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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Was Pflanzen im Winter machen

Diese Schachbrettblume wurde vom Frost überrascht. Macht aber nichts, wenn die oberen Teile absterben, in der Knolle geht das Leben weiter. Bild: Picture-Alliance

Pflanzen haben eine Menge Tricks, wenn es darum geht, den Winter zu überstehen. Manche ziehen sich zurück, manche blühen erst recht und manche sterben einfach. Wie machen sie das, und warum?

          Die Kolumne „Wie erkläre ich's meinem Kind?“ gibt es auch zum Hören – und zum Abonnieren, als Podcast. Auch diese Folge.

          Wenn wir Menschen mal wieder für irgendetwas zu müde sind, reden wir gerne von unserer biologischen Uhr. Wenn es hell wird, sind wir wach, wenn es dunkel wird, sind wir müde, zum Beispiel morgens im Winter, wenn die Schule wieder viel zu früh anfängt. Außerdem haben wir noch ein Mittagstief, in dem wir kaum gerade denken können. Auch Tiere haben eine solche innere Uhr. Und ein paar besonders schlaue haben das mit dem Winter auch ganz aufgegeben und schlafen in einer Höhle durch, bis es wieder wärmer wird. Das hat sich unter uns Menschen leider immer noch nicht durchgesetzt.

          Auch die meisten Pflanzen halten einen Winterschlaf, deshalb sehen die Gärten und Parks momentan immer noch so grau aus, aber bei ihnen ist es ein bisschen komplizierter. Sie haben keine Augen und können nicht aus dem Fenster schauen, ob es noch schneit oder ob die Sonne schon scheint. Was also nehmen Pflanzen wahr?

          Viele reagieren auf Tag und Nacht, manche schließen zum Beispiel nachts ihre Blüten oder duften nur zu bestimmten Zeiten. Vor Sonnenaufgang werfen alle den Photosyntheseapparat an, um wieder ordentlich stoffwechseln zu können, sobald es hell wird. Besonders aber fühlen sie die Temperatur. In warmen Gegenden tragen Pflanzen das ganze Jahr über ihr Laub und wachsen, bei uns ist das zu gefährlich. Die Zellen der Pflanzen bestehen zu einem großen Teil aus Wasser. Wenn es gefriert, dehnt es sich aus und verwandelt sich in scharfkantige Eiskristalle, das zerstört die feinen, empfindlichen Zellwände. Erfrorene Blätter und Stengel werden weich oder matschig und sterben ab.

          Deshalb haben sich die Pflanzen in unserer Gegend ein paar Strategien zurechtgelegt, wie sie die kalten Monate überstehen. Die meisten halten eine Winterruhe. Normalerweise reichen ihnen drei bis fünf Wochen bei einer Temperatur zwischen einem halben und fünf Grad, dann ist die Bedingung für einen Winter grundsätzlich erfüllt und die Pflanze begibt sich in Warteposition, um gleich wieder loslegen zu können, wenn es wärmer wird.

          Je härter das Klima, desto härter die Pflanzen: Nadelwald in Finnland.

          Andere Pflanzen hingegen sind einjährig, sie sterben im Herbst ab. Das sind zum Beispiel Klatschmohn, Sonnenblumen oder Kapuzinerkresse. Aber sie haben schon dafür gesorgt, dass die nächste Generation gesichert ist, denn sie haben Samen gebildet. Die Samenkörner erfrieren nicht, sie schlafen in der Erde und überstehen den Winter leicht. Einige Samen benötigen sogar Frost und Feuchtigkeit, um überhaupt keimen zu können. Im Frühjahr keimen sie, wachsen, blühen im Sommer, verdorren im Herbst und haben längst wieder die nächste Generation in die Erde gebracht. Wer sie im Garten haben will, kann nachhelfen und sie in jedem Jahr neu aussähen. Andere Pflanzen bezeichnet man als zweijährig. Bei ihnen geht alles nicht ganz so schnell, denn sie brauchen einen Sommer, um zu keimen und Blätter auszubilden. Sie überwintern und blühen erst im zweiten Jahr. Zweijährig sind zum Beispiel die Karotte oder der giftige rote Fingerhut, den man oft im Wald findet.

          Blühen, wenn die anderen noch schlafen

          Pflanzen, die mehrere Jahre leben oder sehr alt werden können, brauchen einen besonderen Schutzmechanismus. Einige sterben oberirdisch ab und überwintern tief in der Erde als Knolle oder dicke Wurzel, die man als Rhizom bezeichnet. Darin speichern sie Nährstoffe. Andere Pflanzen verholzen, Bäume zum Beispiel. Sie werfen im Herbst das Laub ab und speichern Nährstoffe für die harte Zeit im Holz. An den Zweigen schützen sie die Blattknospen durch viele Schichten oder durch einen haarigen Flaum, das kann man besonders gut bei Kastanien beobachten. Ungefähr im Februar erst steigt der Saft aus den Wurzeln wieder in die Äste und Zweige, und wenn es warm genug ist, platzen die Knospen und die Blätter und Blüten erscheinen. Das kostet den Baum Kraft, aber er kann in unseren Breiten auch schnell wieder Energie nachproduzieren. Im Norden, wo die Sonne viel kürzer scheint, findet man nur wenig Laubbäume, dafür viele Nadelbäume wie Tannen und Fichten. Die harten Nadeln überdauern den Winter gut. Sie bringen zwar etwas weniger Energie ein, müssen dafür aber nicht jedes Jahr neu gebildet werden. Die meisten Nadelbäume wachsen ziemlich langsam, werden aber auch sehr alt.

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