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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum sich die Regierungschefs beim G-7-Gipfel treffen

Vor einem Jahr haben sie sich in Brüssel zusammengesetzt: Bundeskanzlerin Merkel mit den anderen Regierungschefs der G-7 sowie Europaratspräsident Van Rompuy und EU-Kommissionspäsident Barroso. Bild: Picture-Alliance

Müssen sie dafür wirklich so lange im Flugzeug sitzen? Alle haben Angst, dass ihnen etwas passiert. Und was das kostet! Warum sich die G-7-Regierungschefs trotzdem lieber treffen statt zu skypen.

          2 Min.

          In den Nachrichten ist in diesen Tagen immer wieder vom G-7-Gipfel die Rede: Am Sonntag und Montag treffen sich in einem Schloss in Bayern die Regierungschefs von sieben wichtigen Ländern auf der Welt – Frau Merkel als Chefin von Deutschland und die Chefs von Frankreich, Italien, Japan, Kanada, Großbritannien und Amerika. Die treffen sich da, um Probleme zu lösen und Sachen zu beschließen. Dazu reisen sie aus der ganzen Welt an. Der Regierungschef aus Japan fliegt zwölf Stunden bis nach München, der aus Kanada neun und Barack Obama aus den Vereinigten Staaten von Amerika immerhin noch achteinhalb. Das klingt ein bisschen verrückt, oder? Schließlich sind sie ja alle schrecklich wichtig und haben sehr wenig Zeit. Warum treffen die sich da überhaupt? Warum telefonieren die nicht einfach miteinander oder skypen? Miteinander reden könnten sie ja auch so, und auf Skype könnten sie sich dabei sogar angucken. Und billiger wäre es auch.

          Katrin Hummel
          (mel.), Leben

          Über die Frage, ob man sich besser persönlich treffen sollte, um Dinge zu entscheiden und Probleme zu lösen, haben sich schon viele Leute Gedanken gemacht. Was für die Regierungschefs gilt, gilt nämlich auch für viele andere Leute, bei deren Arbeit viel besprochen werden muss. Fast jeder kennt Leute, die von zu Hause aus arbeiten, zumindest manchmal. Das nennt man Home-Office. An anderen Tagen gehen sie meistens ins Büro. Es ist gut erforscht, ob das mit dem Home-Office funktioniert, oder ob es besser ist, wenn man sich bei der Arbeit persönlich trifft – so wie die sieben Regierungschefs beim G-7 Gipfel in Bayern.

          Bild: Johannes Thielen

          Die Antwort lautet: Manchmal Home-Office, das ist gut. Aber immer Home-Office und nie ins Büro gehen, das ist schlecht. Warum? Weil das persönliche Reden mit Kollegen wichtig ist. Wenn man telefoniert oder skypt, dann bespricht man meist nur die Sachen, die gerade entschieden werden müssen. Man spricht nicht über Dinge, die nichts mit der Arbeit zu tun haben, und man nimmt sich auch nicht so viel Zeit. Dann kommt man oft nicht auf so gute Ideen, wie wenn man persönlich miteinander sprechen würde. Außerdem: Selbst auf Skype sieht man nicht immer alle anderen Gesprächsteilnehmer, wenn man redet, und kriegt also nicht mit, wie die so gucken, wenn man was vorschlägt. Das heißt, man kann nicht so gut auf das reagieren, was die anderen denken. Und man wird auch nicht so sehr als Teil eines Teams gesehen, wenn man alleine zu Hause sitzt.

          Wie wäre es, dem Unterricht in der Klasse immer nur von zu Hause aus auf Skype zu folgen? Man hätte keine Freunde in der Klasse, selbst als guter Schüler oder gute Schülerin. Man würde nicht zu Geburtstagen eingeladen, man würde nicht mitkriegen, was die Mitschüler in ihrer Freizeit machen und wofür sie sich interessieren. Man wäre ein Außenseiter, und wenn es dann mal darum ginge, sich einen Partner für ein Referat zu suchen, würde man sicher als letztes gewählt.

          Ein wichtiges Zeichen

          So ist das im Berufsleben auch. Man muss sich manchmal persönlich treffen, um Mitglied in Team zu sein. Nur dann kann man auf Dauer gute Arbeit abliefern und gute Entscheidungen treffen. Wir Menschen sind eben keine Maschinen, die nur mit Fakten gefüttert werden müssen. Wir müssen uns gegenüberstehen können und miteinander quatschen und lachen und auch mal rumalbern können. In Berufen, in denen die Mitarbeiter auch Phantasie und gute Ideen haben müssen, ist das ganz besonders wichtig. Die besten Ideen hat man nämlich meistens, wenn man gar nicht damit rechnet. Für die Arbeit kann das bedeuten: Beim Mittagessen, oder wenn man einen Kollegen auf dem Flur trifft und über das redet, was man am Wochenende erlebt hat.

          Und das ist bei den Regierungschefs eben genauso. Die wissen, dass sie bessere Entscheidungen treffen, wenn sie sich zusammen an einen Tisch setzen. Außerdem treten sie so auch nach außen als starkes Team auf. Das merkt zur Zeit vor allem einer, der nicht eingeladen ist: der russische Präsident Putin. Bis vorletztes Jahr war er auch immer bei diesem Treffen dabei, es hieß bis dahin G-8. Aber weil die sieben anderen Regierungschefs ihm vorwerfen, seine Truppen zu Unrecht in die Ukraine geschickt zu haben, haben sie ihn dieses und letztes Jahr nicht mehr eingeladen. Darüber ärgert Putin sich. Er kann jetzt nicht mehr so gut mitreden, wenn die anderen was besprechen. Es ist für ihn, als müsste er den Unterricht von zu Hause aus im Fernsehen verfolgen.

          HD-Kamera : Mit Adleraugen zum G7-Schloss Elmau

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