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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum Erwachsene sich so einen Stress mit Geschenken machen

So viele Geschenke – und so viel Grübelei. Bild: Picture-Alliance

Kinder schreiben Wunschzettel, dann muss sich keiner mehr was einfallen lassen. Warum muss es bei Erwachsenen immer so viel komplizierter sein?

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          Eltern sagen oft, dass alles so kompliziert ist, wenn man erwachsen ist. Meistens meinen sie damit, dass man einen Job finden und Steuern zahlen und Wasserzähler ablesen muss – also all die Dinge, die Kinder noch nicht machen müssen. Oft meinen sie auch, dass es nervig ist, mit Leuten auskommen zu müssen, die sich blöd verhalten – aber das kennen Kinder ja auch, für blödes Verhalten gibt es schließlich kein Mindestalter. Es gibt aber eine Sache, die für Erwachsene scheinbar völlig ohne Not ein Riesenstress wird: Weihnachtsgeschenke.

          Als Kind bastelt man für jeden was, dann notiert man seine eigenen Wünsche und weiß: Alle freuen sich über meine Geschenke, und ich bekomme wahrscheinlich etwas von meiner Liste, also etwas, was ich wirklich will. Da ist dann oft nicht so wahnsinnig viel Überraschung dabei, aber es ist auch keiner enttäuscht. Erwachsene hingegen schreiben keine Wunschzettel. Manche haben immerhin eine sogenannte Wishlist auf Amazon, wo man sich etwas aussuchen kann. Die meisten sagen aber, wenn man sie fragt, so etwas wie „Ach, ich hab doch schon alles“ oder, viel schlimmer: „Überrasch mich!“

          Das erste stimmt sogar oft. Kleine Dinge können sich Erwachsene selbst kaufen, und große zu fordern, fühlt sich habgierig an. Wer sagt schon „Ein paar neue Bücher hab ich mir gerade gekauft, aber ich könnte ein neues Sofa brauchen“? Das geht nicht. Und das zweite ist zwar einerseits leicht, weil man jemanden theoretisch auch damit überraschen kann, dass man ihm ein neues Backblech schenkt. Aber wenn man das einmal ausprobiert hat, weiß man, dass die Ansage in Wahrheit lautet: „Schenk mir etwas, von dem ich noch nicht mal weiß, dass ich es mir wünsche!“

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          Ab da gerät man dann ins Grübeln. Wofür interessiert der Beschenkte sich eigentlich so? Das ist gar nicht so einfach bei Verwandten, denen man nur vier Mal im Jahr begegnet. Man fragt herum, ob jemand anderer eine Idee hat, man streift durch die Läden und findet nichts, möchte den Beschenkten aber nicht enttäuschen. Das ist ein unglaublicher Stress: Wir wissen, dass etwas von uns erwartet wird, aber wir wissen nicht was. Manchmal kaufen wir dann etwas, was unverhältnismäßig teuer ist, weil wir denken, na ja, selbst wenn es ihm nicht gefällt, sieht er wenigstens, dass ich Geld für ihn ausgegeben habe. Und das ist schrecklich, denn dieser Gedanke ist exakt das Gegenteil von dem, was Weihnachten ausmachen soll.

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          Denn eigentlich ist der ganze Geschenkestress eine Chance, den anderen besser kennenzulernen. Man sollte nicht fragen, was der andere sich wünscht. Man sollte fragen: „Hast du irgendwelche neuen Hobbys? Welche Bücher und Filme haben dir denn zuletzt gut gefallen? Gehst du eigentlich immer noch so gern ins Theater wie früher? Hast du deine neue Wohnung schon fertig eingerichtet?“ In jeder dieser Antworten kann eine Geschenkidee stecken. Deshalb bekommen Kinder übrigens von ihren Eltern manchmal wahnsinnig coole Geschenke, die gar nicht auf dem Wunschzettel standen und auf die die Kinder selbst gar nicht gekommen wären: Weil Eltern ihre Kinder sehr, sehr gut kennen.

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