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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Was bei Erstkommunion und Konfirmation gefeiert wird

  • -Aktualisiert am

Wichtiger Gottesdienst: Empfang des Sakraments der heiligen Kommunion. Bild: dpa

Familienfest und Glaubensfest: Fast jedes Kind kommt in diesen Wochen mit Erstkommunion, Konfirmation oder Jugendweihe in Berührung – direkt, im Verwandten- oder Freundeskreis. Was wird da gefeiert?

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          In diesen Tagen wehen sonntags vor vielen Kirchen weiß-gelbe Fahnen. Gerade war der „Weiße Sonntag“, viele katholische Kinder feiern jetzt ihre Erstkommunion. Aber was ist das eigentlich genau? Und wie unterscheidet sich die Kommunion von der Konfirmation, von der Firmung und von der Jugendweihe? Wer feiert welches dieser Feste und warum?

          Alle diese Feste haben etwas mit dem Übergang von der Kindheit in das Erwachsenenleben zu tun. Natürlich behandelt die Kirche Kinder nach der Erstkommunion noch nicht genauso wie Erwachsene. Aber sie bekommen zum ersten Mal die Hostie, ein kleines Stück Brot. Im Glauben der Katholiken ist das der Leib Christi. Zuvor erinnern sich alle in der Kirche gemeinsam an das letzte Abendessen, das Jesus mit seinen Jüngern zu sich nahm. In derselben Nacht wurde er gefangen genommen, am Tag darauf ermordet. Diese Erinnerung stiftet Gemeinschaft. Die Erstkommunion findet meist in der dritten Klasse statt. Dann sind die Kinder alt genug, um zu verstehen, dass auch sie zu den Freunden von Jesus gehören. Eltern oder andere Erwachsene bereiten die Kinder in Gruppen ein halbes Jahr lang auf die Kommunion vor.

          Bild: Johannes Thielen

          Die meisten Kinder sind bereits als Babys getauft worden – das war der erste Schritt in die Gemeinschaft der Gläubigen. Mit der Firmung im Alter von 14 oder 15 Jahren werden katholische Jugendliche dann vollwertige Gemeindemitglieder. Dabei legt ihnen ein Bischof die Hand auf. Im Glauben der Katholiken empfangen sie damit den Heiligen Geist. Diese Geste soll ihren Glauben stärken. Und zwar in einem Alter, in der der Kinderglaube verflogen ist und sich ein „Erwachsenenglaube“ erst entwickeln muss. Viele Jugendliche glauben in diesem Alter gar nichts mehr und stellen alles in Frage, was mit der Kirche  zu tun hat. Aber manche erleben in der Firmvorbereitung eine tiefe Form von Gemeinschaft, die sie dann nicht mehr missen möchten.

          Evangelische Jugendliche feiern die Konfirmation. Sie sind zwischen zwölf und vierzehn Jahre alt, wenn sie zum ersten Mal am Abendmahl teilnehmen dürfen. Vorher bekennen sie in  einem feierlichen Gottesdienst  ihren Glauben und erklären, dass sie zur Gemeinschaft der Gläubigen gehören wollen. Auch ihnen legt der Pfarrer die Hand auf. Die Konfirmation der Protestanten ist also gewissermaßen Kommunion und Firmung in einem. Sie bedeutet das eigene „Ja“ zum Glauben, das bei der Taufe Eltern und Paten stellvertretend ausgesprochen  haben.

          Auf die Konfirmation bereiten sich die Jugendlichen ernsthaft vor. Das dauert bis zu zwei Jahre. In dieser Zeit müssen manche mit Stempeln in einem Heftchen nachweisen, dass sie regelmäßig sonntags zur Kirche gehen. Reiche Geschenke zum Fest der Konfirmation empfinden viele dann als angemessene „Belohnung“ für ihre Mühen. Manche katholischen Jugendlichen sind dann neidisch auf evangelische Freunde, weil es zur Firmung fast nichts geschenkt gibt.

          Weihe ohne Segen

          Ursprünglich aus der sozialistischen Arbeiterbewegung kommt die Tradition der „Jugendweihe“. In der DDR wurde sie quasi verpflichtend für alle Jugendlichen. Sie sollte die kirchlichen Riten verdrängen. Denn die politische Führung der DDR wollte den Einfluss der Kirchen beschneiden. Die Jugendweihe wurde im Alter von 14 Jahren oder am Ende der Mittelschule gefeiert. Wer nicht teilnahm, hatte Schwierigkeiten, zum Abitur zugelassen zu werden oder eine gute Lehrstelle zu finden. Die Jugendlichen bekannten bei der „Weihe“ ihre Treue zum sozialistischen Staat und gelobten Freundschaft mit der Sowjetunion und den Ländern des damaligen Ostblocks.

          Nach dem Fall der Mauer und der Wiedervereinigung Deutschlands führten atheistische Gruppen, also Menschen, die an keinen Gott glauben, die Tradition der „Jugendweihe“ fort. Denn auch nichtchristliche Familien wünschten sich ein Fest für die Jugendlichen, das den Übergang ins Erwachsenenleben markiert. Noch 25 Jahre nach dem Ende der DDR gehen in den östlichen Bundesländern 40 Prozent der Jugendlichen zur Jugendweihe. Das sind dort mehr, als zur Firmung und Konfirmation gehen.

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