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Wie erkläre ich es meinem Kind? : Warum sich Ebola so rasend schnell verbreitet

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Affen und Flughunde

Die ersten Ebola-Fälle in Westafrika sind erst vor ein paar Monaten aufgetreten, im Februar. Vorher hatte die Krankheit lange nichts von sich hören lassen. Aber es hat schon früher Ansteckungen mit Ebola in Afrika gegeben. Jedesmal sind plötzlich Patienten aufgetaucht, ohne dass man es vorher hätte ahnen können. Meistens haben sich diese ersten Patienten bei Tieren angesteckt, zum Beispiel bei Affen oder Flughunden. Das Ebola-Virus kann jahrelang in solchen Urwaldtieren warten, bis ein Mensch vorbeikommt und das Falsche tut. Der Fehler kann zum Bespiel sein, aus Versehen ein bisschen Flughundkot an die Finger zu bekommen. Hat man einen Kratzer an der Hand, können die Viren, die so lange im Flughund gewartet haben, plötzlich einen Menschen anstecken, der dann viel kränker wird als die Flughunde, denen man meist gar nichts anmerkt. In manchen Gegenden Afrikas jagen die Menschen auch Flughunde und Affen, um sie zu essen. Dadurch kann man sich auch anstecken.

Kann das Ebola-Virus auch zu uns nach Deutschland kommen und hier die Menschen bedrohen? Mit Reisenden kann es natürlich an deutschen Flughäfen „landen“. Deshalb lassen schon jetzt viele Länder Reisende in Flugzeugen Fragebögen ausfüllen, um herauszufinden, wer möglicherweise in Gegenden gewesen ist, wo man sich leicht ansteckt. Viele Experten finden, dass solche Befragungen gar nicht ausreichen. Aber wenn ein Infizierter an einem deutschen Flughafen ankommen sollte, wäre es hier immerhin viel leichter, ihn schnell in einem Krankenhaus zu isolieren und auch die Menschen ausfindig zu machen, die mit ihm Kontakt hatten, um sie dann ebenfalls zu überwachen. So könnte man die Infektionsketten unterbrechen, was in Afrika mit seinen wenigen Krankenhäusern und seiner schlechten Infrastruktur viel schwieriger ist.

Hilfreiche Medikamente

Allerdings gibt es, und das wäre auch für Infizierte in Deutschland das größte Problem, noch keine Mittel, die gegen die Ebola-Seuche helfen. Ärzte haben keine Spritzen, Tabletten oder gar Impfungen, die helfen würden, die Krankheit einzudämmen. Unter Hochdruck arbeiten überall auf der Welt jetzt Wissenschaftler daran, solche Mittel herzustellen. Ein paar hoffnungsvolle Produkte gibt es, aber weil alle Labore von der großen Krankheitswelle überrascht wurden, sind diese Mittel noch nicht so weit entwickelt, wie es Medikamente eigentlich sein sollten, wenn man sie bei so vielen Menschen einsetzt, wie es jetzt notwendig wäre.

Man hat die Medikamente erst bei Tieren getestet, bei Affen zum Beispiel, die mit Ebola infiziert waren. Ihnen haben sie geholfen. In den vergangenen Wochen haben einzelne mit dem Ebola-Virus infizierte Menschen erstmals ein Medikament bekommen, dass bei Affen erfolgreich eingesetzt worden war. Einige von ihnen haben tatsächlich überlebt. Aber die Labore weltweit haben keine großen Vorräte, deshalb müssen jetzt erst einmal Medikamente in genügend großer Menge hergestellt werden. Aber selbst dann ist es ein Risiko, den vielen kranken Menschen Medikamente zu geben, die man vorher nicht richtig prüfen konnte. Die Weltgesundheitsorganisation findet das Risiko aber vertretbar. Schließlich ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass jemand, der sich mit dem Ebola-Virus angesteckt hat, daran stirbt, leider sehr hoch. Die Menschen können auch wieder gesund werden, aber das Risiko zu sterben, ist höher als die Chance, wieder gesund zu werden. Genaue Informationen über die Verläufe der Fälle in Afrika gibt es aber bis jetzt kaum, weil so viele Menschen außerhalb von Krankenhäusern leiden und gepflegt werden.

Andere Länder, auch Deutschland, schicken inzwischen nicht nur Helfer, sondern auch Hilfsgüter in die betroffenen Länder Afrikas. Es gibt aber Streit darüber, ob die Hilfe reicht oder ob viel mehr Experten und Materialien geschickt werden müssten. Gerade in dieser Woche ist das erste Flugzeug vom Köln-Bonner Flughafen aus nach Westafrika gestartet. An Bord sind zum Beispiel Schutzmasken und Desinfektionsmittel, die dringend gebraucht werden. Aber auch deutsche Helfer sollen nach Afrika kommen, vor allem Ärzte, Pfleger und Techniker. Zweitausend Bundeswehr-Angehörige haben sich schon freiwillig als Helfer gemeldet. Es muss jetzt noch entschieden werden, wer davon geeignet ist, nach Westafrika zu reisen.

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