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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum sich Menschen das Dschungelcamp antun

Tiere erraten: Sophia Wollersheim meistert eine nicht ganz so eklige Prüfung. Bild: RTL/Stefan Menne

Warum gehen vermeintliche Stars eigentlich ins RTL-Dschungelcamp, wenn es so anstrengend und eklig sein kann? Und warum schauen Menschen bei sowas zu?

          2 Min.

          Jeder hat derzeit eine Meinung über das Dschungelcamp. Entweder man hasst das Reality-TV-Format oder man liebt es, aber man kommt dieser Tage nicht daran vorbei. Warum eigentlich? Was fasziniert die Zuschauer so daran? Und warum tun sich Stars – wenn auch aus der B- oder C-Liga – rund drei Wochen Verzicht auf jeden Luxus und ständige Kameraüberwachung an?

          Drei Gründe, um ins Camp zu ziehen

          Maria Wiesner
          Redakteurin im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Fangen wir bei den Stars an, denn über die Frage des Warum ist in diesem Jahr selbst unter den Kandidaten ein ordentlicher Streit entbrannt. Anlass gab der Auftritt der Kandidatin Helena Fürst, die mit Blick in die Kamera verkündete, sie mache das alles nur, um Aufmerksamkeit zu bekommen. Zum Hintergrund: Frau Fürst hatte eine Fernsehsendung, in der sie sich für Arbeitslose und Hilfsbedürftige einsetzte. „Kämpferin aus Leidenschaft“ wurde im vergangenen Jahr eingestellt. Die Zeit nutzt die Kandidatin seitdem, um ein Buch über ihr Leben zu schreiben. Die öffentliche Aufmerksamkeit hat sie also nötig, wenn sich das Werk irgendwie verkaufen soll.

          Bild: Johannes Thielen

          Das ist natürlich nur ein Grund, um in das Camp zu ziehen. Ein anderer ist die üppige Gage. Wie viel jeder Star genau bekommt, ist eigentlich geheim. In den vergangenen Jahren enthüllten Boulevard-Zeitungen jedoch immer wieder Summen in unterschiedlicher Höhe. So soll im vergangenen Jahr die „Germany's Next Topmodel“-Aspirantin Sara Kulka ganze 135.000 Euro für ihren Auftritt beim Dschungelcamp bekommen haben, berichtet die Münchner Boulevardzeitung „tz“. Andere Kandidaten seien dagegen mit Gagen zwischen 45.000 und 120.000 Euro nach Hause gegangen. Für knapp drei Wochen „Arbeit“ sind das nette Sümmchen, wenn man als Star den Höhepunkt seines Schaffens eigentlich schon irgendwie hinter sich hat.

          Nur einer der derzeitigen Teilnehmer will eben von Geld und Aufmerksamkeit gar nichts wissen: der ehemalige Fußballprofi Thorsten Legat. Er habe in 15 Jahren Bundesliga genug verdient, verkündete er reichlich sauer, als Helena Fürst vermutete, auch er mache das alles nur wegen des Geldes. Ganz im Gegenteil schnaubte Legat, er sei im Camp für sich selbst. Und er beantwortet damit schon einmal ein bisschen die Frage, die sich ja auch auf der anderen Seite der Sendung stellt: Warum tun sich die Zuschauer das eigentlich an?

          Außerhalb der Komfortzone

          Da ist erst einmal der Wunsch nach leichter Unterhaltung. Die Moderatoren kommentieren mit böser Zunge und sehr witzig. Und dadurch kann allein solch ein banaler Streit zwischen zwei Menschen wie der zwischen Legat und Fürst, der mehrere Tage lang als Thema in der Sendung herausgearbeitet wird, sehr amüsant sein. Wie viel spannender aber wird es erst, wenn eine Brigitte Nielsen darüber spricht, wie sie ihren Mann kennengelernt hat, oder Jenny Elvers über private Probleme berichtete. Die eine war mal für etwas mehr als ein Jahr mit dem Film-Star Sylvester Stallone verheiratet, die andere mal betrunken in einem Fernsehmagazin aufgetreten. Und alle haben auch noch eine Meinung dazu und müssen die auch sagen. Nicht nur im Camp, auch in der Kaffeeküche im Büro.

          Außerdem reizt es die Zuschauer, herauszufinden, wie Stars wirklich sind und warum sie das machen. Denn jeder Mensch spielt ja eine Rolle, sobald er in die Öffentlichkeit tritt, und Stars haben eine besonders gute Maske, wenn es um ihren Auftritt vor Publikum geht. Aber wenn sie drei Wochen lang permanent von Kameras umgeben sind, dann vergessen sie diesen Fakt irgendwann und lassen die Masken fallen. Und dann sind die Zuschauer ganz überrascht: Ach, der ist ja gar nicht so, wie man immer dachte. Der ist ja auch nur ein Mensch. Und wenn dieser Mensch hinter der Star-Maske dann auch noch nett und umgänglich bleibt und sich auch nach mehreren Wochen schlechtem Essen und ekliger Prüfungen als rücksichtsvolles Wesen herausstellt, das mitfühlend ist und sich um die anderen in der Gruppe kümmert, dann lieben die Zuschauer ihn. Denn keine Zicke und kein Egoist ist bisher jemals zum Dschungelkönig oder zur -königin gekrönt worden.

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