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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Was der Islamismus mit dem Islam zu tun hat

  • -Aktualisiert am

Islamistischer Anführer: Abu Bakr al-Baghdadi ist Kopf der Terrororganisation Islamischer Staat Bild: AP

Manche Menschen, die sich in etwas hineinsteigern, wollen auch dafür kämpfen. Mit Gewalt. Viele Überzeugungen kennen das und alle Religionen. Gerade ist es vor allem für den Islam ein Problem: der Islamismus.

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          Manche Menschen überschreiten eine unsichtbare Grenze, dann wird es ganz schwierig mit ihnen. Das Dumme ist, dass man es oft erst merkt, wenn es zu spät ist. Dann weiß niemand so recht weiter und man braucht erst einmal ein neues Wort für ihren Zustand, oft hängt man einfach die Endung „ismus“ an den Begriff, mit dem man sie vorher bezeichnen konnte. Er zeigt eine Steigerungsform an, zugleich aber auch etwas völlig Neues und Seltsames. Denn was mit ihnen passiert, ist weder gut zu erklären noch leicht wieder rückgängig zu machen. Sie steigern sich in etwas hinein sagt man dann - oder auch: Sie werden radikal, was im Wortsinne heißt, dass sie sich auf die Wurzeln einer Sache besinnen. Sie steigern sich oder graben sich ein, jedenfalls sind sie nicht mehr dort, wo die meisten Menschen sind, nämlich mittendrin.

          Die meisten Menschen finden ihr eigenes Land gut und freuen sich, wenn die eigene Nationalmannschaft gewinnt. Man hegt, meistens jedenfalls, eine Zuneigung zur eigenen Familie und zur Region, in der man lebt. Wenn aber die anfangs erwähnte Grenze überschritten wird und diese Zuneigung in  eine reine Lehre und dann in Nationalismus oder Regionalismus umschlägt, wird es gefährlich. Denn die Radikalen oder Fundamentalen halten alles andere für weniger Wert als ihre Überzeugung und dann ist ihnen bald jedes Mittel recht. Wer von wo anders kommt, der soll dann nicht bloß ein Spiel oder ein Turnier verlieren, was sich ja alle wünschen, der soll gleich sterben gehen –  das wünschen sich normale Menschen nicht. Baskische oder korsische Regionalisten wollten nicht bloß, dass ihre schöne Heimat gewinnt oder mehr Rechte bekommt, sie dachten, sie müssen mit Bomben und Pistolen gegen Frankreich oder Spanien kämpfen, weil ihnen ihr Ismus plötzlich so viel mehr bedeutete als menschliches Leben.

          Sie fühlen sich als Helden

          Alle Religionen kennen solchen Wahnsinn. Ein jüdischer Radikaler hat vor einigen Jahren den Premierminister von Israel erschossen. Christliche Fundamentalisten haben Hexen verbrannt und Juden ermordet. Es ist alles eine Frage der Zeit und ihrer Umstände. Heute erregt der Islam mit dem Islamismus in dieser Hinsicht die größte Aufmerksamkeit. In den Gegenden, in denen man dem Islam anhängt, gibt es besonders viele junge Männer, aber auch Frauen, die dem Islamismus verfallen sind. Das kann sehr gut ausgenutzt werden, weil die dann selber zu Waffen werden, indem sie Angst und Schrecken verbreiten. Es sind Leute, die der Überzeugung sind, für eine große Sache zu kämpfen und darüber mit normalen Leuten nicht mehr diskutieren wollen.

          Bild: Johannes Thielen

          Früher, in meiner Jugend, hatten wir das unter deutschen Studenten, Kindern aus eher reichen Familien: Die waren nicht wie ihre Freundinnen und Freunde einfach sozial interessiert, sondern sahen sich als sozialistische Kämpfer, deren vermeintlicher höherer Auftrag sie zu Mord, Raub und Explosionen berechtigte. Irgendwie sehen sie die Welt dann so, dass sie aus Notwehr zur Gewalt greifen, um Schlimmeres zu verhüten. Dass das gar nicht so ist, hören sie nicht mehr. Oft genug diskutiert aber auch gar niemand mit ihnen, weil es zwecklos wäre oder weil die, die es könnten, Angst haben oder manche Gedanken sogar teilen.

          In ihrem Kopf sind sie Helden, die für etwas Großes sterben, aber aus der Sicht aller anderen sind sie gefährliche Menschen. Dann kann eigentlich nur noch die Polizei helfen. Es sind aber nun so viele Islamisten, dass man in Frankreichs schon daran denkt, die alle in eigene Gefängnisse zu stecken.

          Die sozialistischen Terroristen haben irgendwann einfach aufgehört, obwohl die Welt kaum besser geworden war. Aber dann hatten die Staaten, die ihnen vorher mit Geld und Waffen geholfen hatten, aufgehört, sozialistisch zu sein. Vielleicht wird auch der Islamismus eines Tages viel kleiner sein, wenn die mächtigen Staaten, die zum Islam gehören, etwas gegen ihn tun. Aber das wird noch lange dauern. Darum muss man genau hinhören und sehen, ob jemand von einem, der dem Islam angehört, zum Islamisten wird. Vielleicht ist es noch Zeit, ihn zurückzuholen in die menschliche Mitte, auch mit Hilfe solcher Personen, die selbst mal Islamisten waren und damit aufgehört haben. In fast allen Ländern gibt es solche Programme.

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