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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Alarmsignal für Kinder

Für die Idee haben sich ein paar Firmen begeistert, Autobauer und Schulranzenproduzenten, und auch zwei Städte – Ludwigsburg und Wolfsburg – wollten dafür sorgen, dass möglichst viele Leute diese App einsetzen, weil jeder einzelne Unfall schrecklich ist und jeder Unfall weniger eine gute Sache. So gut, dass man sich schon fragen könnte, wer dagegen überhaupt etwas haben kann. Tatsächlich haben sogar eine Menge Leute etwas dagegen, aus den verschiedensten Gründen. Natürlich will auch von denen jeder, dass es weniger Unfälle gibt. Aber die einen sagen, wenn die Autofahrer anfangen, sich auf Signale zu verlassen, statt einfach vorsichtig zu fahren, dann passen sie vielleicht weniger auf, und es wird gefährlicher. Andere sagen: Eine App, die Leuten sagt, wo Kinder sind, könnte ganz einfach von einem bösen Menschen missbraucht werden, der vielleicht gerade ein Kind entführen will. Diese Sorge nehmen die Entwickler der App so ernst, dass sie extra eingebaut haben, dass die App bei langsam fahrenden Autos nicht mehr funktioniert: Sollte einer durch die Gegend kurven und nach einem Kind zum Entführen Ausschau halten, dann kann ihm die App dabei gar nicht helfen. Außerdem wird gar nicht genau gezeigt, wo ein Kind ist, sondern nur der Bereich.

Viele Interessenten, viele Interessen

Dann gibt es Leute, die befürchten, dass die Daten in die falschen Hände kommen. Die App auf dem Smartphone des Kindes oder das kleine Gerät im Schulranzen sendet nämlich die ganze Zeit Daten, die genau festhalten, an welchem Ort zu welcher Zeit genau dieses Smartphone oder dieses Gerät ist und war – und mit ihnen wahrscheinlich auch das Kind, für das sie gedacht sind.

Klar, dass nicht einfach jeder wissen soll, wo jemand zu welcher Uhrzeit war, auch wenn das für viele Leute ziemlich interessant sein könnte: Die Leute von der Schule könnten so nicht nur erkennen, wenn ein Kind zu spät zum Unterricht kommt, selbst wenn der Lehrer noch eine Minute später den Klassenraum betritt, sondern auch, ob das zum Beispiel daran liegt, dass das Kind regelmäßig zu spät zu Hause losgeht. Oder immer auf dem Schulweg zwei Minuten vor dem Spielzeugladen an der Ecke stehenbleibt.

Das könnte übrigens auch den Spielzeugladen interessieren, und der Besitzer könnte anfangen, auszuprobieren, was er ins Schaufenster stellen muss, damit aus den zwei Minuten drei Minuten werden, aus dem einen Kind fünf oder fünfzehn oder aus dem Stehenbleiben ein Reingehen. Er könnte der Familie Werbung nach Hause schicken, damit das Kind sich dort an die tollen Sachen erinnert und die Eltern bearbeitet, sie ihm zu kaufen. Oder er könnte die Werbung auch gleich dem Kind aufs Smartphone schicken: Weißt Du eigentlich, wie unglaublich günstig diese tollen Sachen gerade sind?

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