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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Wie Popcorn entsteht

Ob auf der Kirmes oder im Kino: Popcorn weckt die Naschlust. Bild: Picture Alliance/Image Broker

Es knistert und knuspert, und wenn man nicht schnell genug einen Deckel drüber legt, springt es durch die ganze Küche: Wie man Popcorn macht, wissen die meisten. Schon die Azteken wussten das. Aber warum Mais sich so verwandeln kann?

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          Die Kolumne „Wie erkläre ich's meinem Kind?“ gibt es auch zum Hören – und zum Abonnieren, als Podcast. Auch diese Folge.

          Das Wort Popcorn setzt sich zusammen aus den beiden englischen Wörtern „pop“ für knallen und „corn“ für Mais. Auf Deutsch sagt man auch manchmal „Puffmais“ dazu. Popcorn gehört zum Kino und irgendwie in unsere Zeit. Aber es ist keine neue Erfindung. 

          Bereits die Indianer in Nord- und Südamerika wussten über diese Eigenschaft des Mais Bescheid. Bei archäologischen Ausgrabungen haben Forscher in den Gräbern von Azteken und Inkas fünftausend Jahre alten Mais gefunden – manche Körner davon wurden sogar heute noch zu Popcorn! Die Indianer haben die aufgeplatzten Maiskörner gegessen, aber auch als Schmuck an ihrer Kleidung getragen. Zubereitet wurde es damals entweder direkt am Maiskolben, der nur über das Feuer gehalten wurde, oder in Lehmtöpfen, Tonkrügen und später auch Metallpfannen.

          Medizinmänner haben sogar versucht, mit Popcorn die Zukunft zu schauen. Um sich das Aufplatzen der Körner zu erklären, erfanden die Indianer eine Geschichte: Sie glaubten, dass in jedem Korn ein kleiner Dämon wohnt. Wenn man den Mais über Feuer hält und dessen Haus erwärmt, wird der Dämon wütend. Je wütender er wird, umso mehr schüttelt er sein Haus, bis schließlich das Dach wegfliegt und der Dämon verschwindet. Als Christopher Kolumbus Amerika entdeckte, boten ihm die Ureinwohner Popcorn zu essen an. Diese Zubereitung brachten die Seefahrer anschließend mit zu uns nach Europa. Die älteste bekannte Popcorn-Maschine stammt übrigens aus dem Jahr 300 vor Christus: ein hohes Gefäß mit Henkel und einem Loch auf der Oberseite. Die erste Popcorn-Maschine, die den heutigen schon sehr ähnlich ist, wurde 1885 erfunden. So richtig verbreitet haben sich die Knusperkörner aber erst ab 1930 zusammen mit den Lichtspielhäusern, so hießen damals die Kinos. 

          Was passiert im Maiskorn beim Erhitzen?

          Um Popcorn herzustellen, muss der Mais vorsichtig getrocknet werden. Wenn die Körner zu sehr austrocknen, können sich nämlich Risse in der Schale bilden. Damit die Körner aufplatzen, brauchen sie eine harte Schale, unter der sich Druck aufbauen kann. Körner mit Rissen können keinen Druck aufbauen und platzen deswegen auch nicht auf. Deswegen kann man nur aus bestimmten Maissorten Popcorn machen. Jedes Maiskorn besteht zum Großteil aus Stärke, dem so genannten Endosperm. Dazwischen befinden sich winzig kleine Hohlräume, die mit Wasser gefüllt sind. 

          Jeder weiß, dass Popcornmais auf einer heißen Oberfläche irgendwann aufplatzt. Wie das genau funktioniert, haben die französischen Wissenschaftler Emmanuel Virot und Alexandre Ponomarenko mit Mikrophon und Highspeed-Kamera untersucht. Werden die getrockneten Körner erwärmt, verwandelt sich das Wasser im Inneren zu Dampf. Da Wasser in dieser Form aber mehr Platz braucht, steigt der Druck unter der Schale. Ab einer Temperatur von 170 Grad Celsius explodiert die Hülle. Kurz vorher steigt der Druck im Inneren schlagartig an. Bei 180 Grad Celsius platzen dann fast alle Körner auf einmal auf. Die Maisstärke, die durch den Wasserdampf sehr feucht geworden ist, dehnt sich aus und bildet einen Schaum. Sobald der Wasserdampf weg ist, erstarrt der Maisschaum in seiner Form.

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          Durch die Hochgeschwindigkeitskamera konnten die Forscher beobachten, dass sich direkt nach dem Aufreißen der Schale ein kleines „Beinchen“ an der Unterseite des Korns bildet. Sobald der Druck groß genug ist, nutzt das Korn dieses „Sprungbein“, um mit 200 Meter pro Sekunde hochzuspringen – fast so schnell wie sich ein Flugzeug bewegt. Das „Plopp“-Geräusch, dass das Korn dabei von sich gibt, kommt aber weder vom Aufplatzen noch vom Springen. Stattdessen ist es der Wasserdampf, der das Geräusch verursacht. Die Hohlräume im Stärkeschaum wirken wie ein Resonanzkörper, zum Beispiel bei einer Gitarre, und verstärken das Geräusch.

          Popcorn kann man übrigens nicht nur aus Mais herstellen. Auch aus Amaranth, Buchweizen oder Quinoa kann man einen ähnlich leckeren Snack machen. Wichtig ist nur, dass das Korn eine dichte, harte Schale besitzt und im Inneren viel Stärke enthält. Ein potentieller Popcorn-Kandidat darf maximal zu zwölf Prozent aus Wasser bestehen.

          Popcorn und Erfinder

          Um Popcorn herzustellen gibt es mehrere Möglichkeiten. Am einfachsten ist es sicher mit einer speziellen Maschine, bei der der Mais durch heiße Luft zum Platzen gebracht wird. Wer sein Popcorn im Topf zubereiten möchte, sollte unbedingt daneben stehen bleiben, sobald die Körner im heißen Öl liegen, sonst brennen sie schnell an. Auf jeden Fall sollte man dabei den Deckel nicht vergessen, sonst tanzt das Popcorn durch die ganze Küche. Die kleinen Körner waren übrigens das erste Lebensmittel, dass in einer Mikrowelle zubereitet wurde, und trugen sogar zu deren Erfindung bei: Der amerikanische Ingenieur Percy Spencer entdeckte 1945, dass die Energie aus Mikrowellenstrahlen Maiskörner zum Platzen bringen kann. Heute enthalten die Mikrowellenbeutel bereits alles, was man für leckeres Popcorn braucht.

          Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen
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          Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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          In Deutschland ist süßes Popcorn besonders beliebt. Kino-Popcorn wird sogar in Karamell, also flüssigem Zucker, geschwenkt, damit dieser besser kleben bleibt. In Amerika dagegen essen viele Menschen lieber salziges Popcorn. Mittlerweile gibt es aber auch viele andere Sorten wie zum Beispiel Popcorn mit Schokolade, Curry-Pulver oder Mandarinenöl. 

          Die kleinen Teilchen sind aber nicht nur lecker: In manchen Ländern hängt Popcorn als Schmuck am Weihnachtsbaum. In Paketen dient es als Füllstoff, um zerbrechliche Dinge sicher zu transportieren. Es gibt sogar einen Professor, der in einem Forschungsprojekt Möbel aus Popcorn hergestellt hat.

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