Anführerin der Jugendbewegung für den Klimaschutz.

          Aber muss man eigentlich noch erklären, wer Greta ist? Sie ist ja ein Star geworden. Für den Friedensnobelpreis hat man sie auch schon vorgeschlagen. Ihre Bewegung ist ein riesiger Erfolg.

          Das kann nicht so weiter gehen, sagen aber schon seit Wochen viele Erwachsene, die Kinder sollen gefälligst zur Schule gehen! Und wenn sie schon protestieren wollen, dann bitte in der Freizeit. Oder am Wochenende! Jedenfalls nicht, wenn sie Mathe und Deutsch und Englisch lernen sollen.

          Aber nicht alle Erwachsenen sehen das so. Viele finden es gut, dass sich Kinder und Jugendliche für die Umwelt engagieren. Deswegen sind die Schulstreiks zu etwas geworden, was man „Politikum“ nennt: Alle Welt streitet darüber, in den Talkshows im Fernsehen, in den Zeitungen, im Internet.  

          Das kann so nicht weitergehen, sagen die einen also. Und die anderen fragen sich, wie das überhaupt weitergehen soll mit den Schulstreiks und „Fridays for Future“. Streiken die Schülerinnen und Schüler jetzt für immer so weiter? Jeden Freitag? Bis sich wirklich etwas ändert mit dem Klimaschutz?

          Aber was, wenn das gar so schnell nicht passiert? Und die ersten Kinder und Jugendliche nicht mehr auf die Demos gehen, sondern doch wieder in die Schule? Vielleicht, weil bald eine Klassenarbeit ansteht und sie doch lieber nichts verpassen wollen. Oder aus Frust – weil es einfach keinen Spaß macht, jeden Freitag laut zu rufen, dass man sich Sorgen um die Zukunft der Erde macht, aber niemand hinhört und sich nichts ändert.  Oder weil die Politiker zwar sagen: „Ganz toll, wie ihr euch engagiert!“ – und dann trotzdem weitermachen wie bisher. Ganz schön schwer, dann nicht irgendwann den Mut zu verlieren. Ganz schön schwer, sich nicht machtlos zu fühlen und deswegen enttäuscht aufzugeben.

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          Es kann also sein, dass es bald leerer wird auf den Demos. Es kann sogar sein, dass irgendwann niemand mehr kommt. Und freitags alles wieder ist wie früher und wie immer. Aber bedeutet das dann, dass Gretas Bewegung verloren hat? Und alles umsonst war? Weil die Politik wieder mächtiger ist? Und die Großen stärker sind als die Kleinen?

          Nein, das bedeutet es nicht. Denn das ist das Praktische am Umweltschutz und Klimaschutz: Den hat man selber in der Hand. Die Kinder und Jugendliche können also selbst entscheiden, ob „Fridays for Future“ erfolgreich ist oder nicht. Das hängt nämlich nicht vom Schulstreik am Freitag ab, sondern davon, was an den restlichen Tagen der Woche passiert. Und in den Ferien.

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          Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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          Die Kinder und Jugendliche dürfen einfach nicht aufhören. Auch dann nicht, falls Greta irgendwann aufhört. Sie müssen das, was sie Freitags auf die Straße getragen haben, in ihren Alltag mitnehmen. Sie müssen ihre Eltern ermuntern, Strom zu sparen, auf Plastik zu verzichten, das Auto stehen zulassen. Sie könnten ihnen zum Beispiel vorschlagen, mal mit dem Zug in den Urlaub zu fahren. Und  zwar vielleicht mal nach Österreich, nicht nach Mallorca. Und zuhause nicht alle Zimmer gleichzeitig zu heizen, sondern nur die wichtigsten. Und Getränke nur noch aus Glasflaschen zu kaufen. Und Wasser nur noch aus dem Hahn zu trinken. Und weniger Fleisch zu essen. Und ein Loch in einer Hose lieber zu flicken, statt gleich eine neue zu kaufen. Vieles davon können Kinder und Jugendliche ganz allein entscheiden, bei anderen Dingen brauchen sie die Hilfe der Eltern.

          Immer aufpassen, dass man alles richtig macht: Auch das ist anstrengend,  auch das kann frustrierend sein, irgendwann hat man vielleicht keine Lust mehr und will es sich nur noch bequem machen. Aber Umweltschutz und Klimaschutz fangen im Kleinen an. Und wenn jetzt die Kleinen damit angefangen haben, stehen die Chancen gut, dass sie auch nicht aufhören, wenn sie groß sind.

          Es wäre ja auch zu blöd, wenn es immer nur freitags um die Zukunft gehen würde. „Everyday for Future“ – dabei können alle mitmachen, kleine, große, junge, alte Menschen, jeden Tag.

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