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Wie erkläre ich es meinem Kind? : Was das Problem ist mit dem Internet

Sie werden damit groß: Kinder und Computer Bild: picture alliance / dpa

Für Kinder ist das Internet eine Welt unendlicher Möglichkeiten - denen die Erwachsenen oft Grenzen setzen. Was ist eigentlich so schlimm am Internet? Eltern müssen ihre Argumente gut sortieren.

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          Mitbekommen, was in der Welt los ist, neue, lustige, interessante Dinge entdecken und anderen zeigen, etwas erklärt bekommen und mit allen möglichen Leuten in Kontakt stehen: Das Internet ist eine coole Sache, auch für Kinder. Kein Wunder, dass sie sich wundern, wenn Erwachsene manche Dinge im Internet mit Sorge betrachten und immer wieder vor dem Netz warnen. Was ist das Problem?

          Es stimmt ja: Man kann im Internet die tollsten Sachen machen. Und genau da, wo der Spaß anfängt, fangen die Probleme an. Dass es auch auf Youtube Videos gibt, die selbst Erwachsenen Albträume machen können, dass man im Internet ganz leicht auch mit Dingen (und Leuten) zu tun bekommen kann, von denen man sich besser fernhält, dass manchmal auch Kinder und Jugendliche bei Facebook oder sonstwo von anderen unerträglich bloßgestellt werden, weiß hoffentlich jedes Kind. Das ist die eine Sache.

          Bei der anderen Sache geht es um die Daten, die von uns ins Internet kommen - weil wir sie selbst veröffentlichen, weil andere sie veröffentlichen oder weil wir jedesmal, wenn wir im Internet unterwegs sind, Spuren hinterlassen. Auch wer als Neunjähriger kein Problem damit hat, dass er in Halloween-Verkleidung im Internet zu sehen ist, kann fünf Jahre später blöd finden, dass seine Freunde dieses Bild noch finden. Wer mit siebzehn ein ausgelassenes Partyfoto echt cool findet, kann sich zwei Jahre später wünschen, die Firma, bei der er sich auf eine Lehrstelle bewirbt, würde das Bild nicht unter seinem Namen im Internet sehen. Das ist ja klar.

          Kompliziert wird es bei den unsichtbaren Datenspuren, die jeder hinterlässt, der im Internet unterwegs ist. Google, Youtube, Facebook - alle Unternehmen, die ihre Angebote kostenlos anbieten, müssen irgendwie ihr Geld verdienen. Und sie verdienen gar nicht schlecht: indem sie unsere unsichtbaren Datenspuren verkaufen. Alle, die etwas verkaufen wollen, interessieren sich brennend dafür, was uns so interessiert. Unsere Versicherungen wüssten natürlich gern, ob wir uns gerade im Internet über ernsthafte Krankheiten informieren. Unsere Banken oder Vermieter, ob es so aussieht, dass wir Geldschwierigkeiten haben. Sogar die Polizei und die Geheimdienste interessieren sich dafür, ob das, was wir machen, irgendwie verdächtig wirkt. Ein Beispiel: In der Nähe von New York hatte die Polizei letztes Jahr einmal bei ganz normalen Leuten geklingelt, bloß weil die im Internet einen Schnellkochtopf kaufen wollten. Damit kann man nämlich auch Bomben basteln.

          Was soll erlaubt sein?

          Das zeigt ganz gut, dass jeder verdächtig werden kann, auch wenn er ganz harmlos ist. Das ist nicht gerecht. Denn die meisten Sachen gehen niemanden etwas an: dass ich mir einen Kochtopf kaufe, dass ich mich für bestimmte Krankheiten interessiere oder dass ich manchmal ganz gern ein Ballerspiel spiele. Wer weiß, was ich mag, welche Freunde ich habe, wohin ich oft gehe, der kann mich kontrollieren. Wer das alles von mir speichert, kann, wenn es ihm einfällt und es nicht ausdrücklich verboten ist, meine Selbstständigkeit, meine Freiheit also, ganz schön beschneiden. Das ist das Problem. Die großen Unternehmen, die das machen, sind gerade unglaublich erfolgreich und mächtig. Sie haben täglich neue Ideen, was sie für uns, aber auch was sie mit uns tun können. Die Leute, die entscheiden müssen, ob sie das denn auch dürfen - Politiker und Richter, aber auch wir alle - kommen kaum hinterher. Dabei müssen wir gerade jetzt, in dieser Zeit, aufpassen wie die Schießhunde, dass diese Firmen (und auch die Geheimdienste) nicht übermächtig werden. Deshalb die ganze Aufregung.

          Es gibt natürlich noch einen Grund, warum Erwachsene manchmal mit dem Internet fremdeln: Sie nicht von Kleinauf damit vertraut, schon gar nicht mit einem so unkomplizierten Zugang, wie er durch Smartphones und Tablets möglich geworden ist. Das kann dazu führen, dass sie sich mit der Technik schwertun. Aber es hilft ihnen auch, dass sie sich die Frage stellen: Was passiert mit uns, wenn wir uns so auf das Internet verlassen?

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