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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum eine verschwundene Krankheit wieder auftauchen kann

  • -Aktualisiert am

Sie sind noch da: Pesterreger unter dem Rasterelektronenmikroskop Bild: Picture-Alliance

Von den Krankheiten, die im Augenblick für Aufregung sorgen, klingt eine in unseren Ohren nach Mittelalter. Aber ganz verschwunden war die Pest eben nie. Über die Bemühungen, Krankheiten auszurotten.

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          Im Moment sorgen in verschiedenen Teilen der Welt schwere Krankheiten, die von Mensch zu Mensch übertragen werden, für Sorgen und Not. In Westafrika greift das gefährliche Ebola-Virus um sich, schon 16.000 Menschen sind daran erkrankt und 6000 sind gestorben. Auch eine Tierkrankheit, die auf den Menschen überspringen kann, wird angestrengt überwacht: Die Vogelgrippe ist in verschiedenen Ländern Europas plötzlich aufgetreten, bei Wildvögeln und in Geflügelzuchtbetrieben. Und in Madagaskar ist jetzt sogar die Pest wieder aufgetaucht.

          Die Pest? Ja, die Infektionskrankheit gibt es tatsächlich noch. Die meisten Menschen denken sofort an längst vergangene Zeiten, an das Mittelalter, wenn sie von der Krankheit hören. Vor mehr als sechshundert Jahren steckten sich Millionen von Menschen in Europa mit der Krankheit an und starben daran.

          Bild: Johannes Thielen

          Die Pest verbreitete sich mehrere Jahrzehnte lang in unterschiedlichen großen Wellen in der Bevölkerung. Sie wird von einem Bakterium mit dem Namen Yersinia pestis ausgelöst. Die Erreger können direkt von Mensch zu Mensch springen, aber sie werden auch durch Flohbisse auf Menschen übertragen, wenn die Flöhe zuvor bei Ratten Blut gesaugt haben, die mit dem Pesterreger infiziert waren. Deshalb können Krankheiten wie die Pest zurückgedrängt werden, wenn die hygienischen Verhältnisse sich bessern.

          Können Seuchen wie die Pest oder das Ebolafieber auch aussterben und völlig von unserem Planeten verschwinden? Eigentlich ja. Bei der Pest ist das aber nicht passiert, wie man an den neuen Fällen in Madagaskar sieht. Es hat in den vergangenen zwanzig Jahren auch immer wieder Pestepidemien in Indien, China, afrikanischen Ländern und auch in Madagaskar gegeben. Diese Epidemien waren aber viel kleiner als im Mittelalter. In Indien sind vor zwanzig Jahren zwar mehrere tausend Menschen erkrankt, aber nur etwa fünfzig Infizierte gestorben.

          Rettende Antibiotika

          Man kann die Krankheit heute behandeln, mit Antibiotika, die Bakterien abtöten. Forscher glauben außerdem, dass nach großen Epidemien wie im Mittelalter hauptsächlich Menschen übrigbleiben, die zumindest teilweise resistent sind, deren Körper sich also besser gegen den Pesterreger wehren kann. Durch bessere Hygiene und schnelle Behandlung der wenigen Fälle konnten viele Länder es erreichen, dass man sich dort so fühlt, als gäbe es die Pest überhaupt nicht mehr. Theoretisch könnte sie aber wieder eingeschleppt werden, zum Beispiel aus Madagaskar. Dort gibt es wenig Ärzte und Krankenhäuser, und nicht jeder Infizierte kann schnell ein Antibiotikum bekommen; in armen Gegenden soll die Zahl der Ratten außerdem stark zugenommen haben.

          Es gibt aber andere Krankheiten, die wirklich völlig ausgerottet sind, obwohl sie jahrhundertelang Angst und Schrecken verbreitet haben. Ein Beispiel für eine solche Krankheit sind die Pocken. Sie gelten seit mehr als dreißig Jahren als ausgerottet. Ärzte und Wissenschaftler weltweit haben sich zusammengetan und eine Strategie ausgetüftelt, um die Erreger der Pocken von der Erde verschwinden zu lassen. Die Pocken werden von einem Virus hervorgerufen, dem Pockenvirus. Wer sich damit ansteckt, bekommt hohes Fieber und einen Hautausschlag. Ein Teil der Infizierten stirbt an der Krankheit.

          Man kann Menschen heute impfen, so dass ihr Körper sich gegen das Pockenvirus wehren kann, wenn er damit in Berührung kommt. Dafür werden abgeschwächte Bestandteile des Virus mit einer Spritze unter die Haut und damit in den Körper geschleust. Der Körper kennt also das Virus und trainiert sein Abwehrsystem darauf, genau dieses Virus zu bekämpfen. Trifft man dann auf echte Pockenviren, kann das Immunsystem sie erfolgreich aus dem Körper heraushalten. Die Impfung hilft sogar noch, wenn man schon Kontakt mit einem Infizierten hatte.

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