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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum es Nationalfeiertage gibt

Bild: Picture-Alliance

Am 3. Oktober feiern wir wieder den Tag der Einheit. Aber wieso haben wir überhaupt einen staatlichen Feiertag? Und wie machen das die anderen Länder?

          4 Min.

          Die Kolumne „Wie erkläre ich's meinem Kind?“ gibt es auch zum Hören – und zum Abonnieren, als Podcast. Auch diese Folge.

          Sogar das kleinste Land der Welt lässt es sich nicht nehmen, an einem Tag im Jahr offiziell sich selbst zu feiern. Seit Jorge Mario Bergoglio am 13. März vor sechs Jahren zum Papst gewählt wurde, ist dieser Tag im Frühling der nationale Feiertag im Vatikan. Löst irgendwann ein neuer Papst Papst Franziskus ab, wechselt der Feiertag wieder. Dass ein Nationalfeiertag das Datum wechselt, ist in den meisten anderen Staaten nicht so. Dort findet er immer an einem festen Datum statt.

          In Deutschland wird es schon in der kommenden Woche festlich: Am 3. Oktober feiern wir den Tag der Einheit, denn vor 29 Jahren an genau diesem Datum ist die Deutsche Demokratische Republik (DDR) der Bundesrepublik Deutschland beigetreten. Aus einem geteilten Deutschland, das nach dem Zweiten Weltkrieg 41 Jahre lang aus einer östlichen und einer westlichen Hälfte bestand, wurde wieder eins. Diese friedliche Wiedervereinigung würdigen wir seitdem jedes Jahr mit einem schul- und arbeitsfreien Tag, mit Partys und Festreden. 2019 findet das große gemeinsame Fest in Kiel statt, der Hauptstadt von Schleswig-Holstein.

          Mit unserem Tag der Einheit sind wir allerdings eine Ausnahme unter den weltweiten Nationalfeiertagen. Die meisten Länder zelebrieren an ihren offiziellen Feiertagen keine friedliche Wiedervereinigung, sondern den Tag, an dem sie unabhängig von ehemaligen Kolonialmächten wurden. Das berühmteste Beispiel ist Amerika mit dem Independence Day, also dem Unabhängigkeitstag. Am 4. Juli 1776 wurden die ehemaligen britischen Kolonien in einem offiziellen Dokument das erste Mal zu den Vereinigten Staaten von Amerika erklärt. Seitdem ziehen die Amerikaner jedes Jahr im Sommer in blau-weiß-roten Paraden durch die Städte. Auf manchen Umzugswagen haben sie dann riesige Geburtstagstorten aus Pappe aufgebaut, mit der sie ihrem Land „Happy Birthday“ wünschen. Und abends wird in den großen Städten Feuerwerk gezündet.

          Eigentlich ist der Independence Day ein ziemlich unpolitischer Feiertag. Die Menschen picknicken lieber, statt sich mit dem Zustand ihrer Nation zu beschäftigen. In diesem Sommer war das allerdings anders. Der amerikanische Präsident Donald Trump hatte seinen Kollegen Emmanuel Macron zum französischen Nationalfeiertag im Vorjahr in Paris besucht und war beeindruckt von der großen Militärparade, die über die Prachtstraße der Hauptstadt, die Champs-Elysées, zog. Die Franzosen gedenken jedes Jahr des Beginns der Französischen Revolution am 14. Juli 1789 mit Tausenden Soldaten, Hunderten Militärfahrzeugen und Dutzenden Flugzeugen. Das beeindruckte Donald Trump. Er wollte auch eine Militärparade haben. Deswegen ließ er am diesjährigen Independence Day Armeehubschrauber, Kampfflugzeuge und Tarnkappenbomber auch über die Hauptstadt seines Landes, Washington, rauschen.

          Nicht nur ein erfolgreicher Kampf für die Unabhängigkeit ist ein weitverbreiteter Anlass für einen nationalen Feiertag. Viele Länder begehen die Krönungstage oder die Geburtstage ihrer Könige und Königinnen. Japan kann sich des ältesten offiziellen Feiertags überhaupt rühmen: Jedes Jahr am 11. Februar feiert die Inselnation die Thronbesteigung von Kaiser Jimmu, die wahrscheinlich 660 vor Christus stattfand, also vor 2679 Jahren.

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