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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum Spargel-Urin seltsam riecht und was Enzyme sind

Spargel, dazu zum Beispiel Kartoffeln und Sauce Hollandaise – für viele ein Gaumenschmaus im Frühjahr Bild: Picture-Alliance

Dass es seltsam riecht, wenn man nach dem Spargelessen aufs Klo muss, wissen alle Feinschmecker. Auch die einfachste Erklärung ist vielen bekannt. Sie hinterlässt allerdings ein Fragezeichen.

          Die Kolumne „Wie erkläre ich's meinem Kind?“ gibt es auch zum Hören – und zum Abonnieren, als Podcast. Auch diese Folge.

          Jedes Frühjahr fällt es wieder allen auf, die Spargel essen, und jedes Mal bleibt ein kleines Fragezeichen, auch wenn die Frage recht schnell beantwortet werden kann und schon oft beantwortet worden ist. Welche Frage? Wieso es eigentlich so anders riecht als sonst, wenn wir Spargel gegessen haben und dann aufs Klo müssen.

          Die einfache Antwort: Spargel enthält eine spezielle Säure, die sogar seinen lateinischen Namen trägt – die Asparagusinsäure. Bei der Verdauung wird diese Säure in schwefelhaltige Stoffe mit schier unaussprechlichen Namen zersetzt. Schwefel riecht auffällig, und diese Stoffe tun es auch. Über die Nieren kommen sie in den Urin, das dauert gerade mal eine Viertelstunde, und deshalb riecht man es ziemlich schnell.

          Die Einschränkung: Es gibt zwei Gruppen von Leuten, denen es anders geht. Die einen riechen es einfach nicht, weil sie diesen speziellen Geruch nicht riechen können. Weil sich bei ihnen ein für diese spezielle Geruchswahrnehmung nötiges Gen verändert hat. Und die anderen könnten es zwar riechen, aber bei ihrer Verdauung findet dieser spezielle Zersetzungsprozess von Asparagusinsäure in S-Methyl-thioacrylat und andere Stoffe einfach nicht statt. Weil auch für diesen besonderen kleinen Verdauungsschritt ein besonderer Stoff nötig ist, den nicht alle Menschen selbst in ihren Zellen produzieren können: ein spezielles Enzym.

          Bis dahin ist es rasch erklärt und schnell begriffen. Aber eben nur bis zu einem kleinen Fragezeichen, das übrigbleibt, noch nicht bis zum großen Aha. Die Frage, die als nächstes kommt, hat es nämlich in sich: Was in aller Welt ist denn ein Enzym? Enzyme sind Stoffe, die Lebewesen bilden können: Eiweißmoleküle, die chemische Reaktionen auslösen, beschleunigen und lenken. Eiweiß? Moleküle?

          Moleküle könnte man als die drittkleinste Einheit von Bestandteilen unserer Welt bezeichnen*. Die kleinsten sind die Elementarteilchen – Elektronen, Quarks und Neutrinos. Sie bilden die zweitkleinsten Bestandteile, darunter Atome. Und aus den Atomen bilden sich wiederum Moleküle. Wasser ist ein sehr einfaches Molekül, Luft ist ein Gemisch aus vielen Molekülen, und auch wir Menschen, könnte man sagen, bestehen aus einem Gemisch aus Molekülen.

          Der größte Teil von ihnen, wenn man mal das Wasser weglässt, ist Eiweiß oder, wissenschaftlich gesprochen, Protein. Das kommt nicht nur in Eiern vor, sondern in vielen tierischen und sogar pflanzlichen Lebensmitteln. Sonst hätten Vegetarier ein Problem, Proteine sind nämlich eine der drei großen Nährstoffgruppen, die der Mensch unbedingt braucht. Wir brauchen die Proteine, die wir zu uns nehmen, um für uns lebenswichtige Proteine zu erzeugen. Manche Proteine bestimmen den Aufbau unserer Körperzellen, unserer Knochen, Muskeln und Organe. Andere schützen uns vor Infektionen (Antikörper) oder steuern Vorgänge im Körper (Hormone). Enzyme wiederum nennt man Proteine, die für chemische Reaktionen im Körper zuständig sind, dafür, dass Energie entsteht und Stoffe in andere Stoffe umgewandelt werden, die der Körper braucht oder wieder ausscheiden kann.

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          Es gibt unglaublich viele Enzyme für unglaublich viele Funktionen. Manche fehlen manchen Menschen, und das kann richtig doof sein. Es kann zu Bauchweh und schlimmen Krankheiten führen.  Bei Leuten, denen Lactase fehlt, ist das zum Beispiel so, das Enzym, das im Darm Milchzucker aufspaltet, einen wichtigen Bestandteil von Milch und vielen Milchprodukten. Ohne Lactase kann der Körper die Bestandteile des Milchzuckers nicht aufnehmen, und das führt zu Verdauungsproblemen. Bei der Asparagusinsäure hingegen ist das kein Problem: Wenn uns das Enzym zur Zersetzung fehlt, wird es eben nicht zersetzt. Und riecht einfach nicht so komisch.

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          Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

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