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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Was beim Fernsehduell passiert

Da war er noch Präsident des EU-Parlaments: Martin Schulz und Angela Merkel im Juni 2015 in Brüssel. Bild: Picture-Alliance

Sie zielen auf die Gunst des Publikums und versuchen doch, einander zu treffen: Das Fernsehduell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz ist eine wichtige Sache. Und wird noch wichtiger genommen.

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          Wenn früher zwei Menschen einen Anspruch geltend machen wollten – ihre Ehre verteidigen, Recht haben, einer geliebten Person den Hof machen oder sich als Führungsfigur profilieren -, und sich nicht einigen konnten, dann haben sie sich duelliert. In einem solchen Duell hat man bis vor etwa hundert Jahren Streitigkeiten mit Waffen (in Europa mit dem Säbel oder der Pistole) ausgetragen. Seltener, was viel produktiver ist, auch mit Liedern oder Gedichten.

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Das Duell war von der Gesellschaft anerkannt und folgte bestimmten Regeln. Es hatte jedoch den Nachteil, dass sich dabei oft mindestens ein Duellant verletzte oder gar starb. Für weiterführende Gespräche standen diese danach zumeist nicht mehr zur Verfügung. Deshalb sind solche Zweikämpfe, die auf den Körper des Gegners zielen, heute nicht mehr erlaubt.

          Eine Art Schaukampf

          Auch in der Politik streiten Menschen um Positionen – zum Beispiel darum, Bundeskanzler zu werden. Als Kandidaten, die von ihrer Partei ausgewählt wurden, befinden sich im Jahr 2017 die amtierende Kanzlerin Angela Merkel und ihr Herausforderer Martin Schulz, der ehemalige Präsident des Europäischen Parlaments, im Wettstreit um die Kanzlerschaft. Der wird zwar nicht unmittelbar durch ein Duell entschieden – denn Kanzler wird der Kandidat, dessen Partei bei der Bundestagswahl die meisten Wählerstimmen bekommt oder mit anderen Parteien gemeinsam die Mehrheit der Abgeordneten im Bundestag hat. Doch eine Art Zweikampf, der Teil des Wahlkampfs ist, gibt es trotzdem: Das „Fernsehduell“.

          Es findet am kommenden Sonntagabend statt und ist eine neunzigminütige Fernsehsendung, in der die beiden Kandidaten zeigen sollen, welche politischen Positionen sie vertreten und wie sie regieren wollen. Die Fernsehsender ARD, ZDF, RTL und Sat.1 übertragen das Ganze gleichzeitig, damit sich möglichst viele Menschen vor dem Fernseher einen Eindruck davon verschaffen können, was die beiden Kandidaten so zu sagen haben. Die Moderatoren Sandra Maischberger (ARD), Maybrit Illner (ZDF), Peter Kloeppel (RTL) und Claus Strunz (Sat.1) moderieren das „Duell“. Sie stellen den Kanzlerkandidaten hintereinander Fragen zu verschiedenen politischen Themen und Problemen, von denen sie annehmen, dass sich die künftige Bundeskanzlerin oder der künftige Bundeskanzler in der kommenden Amtszeit mit ihnen auseinandersetzen muss.

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          Das Fernseh- oder TV-Duell ist eine Art Schaukampf. Es Duell zu nennen ist selbstverständlich übertrieben und soll dem Ganzen nur eine dramatische Note verleihen. Ein Zweikampf ist es schon – mit Worten. Wie die Duelle von einst, folgt auch das Fernsehduell festgelegten Regeln. Bevor es beginnt, wird ausgelost, wer das Duell eröffnen, also die erste Frage der Journalisten beantworten darf. Der andere „Duellant“ hat dafür das letzte Wort. Die beiden Kontrahenten stehen schräg zueinander, so dass sie, statt den Gegner, die Moderatoren anschauen. Ihre Antworten dürfen nicht länger sein als neunzig Sekunden. Die Moderatoren haben darauf zu achten, dass die Redezeit eingehalten wird. Am Ende darf die gesamte Redezeit des Abends sich nicht um mehr als eine Minute unterscheiden.

          Das ist gar nicht so leicht. Einerseits, weil es den meisten Politikern nicht leicht fällt, sich kurzzufassen. Andererseits, weil die Probleme, mit denen sie sich beschäftigen, auch nicht mit einer anderthalb Minuten kurzen Antwort erklärt sind. Aber darin besteht eben die Kunst. Außerdem nutzen die Politiker die Zeit, um deutlich zu machen, welchen Weg sie nehmen wollen, um ein bestimmtes Problem zu lösen. Meist reicht es aber nur, um zu zeigen, welchen Standpunkt sie in der Sache vertreten. Hilfsmittel, um sich zu erklären – also Bilder, Videos oder Graphiken – dürfen die beiden nicht verwenden. Man wird sie also beim Wort nehmen müssen.

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