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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Alarmsignal für Kinder

Was Daten alles verraten können: alles

Natürlich wissen die Leute von Coodrive, wie schlimm manche Leute diese Möglichkeiten finden, und sie erklären, was sie alles dafür tun, damit das nicht passiert. Damit die Daten geschützt bleiben. Trotzdem gibt es Leute, die das alles immer noch zu riskant finden. Und Leute, die es grundsätzlich für ein Problem halten, dass Kinder auf diese Art überwacht werden. Und sich durch Apps wie diese — und davon gibt es eine ganze Reihe — von klein auf daran gewöhnen, überwacht zu werden. Wenn man das Gefühl hat, beobachtet zu werden, verhält man sich anders als sonst, das kennt jeder: Man passt auf, was man sagt, macht lieber doch keinen Klingelstreich oder greift nicht noch ein zweites Mal ins Bonbonglas, wo doch nur ein Bonbon ausgemacht war. Der Unterschied zur Überwachung ist gar nicht groß: Beobachtung geschieht ausnahmsweise, Überwachung ist etwas Grundsätzliches. Wer Überwachung gut findet, betont, dass dadurch vieles sicherer wird, wer sie schlecht findet, der verweist darauf, dass sie die Freiheit der Menschen beschneidet. Und an beidem ist was dran.

Mit Daten kann man tolle und wichtige Sachen machen – vorhersagen, wie das Wetter wird, wo es einen Stau gibt, wann uns eine Erkältungswelle erreicht, wie man Krankheiten so früh erkennt, dass man ganz gut was gegen sie machen kann, wo man rechtzeitig eine neue Schule bauen muss, wie man besser Fußball spielen kann und vieles mehr. Man kann auch prima Geschäfte mit ihnen machen. Und man kann mit ihnen ausrechnen, was jemand machen könnte und was man mit ihm machen könnte. Das kann ganz schön unfair sein.

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Zum Beispiel gibt es teurere und günstigere Smartphone-Marken, und wenn jemand etwas mit einem teureren Smartphone im Internet bestellen will, kann der Online-Versender das erkennen und ihm einfach einen teureren Preis anzeigen, weil er glaubt, der mit dem teuren Smartphone kann sich das bestimmt leisten. Oder einer, der in einer bestimmten Gegend wohnt, bekommt von der Bank nicht so leicht Geld geliehen, weil die Bank aus den Daten der anderen Leute in der Gegend weiß, dass dort viele wohnen, die ihre Schulden nicht zurückzahlen.

Oder jemand informiert sich im Internet über eine schlimme Krankheit und will dann eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließen, die ihm Geld zahlt, wenn er nicht mehr arbeiten kann: Wenn die Versicherung die Google-Daten von diesem Menschen kennte, würde sie sich gut überlegen, ob sie mit ihm einen Vertrag abschließt — auch wenn sich der Mensch nur für einen Onkel oder Freund über die Krankheit informiert hat. Oder einer bewegt sich in einer Menschenmenge, die von einer Überwachungskamera aufgenommen wird, anders als die anderen. Und auf einmal wird er verdächtigt, etwas auszuhecken. Dabei muss er vielleicht nur dringend aufs Klo.

Sie könnten mich nicht ernstnehmen

Es gibt tausend Beispiele, die zeigen, wie wichtig Datenschutz ist. Damit Menschen gleichbehandelt werden. Damit sie ihre Entscheidungsfreiheit behalten. Damit sie in Ruhe gelassen werden. Und es gibt leider viele Beispiele dafür, dass Daten nicht gut geschützt werden. Im Großen, wenn es Kriminellen gelingt, Millionen Kreditkartendaten zu klauen, mit denen sie sich Geld von den Konten der Kreditkartenbesitzer holen können. Aber auch im Kleinen, wenn jemand, der in seiner alten Klasse einen furchtbaren Spottnamen hatte, in eine neue Schule wechselt, wo keiner ihn kennt — und keiner diesen Namen. Oder vielleicht zufällig doch.

Die Philosophin Beate Rössler hat viel über Freiheit und Datenschutz nachgedacht, und sie hat es einmal in einem Vortrag so gesagt: „Wenn Sie alles über mich wüssten, könnten Sie mich nicht ernst nehmen.“ Das gilt für uns alle. Deshalb ist es so wichtig, dass wir unsere Daten schützen — wir selbst bei allem, was wir mit Smartphones und Computern machen, die Firmen, denen wir unsere Daten anvertrauen, und die Politik, die sich darum kümmern muss, dass es Gesetze und Regeln für den Datenschutz gibt, so gut und wichtig auch ist, was man mit Daten machen kann.

Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen
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Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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