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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Was ein Kanzler eigentlich können muss

Bald dreizehn Jahre ist es her: Am 22. November 2005 wurde Angela Merkel als Bundeskanzlerin vereidigt. Bild: dpa

Angela Merkel hat gesagt, dass sie nicht noch einmal Bundeskanzlerin werden will. Sofort wird diskutiert, wer ihren Platz einnehmen könnte. Viele wollen das. Nur: Welche Fähigkeiten müssen sie mitbringen?

          Jetzt gibt es die Kolumne „Wie erkläre ich's meinem Kind?“ auch zum Hören – und zum Abonnieren, als Podcast. Auch diese Folge.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Kein Politiker hat in Deutschland so viel Macht wie der Kanzler oder die Kanzlerin. Es gibt deswegen einige Männer und Frauen in der Politik, für die es die Krönung ihrer Karriere wäre, säßen sie irgendwann im Kanzleramt in Berlin. Auf dem Weg dahin müssen sie sich gegen Konkurrenten durchsetzen. Denn es herrscht Überangebot: viele Bewerber, aber nur ein Kanzleramt. Beobachten kann man das gerade in der CDU. Da geht es zwar erstmal nur um den Parteivorsitz, und nicht um die Frage, wer Angela Merkel als Kanzler oder Kanzlerin nachfolgt. Aber die Kandidaten legen sich schon mächtig ins Zeug. Denn wer CDU-Vorsitzender wird, hat gute Chancen, auch mal Kanzlerkandidat zu werden – und dann vielleicht Kanzler.

          Politiker, vor allem potentielle Kanzler, werden ständig bewertet. Im politischen Geschäft spielen dabei immer Interessen eine Rolle: Die eine Gruppe will Person x als Kanzler, die andere Gruppe Person y. Und das effektivste Mittel, so glauben Politiker zumindest oft, um den eigenen Kandidaten zu unterstützen, ist nicht etwa, positiv über ihn zu sprechen – sondern negativ über den anderen Kandidaten. In der Politik wird deswegen sehr oft über Schwächen gesprochen, warum also jemand nicht Kanzler werden kann.

          Schöner wäre es, wenn mehr über die Stärken von jedem Kandidaten gesprochen und die dann gegeneinander abgewogen würden. Das machen Politiker aber nicht immer. Außerdem ist es nicht leicht zu sagen, was die optimalen Stärken eines Kanzlers wären, was ein Kanzler also eigentlich können muss.

          Worauf sich die meisten wohl einigen können sind folgende Eigenschaften: Durchsetzungskraft, die Fähigkeit zuzuhören, politische Unterstützer für eigene Projekte zu finden, Glaubwürdigkeit, ausgleichend zu wirken. Worüber aber schon keine Einigkeit mehr besteht, ist die Frage, wie ausgeprägt diese Eigenschaften sein sollten: Ist es zum Beispiel wichtiger, führungsstark zu sein als gut zuzuhören? Jetzt, wo über das Ende von Angela Merkels Kanzlerschaft diskutiert wird, stellt sich auch wieder die Frage, ob Frauen diese Eigenschaften in ihrer Tätigkeit anders interpretieren als Männer.

          Außerdem verschiebt sich die Bedeutung der unterschiedlichen Eigenschaften im Laufe der Zeit. Im deutschen Parteiensystem dürfte kaum eine politisch vollkommen unerfahrene Person plötzlich Kanzler werden – wie das zum Beispiel Donald Trump in Amerika gelungen ist. Wer später einmal Kanzler werden will, muss in der Regel lange in seiner Partei gearbeitet haben. Die Kandidaten haben im Stadtrat oder im Landtag ihre politische Karriere begonnen, und sind dann immer weiter aufgestiegen. Sie mussten lange Zeit innerhalb ihrer Partei arbeiten und dort Mehrheiten für den eigenen Aufstieg organisieren, bis sie einmal auf den Marktplätzen im Land stehen und vor einer Bundestagswahl für sich werben.

          Deutschland hatte schon sehr unterschiedliche Kanzler. Sie hatten unterschiedliche Stärken und unterschiedliche Schwächen. Gut möglich, dass nach der ruhig regierenden Merkel der Wunsch bei vielen nach einem leidenschaftlicher auftretenden Kanzler wächst. Jede Kanzlereigenschaft hat womöglich auch ihre Zeit.

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