https://www.faz.net/-i35-9n20q

Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Was das Wichtige an der Europawahl ist

Es geht auch um ihre Zukunft: Kinder vor der Europawahl 2014 auf einer Wahlkampfbühne in Wien. Bild: Picture-Alliance

Europa ist wichtig, das sagen gerade alle. Müssen deshalb gleich alle, die dürfen, zur Europawahl gehen? Und was ist das Problem, wenn alle, die für Europa sind, immer nur sagen, wie gut alles ist?

          Die Kolumne „Wie erkläre ich's meinem Kind?“ gibt es auch zum Hören – und zum Abonnieren, als Podcast. Auch diese Folge.

          Timo Steppat

          Redakteur in der Politik.

          Europa ist wichtig. Politiker sagen das im Moment oft. Auch Unternehmen, die sich sonst selten öffentlich in Wahlen einmischen, werben für Europa: Der Autokonzern VW hat an seinem Werksturm in Wolfsburg ein Plakat aufgespannt: „Volkswagen wählt Europa“. Die chemische Industrie schaltet Anzeigen, in denen steht: „Europa braucht eine Stimme. Ihre.“ Selbst der Frankfurter Nahverkehrsverbund hat Plakate in die S-Bahnen gehängt, auf denen steht: „Was immer du wählst, wähl Europa.“ Wenn Europa gesagt wird, ist eigentlich die Europäische Union gemeint. Ihr Parlament wird nächstes Wochenende gewählt, in allen 28 Mitgliedstaaten.

          Zumindest die Deutschen haben ein seltsames Verhältnis zur EU. Viele finden den Staatenverbund gut und richtig. Müssten sie entscheiden, ob ihr Land in der EU bleibt, würden laut Eurobarometer 79 Prozent für einen Verbleib stimmen. 81 Prozent finden, dass die Mitgliedschaft eine gute Sache ist. Trotzdem hat bei der letzten Wahl 2014 nicht mal jeder zweite eine Stimme abgegeben. Im Vergleich: Bei der Bundestagswahl haben das nicht nur 48, sondern 76 Prozent der Wahlberechtigten getan. Dafür gibt es Gründe: Nach der Europawahl wird kein Bundeskanzler oder Präsident gewählt, keine europäische Regierung gebildet – und so erscheint vielen das Parlament in Brüssel weniger wichtig und einflussreich als etwa der Bundestag oder Landesparlamente.

          Deshalb geht es jetzt oft darum, den Nutzen von Europa zu erklären. Zu zeigen, was Europa alles Gutes gebracht hat. Zum Beispiel, dass man frei reisen kann. Dass man den Pass nicht mehr am Flughafen vorzeigen oder im Auto an der Grenze auf die Kontrolle warten muss. Europa bedeutet, eine gemeinsame Währung zu haben, also kein Geld mehr wechseln zu müssen, wenn man in einem anderen Land, das innerhalb Europas zur Euro-Zone gehört, etwas bezahlen will. Europa bedeutet, in Spanien und Österreich, ohne dass es mehr kostet, mit dem Handy telefonieren und surfen zu können – Roaminggebühren hat die EU abgeschafft. Europa bedeutet, dass Studenten im Ausland studieren können und dabei finanziell gefördert werden; es bedeutet, dass Arbeitnehmer sich in Nachbarländern ohne größere Hürden einen Job suchen können. Dadurch wächst das Verständnis für andere Kulturen und Mentalitäten, der Kontinent wächst zusammen.

          Es geht um mehr als Europabegeisterung

          Europa bedeutet freien Handel, das ist vor allem für die deutsche Wirtschaft gut. Denn je weniger Schranken es gibt, desto mehr kann die deutsche Wirtschaft exportieren. Insofern haben die Unternehmen, die für Europa werben, durchaus ihre Gründe. Europa bedeutet Solidarität. Weil mit dem Geld, das Deutschland in den gemeinsamen Topf zahlt, nicht nur in Deutschland Infrastruktur und Wirtschaftsförderung angeschoben wird, sondern auch in Polen oder Irland.

          Wer miteinander handelt, studiert und das gleiche Geld benutzt, führt keine Kriege untereinander. Deshalb ist die Europäische Union nach Jahrhunderten von Kriegen auch ein historisches Friedensprojekt. Ein vereintes Europa kann auf Augenhöhe mit China und den Vereinigten Staaten verhandeln. Europa kann ein Beispiel für Demokratie in der Welt sein. Über all das wird gerade viel gesprochen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Boris Johnson und die EU : Trotz allem – Partner

          In Brüssel hat man Boris Johnson in unangenehmer Erinnerung behalten. Dennoch sollten die „Europäer“ ihm, wo immer möglich, die Hand reichen – nur zu einem nicht.
          Laut Sebastian Kurz habe es sich bei der Datenvernichtung um einen „normalen Vorgang“ gehandelt.

          Datenträger geschreddert : Kurz und der Reißwolf

          Der damalige österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz ließ nach dem Platzen der Koalition mit der rechten FPÖ durch einen Mitarbeiter inkognito Daten vernichten. Warum?

          Greta Thunberg in Paris : Macrons Worte sind ihr zu wenig

          Für ihre kurze Rede erhält die Klimaaktivistin in der französischen Nationalversammlung viel Applaus, besonders aus Macrons Partei – obwohl Thunberg den Präsidenten zuvor kritisiert hat.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.