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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Ob das Urheberrecht das Internet kaputtmacht

Dass sie nichts mehr davon haben, stimmt übrigens nicht ganz: Sie bekommen Aufmerksamkeit, jede Menge, wenn es gut läuft. Aber von Aufmerksamkeit wird man nicht satt. Es sei denn, man nutzt die Aufmerksamkeit für eine tolle Sache, um die Leuten gleich noch auf eine andere Sache aufmerksam zu machen, für die sie sich bitteschön auch interessieren und vielleicht sogar Geld ausgeben sollen. Vor einem Youtube-Clip, den die Leute eigentlich sehen wollen, geht es dann zum Beispiel kurz um einen neuen Kinofilm oder um Klamotten oder Autos oder was auch immer. Das ist Werbung. Wenn vor ihren Videos Werbung läuft, bekommen Youtuber von dem, was die Unternehmen für diese Werbung zahlen, etwas ab. Manche können davon leben, einige sogar ganz gut. Richtig gut kann davon Youtube leben. Das Unternehmen behält das allermeiste für sich und muss sich um nichts kümmern. Weil es sich um die Inhalte bis jetzt nicht groß zu kümmern braucht. Weil die Leute von Youtube bis jetzt sagen können, sie bieten doch nur eine Plattform an, und was dann darauf gezeigt wird, damit haben sie nicht viel zu tun. Sorry.

Was die neue EU-Richtlinie zum Urheberrecht eigentlich will, ist nicht mehr und nicht weniger, als die Künstler stärken, die nicht nur davon leben wollen, was ihnen Youtube und all die anderen an Werbeeinnahmen abgeben, wenn sie sich damit abgefunden haben, dass Youtube den Riesenanteil für sich behält, und die auch dann was bekommen wollen, wenn andere ihre Werke kopiert und veröffentlicht haben und damit dann Geld verdienen. So einfach, wie es ist, digitalisierte Werke zu kopieren und zu veröffentlichen. Und weil Youtube, Youtubes Mutterkonzern Google und andere Plattform- oder Suchmaschinenanbieter im Internet unglaublich viel Geld mit Werbung verdienen, die sie einfach zu Inhalten dazustellen, um die sie sich aber sonst nicht selbst kümmern müssen, ist die Idee, dass sie sich zumindest darum kümmern sollen, dass auch die richtigen Leute etwas von dem ganzen Geld abbekommen. Das ist mühsam und aufwendig, also teuer. Viel einfacher ist es, erst einmal Alarm zu schlagen und so zu tun, als ginge es um die Youtuber und ihre Videos zu „Sprachunterricht, Physik-Tutorials oder andere How-To-Themen“ – das sind die Beispiele, die Frau Wojcicki zu den bedrohten Arten zählt.

Dass Youtube bei der ganzen Aufregung mehr an sich selbst denkt als an die armen Youtuber oder das arme Internet, zeigen zwei Sätze von ihr, die in ihrem ganzen eindringlichen Brief fast übersehen werden könnten: „Der Vorschlag könnte Plattformen wie Youtube dazu zwingen, nur eine kleine Anzahl von Inhalten großer Unternehmen zuzulassen. Es wäre schlichtweg zu riskant, Inhalte von kleinen Videomachern zu präsentieren, da die Plattformen nun direkt für diese Inhalte verantwortlich wären.“ Dabei ist es einfach nur eine Bezahlung auch der Künstler, die nicht als Creators bei Youtube angemeldet sind, wozu die Richtlinie die Plattform zwingen könnte, wenn sie erst einmal Gesetz geworden ist. Und es wäre nicht riskant, die Inhalte kleiner Videomacher zu präsentieren, sondern würde die Konzerne, die zu den reichsten und technisch fortschrittlichsten der Welt zählen, einfach nur dazu bringen, genauer hinzuschauen und Verantwortung zu übernehmen. Wenn die Online-Riesen das machen würden, hätte sich das Internet tatsächlich ganz schön verändert. Zum Guten.

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