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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Was Eltern gegen Computerspiele haben

Kindliche Konstruktionen in virtueller Welt: In Minecraft geht es um Bauarbeiten, Errungenschaften – und gegen Gegner. Bild: Minecraft/Mojang Screenshot Fridtjof Küchemann

Viele Eltern wollen nicht, dass ihre Kinder so oft und so lange mit dem Computer, dem Tablet oder Smartphone spielen. Gemein? Es gibt Gründe dafür. Es gibt Gründe dagegen. Und es gibt einen Weg, sich zu einigen.

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          Was haben, wenn man wissenschaftlichen Studien folgt, Bildschirmspiele nicht schon alles gemacht: gewalttätig, dick und doof, sagen die einen. Sie machen reaktionsschnell und geschickt, halten die anderen dagegen. Fest steht: Sie machen Sorgen, vielen Eltern zumindest, deren Kinder gar nicht mehr von „Pokémon Go“, „Minecraft“ oder „Clash of Clans“ lassen können. Ihre Argumente kommen aus unterschiedlichen Richtungen. Manchmal gibt es auch gar keine richtigen Argumente, sondern nur so ein ungutes Gefühl. Und dann eine Ansage.

          Fridtjof Küchemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Es lohnt sich also, mal genauer hinzuschauen – und ein bisschen zu sortieren. Manche Eltern finden, dass ihre Kinder grundsätzlich zu viel Zeit mit dem Smartphone oder vor dem Computer verbringen. Ob es dabei um Snapchat und WhatsApp geht, ob sie Videos gucken, zocken oder sich vielleicht sogar informieren, spielt dabei erst einmal keine Rolle. Dabei ist es schon ein Unterschied, ob man für Hausaufgaben recherchiert, sich etwas online erklären lässt oder sich mit Freunden austauscht. Und selbst beim Zocken gibt es noch enorme Unterschiede – zwischen einem reinen Ballerspiel und einem, bei dem man auch mitdenken muss, zum Beispiel. Ganz zu schweigen von den Spielen, die entwickelt werden, um anderen etwas beizubringen (zum Beispiel Mathe) oder näherzubringen (wie die Situation von Flüchtlingen). Manchmal werden Bildschirmspiele sogar eingesetzt, um kranken Menschen zu helfen, das gibt es auch.

          Die Welten hinter Glas können das nicht bieten

          Allerdings gibt es auch Spiele, denen man, wenn man den Spaß und die Spannung mal außen vor lässt, nicht viel Gutes abgewinnen kann. Sogar welche, die uns ziemlich aufregen oder unter Druck setzen – weil Sachen passieren können, auch mit unseren eigenen Spielfiguren, die uns Angst machen; weil es uns viel bedeutet, zu gewinnen oder zu verlieren; oder weil das Spiel einfach weitergeht, auch wenn wir gerade nicht on sind, nur dass wir dann nicht reagieren und mitspielen können. Klar, dass Eltern wissen wollen, ob ihre Kinder damit ihre Zeit verbringen.

          Bild: Johannes Thielen

          Es gibt Entwicklungspsychologen, also Forscher, die untersuchen, was mit unserem Geist passiert, während wir größer werden, die sind dagegen, dass Kinder viel mit digitalen Geräten zu tun haben. Ihr Argument: In der Kindheit hat die Entwicklung des Gehirns wortwörtlich mit dem Begreifen zu tun. Kinder müssen Dinge anfassen, sich bewegen, balancieren und klettern können, damit sich ihr Gehirn gut entwickelt. Und die Welt hinter dem Glas des Bildschirms oder Touchscreens kann das nun einmal nicht bieten.

          Schlechte Nachricht, guter Weg

          Es gibt Hirnforscher, die sagen, das Tückische an den Unterhaltungsangeboten von Computern, Smartphones und Tablets ist, dass sie immer und immer wieder auf das „Belohnungszentrum“ in unserem Gehirn zielen. Das bewirkt, dass wir von manchen Spielen gar nicht genug bekommen können. Es gibt sogar Forscher, die sagen, bei Computerspielen werden Teile unseres Gehirns auf eine Weise angeregt, dass selbst unmittelbar vorher gelernte Sachen dabei verlorengehen können. Eine schlechte Nachricht für alle, die sich nach der Vorbereitung auf eine Klassenarbeit mit einer Runde Computerspielen belohnen wollen.

          Es gibt aber auch Auszählungen wie neulich in Australien, bei denen herauskommt, dass Kinder, die Bildschirmspiele spielen, besser lesen und rechnen können. Was natürlich noch nicht heißt, dass Computerspielen schlau macht. Alles nicht so einfach. Am einfachsten ist es vielleicht, wenn sich beide Seiten, Eltern und ihre Kinder, mehr darüber unterhalten, was Computerspielen für sie bedeutet. Was genau gerade gespielt wird und warum, was das Gute daran ist, welche Bedenken es gibt. Und dann kann man zusammen nach einem Weg suchen, der weder die Sorgen der Eltern noch die Wünsche der Kinder übergeht. Beide sind ja wichtig. Stimmt schon, was dabei rauskommt, sind Regeln – über tägliche oder wöchentliche Spielzeiten zum Beispiel. Und wer mag schon Regeln? Aber wenn man sich vorstellt, dass sie helfen, Ansagen und Tricksereien zu vermeiden,  also Dinge, die richtig oft zu Streit und schlechter Laune führen, dann sind sie vielleicht doch gar nicht so schlecht.

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