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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum manche Leute ihre Schulden nicht zahlen

Wohl dem, der sie hat: Euro-Münzen Bild: dpa

Griechenland sorgt im Augenblick für Schlagzeilen, weil es einen Teil seiner Schulden erlassen bekommen möchte. Was steckt dahinter? Warum zahlen manche Leute ihre Schulden nicht? Und was kann man dann machen?

          5 Min.

          In den Nachrichten ist im Augenblick dauernd von den Griechen die Rede. Griechenland, ein schönes Land am Meer mit vielen Inseln im Süden von Europa, hat gewaltige Schulden. Rund 322 Milliarden Euro hat sich Griechenland von anderen geliehen – das ist so viel Geld, als ob man jedem Kind in Deutschland einen Mercedes C-Klasse oder mehr als 60.000 Tafeln Milka-Schokolade schenken würde.

          Christian Siedenbiedel
          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wenn man sich von jemandem Geld leiht, muss man es normalerweise später wieder zurückgeben. Das ist so, wenn man sich in der Schule von jemandem Geld ausborgt. Und das ist auch so, wenn Länder sich Geld leihen. Geliehen ist eben nicht geschenkt: Wer jemandem Geld leiht, macht das nur, wenn er ihm vertrauen kann, dass er das Geld später wieder zurückbekommt.

          Trotzdem kann es immer mal wieder passieren, dass manche Leute ihre Schulden nicht zahlen. Wer sich in der Schule Geld geliehen hat, und es am nächsten Tag zurückgeben soll, aber nicht daran gedacht hat, von zuhause etwas mitzunehmen, muss vielleicht um einen kleinen Aufschub bitten. Es gibt aber auch Leute, die haben sich mehr geliehen und mehr Geld ausgegeben, als sie später zurückzahlen können. So ähnlich ist es mit den Griechen schon seit einer ganzen Zeit.

          Wenn man zu viel ausgibt

          Auch bei Familien oder einzelnen Leuten hier bei uns gibt es das. Man sagt dann, sie sind „überschuldet“. Die Gründe können ganz unterschiedlich sein. Manche Leute kaufen einfach mehr ein, als sie sich leisten können. Sie leihen sich immer mehr Geld, weil sie auch so einen tollen Fernseher haben wollen wie die Nachbarn, und auch ein neues Sofa und all die verführerischen Sachen, die man immer in der Werbung sieht. Sie können einfach nicht mit Geld umgehen. Andere Leute können ihre Schulden nicht mehr zahlen, weil sie ihre Arbeit verloren haben und jetzt arbeitslos sind. Oder weil sie plötzlich krank geworden sind und kein Geld mehr verdienen. Auch Trennungen und Scheidungen können ein Grund sein, warum jemand seine Schulden nicht mehr zahlen kann.

          Bei den Griechen ist es so, dass der Staat über viele Jahre mehr Geld ausgegeben hat, als er eingenommen hat. Das hat ganz unterschiedliche Gründe. Zum einen ist das Steuersystem in Griechenland alles andere als gut. Es gibt viele reiche Leute, die gar keine Steuern zahlen müssen. Steuerhinterziehung war lange Zeit sehr verbreitet und wurde kaum bekämpft. Korruption, also Bestechung, ist ein großes Problem. Zugleich hat der Staat mehr ausgegeben, als er sich eigentlich leisten konnte – unter anderem für seine vielen Staatsangestellten und Beamten. Rund ein Viertel aller Leute in Griechenland waren bis zur Krise beim Staat angestellt. Der Staat hat damit auch ausgeglichen, dass es in vielen Unternehmen in Griechenland nicht gut lief – weil die Löhne zu hoch waren und die Sachen, die die Unternehmen verkauft haben, zu teuer waren. Lange Zeit haben die Griechen sich deshalb einen Lebensstil gegönnt, den sie sich eigentlich nicht leisten konnten. So ähnlich wie jemand, der sich immer mehr Geld leiht und davon shoppen geht.

          Die Griechen haben zu viel Schulden

          Warum ging das überhaupt? Hier kommt nun der Euro ins Spiel. Der Euro ist das Geld in Deutschland, aber auch in vielen anderen Ländern Europas, und auch in Griechenland. Seit der Euro in Griechenland als Geld eingeführt worden ist, konnten die Griechen sich gut von Banken und anderen Geld leihen. Weil alle dachten, falls Griechenland irgendwann wirklich seine Schulden nicht zahlen kann, werden ihm die anderen Länder Europas, die auch den Euro als Währung haben, schon irgendwie helfen. Deshalb haben alle den Griechen so viel geliehen, wie sie haben wollten. Und die Griechen musste dafür noch nicht mal viel Zinsen zahlen.   
          Verschärft hat sich die Situation in der weltweiten Bankenkrise vor ein paar Jahren. Die anderen Länder haben Griechenland damals geholfen, indem sie dem Land nochmal viel Geld zu niedrigen Zinsen geliehen haben. Vor allem aus der Angst, eine Pleite Griechenlands könnte ihre eigenen Banken mitreißen.
          Jetzt haben die Griechen also zu viel Schulden. Und haben große Schwierigkeiten, das Geld den Leuten, die es ihnen geliehen haben, zurückzuzahlen. Zweimal schon wurde den Griechen ein Teil der Schulden auf die eine oder andere Art erlassen. Jetzt möchten sie gerne, dass ihnen noch ein drittes Mal ein Teil der Schulden erlassen wird. Aber darüber gibt es Streit.

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