https://www.faz.net/-i35-7ub99

Wie erkläre ich es meinem Kind? : Warum sich Ebola so rasend schnell verbreitet

  • -Aktualisiert am

Bevor sie sich im Ebola-Zentrum von Harare in Zimbabwe an die Arbeit macht, zieht diese Frau Schutzkleidung an Bild: AP

Kinder brauchen nur einen Blick auf Menschen in Schutzanzügen auf Zeitungsbildern zu erhaschen, um auf Ebola aufmerksam zu werden. Wie erklärt man die Krankheit realistisch, ohne die Ängste zu verstärken?

          5 Min.

          Ebola ist eine ansteckende Krankheit  - so wie Erkältungen oder Windpocken, aber mit viel schlimmeren Folgen für die Menschen, die sich anstecken. Ebola-Patienten bekommen hohes Fieber, müssen sich übergeben und bekommen Durchfall; irgendwann verlieren sie sehr viel Blut innerhalb ihres Körpers, weil ihre Blutgefäße undicht werden. Nicht bei allen verläuft die Krankheit so schwer, aber man weiß nie, wer Glück hat und sich erholt, und wer besonders schwer krank wird und an der Infektion stirbt. Die Krankheit bekam den Namen „Ebola“ nach dem Fluss Ebola in der Demokratischen Republik Kongo. Dort in der Nähe war die Krankheit vor fast vierzig Jahren zum ersten Mal aufgetreten.

          Eigentlich können die Menschen schon etwas tun, um sich vor Ebola zu schützen. In den Ländern Afrikas, in denen die Seuche im Moment vorkommt, wissen aber viele Menschen nicht, welche Regeln sie beachten müssen. Und, viel schlimmer noch: Das Wichtigste wäre, diejenigen, die plötzlich Zeichen der Krankheit entwickeln, in ein Krankenhaus zu bringen. Aber inzwischen sind die meisten Krankenhäuser voll und können keine neuen Patienten mehr aufnehmen. Die betroffenen Länder in Afrika sind sehr arm, sie haben nur wenige Krankenhäuser und es gibt auch nicht genug Ärzte und Krankenschwestern.

          Es fehlt auch Geld, um schnell viele Menschen darüber zu informieren, wie sie sich vor Ebola zumindest versuchen können zu schützen. Außerdem haben viele Menschen nie eine Schule besucht und können deshalb weder lesen noch schreiben. Man kann deshalb keine Flugblätter mit langen Texten verteilen, um Aufklärung zu leisten. Es ist auch besonders schwer, Menschen zu vermitteln, wie sie sich vor einer Krankheit schützen, wenn sie wenig darüber wissen, wie Krankheiten eigentlich übertragen werden und dass sie von einem Menschen auf den anderen übergehen können.

          Kein Kontakt

          Im Moment versuchen Helfer, die Informationen über die Schutzmöglichkeiten möglichst weit zu verbreiten. Sie gehen zum Beispiel in Dörfer und hängen Plakate auf, in denen die wichtigsten Regeln auch in Form von Zeichnungen festgehalten sind, so dass man sie auch verstehen kann, wenn man nicht lesen kann. Auf den Plakaten steht dann zum Beispiel, dass man keinen körperlichen Kontakt zu Kranken haben sollte, sie nicht waschen oder verbinden darf. Man kann sich nämlich über viele Flüssigkeiten, die der Körper produziert, anstecken: Blut, Spucke, Urin zum Beispiel. Meist reicht es nicht aus, mit einer kranken Person einfach nur im selben Raum zu sein. Aber die Ärzte und Krankenschwestern, die den Kranken in Afrika helfen, müssen sehr nah an die Infizierten heran. Deshalb tragen sie ständig die Schutzkleidung, die man im Fernsehen und auf Zeitungsbildern sieht, und sogar Helme, die das Gesicht und damit die Lippen, die Nase und die Augen schützen, wo der Ebola-Erreger durch einen Spucke- oder Blutstropfen hingeraten könnte. Die Menschen, die nicht als Ärzte oder Krankenschwestern arbeiten, pflegen kranke Familienmitglieder, ohne einen Schutzanzug zu haben, und stecken sich dann oft selbst an. Deshalb melden die Nachrichten im Moment dauernd steigende Zahlen; ein Mensch, der den Ebola-Erreger in seinem Körper hat, steckt häufig mehrere Menschen an, bevor er ein Bett in einem Krankenhaus bekommen kann, wo er abgeschirmt wird und nur noch auf Ärzte und Schwestern in Schutzkleidern trifft.

          Bild: Johannes Thielen

          Ebola-Erreger sind winzig klein, so klein, dass man ein Mikroskop braucht, um sie überhaupt sehen zu können. Sie haben die Form von langen Fädchen. Es sind Viren. Viren sind eigentlich keine richtigen Lebewesen. Sie bestehen fast nur aus einer Hülle. Um neue Viren produzieren zu können und sich auf immer mehr Menschen zu verbreiten, müssen Viren erst einmal in einem Menschen angekommen sein und sich dort im Körper Hilfsmittel „leihen“, die eigentlich dem Menschen gehören. Ohne einen Menschen oder ein Tier können Viren nicht immer mehr werden.

