https://www.faz.net/-i35-87gom

Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Weihnachtsgebäck in den Sommerferien

  • -Aktualisiert am

Im Hochsommer läuft die Produktion auf Hochtouren: Zimtsterne in der Kekesfabrik. Bild: dapd

Die Weihnachtszeit beginnt im September. Das könnte man meinen, wenn man sich im Moment im Supermarkt umschaut. Aber warum kann man Lebkuchen und Spekulatius eigentlich nicht das ganze Jahr über kaufen?

          2 Min.

          Die Sommerferien sind noch nicht vorbei, doch da stehen sie schon: Lebkuchen, Spekulatius, Zimtsterne. Anfang September fangen sie an, sich im Supermarkt breit zu machen. Und dass, obwohl es bis Weihnachten noch mehr als vier Monate dauert. Viele Kunden ärgert das. Sie haben jetzt noch keine Lust auf Zimt, Nelken und Kardamom. Oder auf alles andere, das an Schnee, Weihnachtseinkäufe und Plätzchenorgien erinnern könnte.

          Muss das sein?, fragen sich die Kunden. Muss der Gedanke an Weihnachten mir schon im Frühherbst beim Einkaufen auflauern? Keine Sorge, sagen die Hersteller und Lebensmittelverbände. Das Gebäck sieht zwar nach Weihnachten aus, ist es aber nicht. „Herbstgebäck“. So lautet die offizielle Bezeichnung für Lebkuchen, Spekulatius und Zimtsterne von Anfang September bis kurz vor dem ersten Advent.

          Bei Weihnachtsmännern ist das anders

          Erst dann wird aus dem Herbstgebäck offiziell das Weihnachtsgebäck. Der entscheidende Unterschied neben dem Zeitpunkt: die Verpackung. Sobald Sterne, Tannenbäume oder Schneelandschaften die Schachteln zieren, hat die Weihnachtszeit offiziell begonnen. Zumindest im Supermarkt.

          Bild: Johannes Thielen

          Weihnachtsmänner aus Schokolade findet man jetzt noch nicht im Supermarkt. Sie kommen erst später, nämlich gegen Ende Oktober, in den Laden. Das liegt nicht nur an der Lagerung, die zum Problem werden kann, wenn es kurz vor Herbstbeginn noch 30 Grad warm ist. Schoko-Nikoläuse verbinden die Leute einfach ganz eindeutig mit Weihnachten. Im September würden sie wohl nur bei wenigen Kunden im Einkaufswagen landen.

          Im Dezember wird schon weniger verkauft

          Auch viele Obst- und Gemüsesorten können nur zu bestimmten Zeiten gekauft werden. Der Grund liegt in der Natur der Pflanzen. „Kirschen rot, Spargel tot!“ Das ist zum Beispiel eine alte Bauernregel, die für den Johannistag gilt. Ab dem 24. Juni darf der Spargel traditionell nicht mehr geerntet werden, damit die Pflanze Kraft für das nächste Jahr sammeln kann. 

          Offizielle Fristen, ab wann welche Süßwaren verkauft werden dürfen, gibt es nicht. Das ist eine Entscheidung des Handels, der den Herstellern einen Liefertermin nennt. Dieser kann auch vom Wetter abhängen. Ladenhüter wollen sich die Supermärkte nicht in die Regale stellen – und schon gar nicht auf die Aktionsflächen. Das sind spezielle Flächen für Produkte, die dem Kunden besonders auffallen sollen.

          Dass es das Herbstgeschäft gibt, ist für die Hersteller und den Handel wichtig. „Im Dezember geht die Nachfrage allmählich schon wieder runter“, sagt Christian Bahlmann vom Keks-Hersteller Bahlsen. Die meisten Leute haben sich dann wohl schon eingedeckt. 7100 Tonnen Herbst- und Weihnachtsgebäck hat Bahlsen im vergangenen Jahr verkauft. 82.000 Tonnen Gebäck waren es bei den deutschen Herstellern laut Bundesverband der deutschen Süßwarenindustrie 2014 insgesamt. 

          Obwohl viele Kunden die Nase rümpfen, wenn sie im Herbst an den Lebkuchen vorbeigehen, steigt die Nachfrage bereits ab September. Für Christian Böttcher vom Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels entspricht das einem gelernten Verhalten. „Indem sie diese Artikel kaufen, schaffen sich die Leute einen Bezug zur Herbst- und Weihnachtszeit“, sagt er. Wenn es draußen kälter wird und das Weihnachtsfest näher rückt, gehörten Spekulatius und Lebkuchen für viele einfach dazu. Das sei eben schon immer so gewesen.

          Nur zu besonderen Anlässen

          Nicht ganz. Regionale Vorlieben und Traditionen sorgen dafür, dass das Gebäck, das viele mit Weihnachten verbinden, das ganze Jahr über beliebt ist. In Polen kann man von Januar bis Dezember Lebkuchen kaufen. Dasselbe gilt für Nürnberg und für die Printen in Aachen. Spekulatius hat in den Niederlanden und in Belgien immer Saison.

          In Klöstern waren und sind Lebkuchen wegen ihrer langen Haltbarkeit das ganze Jahr über beliebt. Und das schon seit Jahrhunderten. Doch mit dem Dreißigjährigen Krieg wurden im 17. Jahrhundert die Zutaten knapp und die Lebkuchen nur noch zu feierlichen Anlässen – wie eben Weihnachten – gebacken und gegessen. Heute kann man Lebkuchen in vielen Klöstern wieder zu jeder Jahreszeit kaufen.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.