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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Woher die Adventslieder eigentlich kommen

In der Vorweihnachtszeit wird viel gesungen: hierzulande wie am Jackson Square in New Orleans. Bild: Picture-Alliance

„Vom Himmel hoch“, „Oh Tannenbaum“ oder „Stille Nacht“: Lieder, die jeder kennt und in der Adventszeit gern gesungen werden. Wo kommen diese Lieder eigentlich her?

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          Wenn wir singen, in Schulen, Kindergärten oder auch zuhause, sind es oft überall die selben Lieder. Etwa das Geburtstagslied „Wie schön, dass du geboren bist“ oder das Adventslied „In der Weihnachtsbäckerei“. Sie sind so weit verbreitet, dass wir kaum daran denken, dass sie von einem bestimmten Menschen stammen. Dass sie einen Komponisten und einen Textautor haben, in diesem Fall den Liedermacher Rolf Zuckowski. Man sagt dann, die Lieder sind volkstümlich geworden.

          Tilman Spreckelsen

          Redakteur im Feuilleton.

          Das gilt auch für Lieder, die gern zu Weihnachten in der Kirche gesungen werden. Dabei kann man besonders bei ihnen oft recht gut sagen, wer sie gedichtet hat und wer die Musik dazu komponiert hat. Etwa das Lied „Stille Nacht“. Es ist kein uraltes Weihnachtslied, wie viele glauben, sondern erst knapp zweihundert Jahre alt – im Jahr 1816 dichtete der junge österreichische Pfarrer Joseph Mohr den Text, zwei Jahre später komponierte der Organist Franz Xaver Gruber die Musik dazu, so dass das Lied zu Weihnachten 1818 zum ersten Mal in der Kirche gesungen wurde. Später wurde es weiter verbreitet, ohne dass die Namen von Gruber und Mohr genannt wurden: als Volkslied aus dem Zillertal.  

          In der süddeutschen Stadt Freiburg gibt es eine Gruppe von Forschern, die sich nur mit beliebten Liedern beschäftigen. Sie haben herausgefunden, dass so etwas oft geschehen ist, vor allem in der Zeit vor zweihundert Jahren, als die Brüder Grimm ihre Märchen sammelten. Damals wollten viele Forscher retten, was mündlich erzählt oder gesungen wurde, also Märchen und Lieder. Sie erschienen auf einmal wertvoll, weil man hoffte, darin Spuren von dem wiederzufinden, was gesprochen oder gedacht wurde, bevor die Menschen etwa in Deutschland die Schrift gebrauchten.

          Beim Sammeln aber passierte es den Forschern oft, dass ihnen Lieder vorgesungen oder Geschichten erzählt wurden, die es längst gedruckt gab, die aber wieder seither mündlich weitergegeben worden waren. Deshalb mussten auch die Brüder Grimm ihre Märchensammlung gründlich überarbeiten: Sie hatten Märchen aufgeschrieben wie „Der gestiefelte Kater“, die ihnen von Frauen aus Kassel erzählt worden waren. Aber diese Frauen stammten von Menschen ab, die einst aus Frankreich geflohen waren und die Märchen des Dichters Charles Perrault mitgebracht und ihren Kindern erzählt hatten. Es gab aber auch Dichter und Musiker, die selbst ihre eigenen Lieder als Volkslieder ausgaben, etwa 1840 der Komponist von „Kein schöner Land“. Weil er wusste, dass sein Lied so viel mehr beachtet werden würde.

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