          Affen und Flughunde

          Die ersten Ebola-Fälle in Westafrika sind erst vor ein paar Monaten aufgetreten, im Februar. Vorher hatte die Krankheit lange nichts von sich hören lassen. Aber es hat schon früher Ansteckungen mit Ebola in Afrika gegeben. Jedesmal sind plötzlich Patienten aufgetaucht, ohne dass man es vorher hätte ahnen können. Meistens haben sich diese ersten Patienten bei Tieren angesteckt, zum Beispiel bei Affen oder Flughunden. Das Ebola-Virus kann jahrelang in solchen Urwaldtieren warten, bis ein Mensch vorbeikommt und das Falsche tut. Der Fehler kann zum Bespiel sein, aus Versehen ein bisschen Flughundkot an die Finger zu bekommen. Hat man einen Kratzer an der Hand, können die Viren, die so lange im Flughund gewartet haben, plötzlich einen Menschen anstecken, der dann viel kränker wird als die Flughunde, denen man meist gar nichts anmerkt. In manchen Gegenden Afrikas jagen die Menschen auch Flughunde und Affen, um sie zu essen. Dadurch kann man sich auch anstecken.

          Kann das Ebola-Virus auch zu uns nach Deutschland kommen und hier die Menschen bedrohen? Mit Reisenden kann es natürlich an deutschen Flughäfen „landen“. Deshalb lassen schon jetzt viele Länder Reisende in Flugzeugen Fragebögen ausfüllen, um herauszufinden, wer möglicherweise in Gegenden gewesen ist, wo man sich leicht ansteckt. Viele Experten finden, dass solche Befragungen gar nicht ausreichen. Aber wenn ein Infizierter an einem deutschen Flughafen ankommen sollte, wäre es hier immerhin viel leichter, ihn schnell in einem Krankenhaus zu isolieren und auch die Menschen ausfindig zu machen, die mit ihm Kontakt hatten, um sie dann ebenfalls zu überwachen. So könnte man die Infektionsketten unterbrechen, was in Afrika mit seinen wenigen Krankenhäusern und seiner schlechten Infrastruktur viel schwieriger ist.

          Hilfreiche Medikamente

          Allerdings gibt es, und das wäre auch für Infizierte in Deutschland das größte Problem, noch keine Mittel, die gegen die Ebola-Seuche helfen. Ärzte haben keine Spritzen, Tabletten oder gar Impfungen, die helfen würden, die Krankheit einzudämmen. Unter Hochdruck arbeiten überall auf der Welt jetzt Wissenschaftler daran, solche Mittel herzustellen. Ein paar hoffnungsvolle Produkte gibt es, aber weil alle Labore von der großen Krankheitswelle überrascht wurden, sind diese Mittel noch nicht so weit entwickelt, wie es Medikamente eigentlich sein sollten, wenn man sie bei so vielen Menschen einsetzt, wie es jetzt notwendig wäre.

          Man hat die Medikamente erst bei Tieren getestet, bei Affen zum Beispiel, die mit Ebola infiziert waren. Ihnen haben sie geholfen. In den vergangenen Wochen haben einzelne mit dem Ebola-Virus infizierte Menschen erstmals ein Medikament bekommen, dass bei Affen erfolgreich eingesetzt worden war. Einige von ihnen haben tatsächlich überlebt. Aber die Labore weltweit haben keine großen Vorräte, deshalb müssen jetzt erst einmal Medikamente in genügend großer Menge hergestellt werden. Aber selbst dann ist es ein Risiko, den vielen kranken Menschen Medikamente zu geben, die man vorher nicht richtig prüfen konnte. Die Weltgesundheitsorganisation findet das Risiko aber vertretbar. Schließlich ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass jemand, der sich mit dem Ebola-Virus angesteckt hat, daran stirbt, leider sehr hoch. Die Menschen können auch wieder gesund werden, aber das Risiko zu sterben, ist höher als die Chance, wieder gesund zu werden. Genaue Informationen über die Verläufe der Fälle in Afrika gibt es aber bis jetzt kaum, weil so viele Menschen außerhalb von Krankenhäusern leiden und gepflegt werden.

          Andere Länder, auch Deutschland, schicken inzwischen nicht nur Helfer, sondern auch Hilfsgüter in die betroffenen Länder Afrikas. Es gibt aber Streit darüber, ob die Hilfe reicht oder ob viel mehr Experten und Materialien geschickt werden müssten. Gerade in dieser Woche ist das erste Flugzeug vom Köln-Bonner Flughafen aus nach Westafrika gestartet. An Bord sind zum Beispiel Schutzmasken und Desinfektionsmittel, die dringend gebraucht werden. Aber auch deutsche Helfer sollen nach Afrika kommen, vor allem Ärzte, Pfleger und Techniker. Zweitausend Bundeswehr-Angehörige haben sich schon freiwillig als Helfer gemeldet. Es muss jetzt noch entschieden werden, wer davon geeignet ist, nach Westafrika zu reisen.

          Weitere Themen

          „Mank“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Mank“

          „Mank“ läuft ab dem 4. November bei Netflix.

          Topmeldungen

          Krise der Nationalelf : Löw und der heiße Brei

          Der Fußball-Nationalelf fehlt nicht die Feinarbeit, sondern ein Fundament. Doch an Kernfragen traut sich der Bundestrainer nicht heran – oder er findet die Antworten nicht.
          Die fragliche Außenstelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf) in Bremen

          Anklage wegen Asylbescheiden : Was vom Bamf-Skandal übrig blieb

          Vor zweieinhalb Jahren sorgte die Bremer Asylbehörde für Aufregung: Dort sollen positive Bescheide ohne korrekte Prüfung bewilligt worden sein. Doch strafrechtlich ist von den Vorwürfen wenig übrig geblieben.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.