https://www.faz.net/-i35-913h6

Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum Politiker ihre Versprechen nicht halten

Realpolitischer Zwang? Oder Kaltschnäuzigkeit?

Das ist die eine Seite – die der „realpolitischen“ Zwänge. Es gibt eben aber auch noch andere Seiten – Politiker, die ihre Wahlversprechen auch ohne Not und Kompromisssuche fallenlassen, weil sie nach der Wahl für eine Weile nicht mehr so dringend auf die Wählerstimmen setzen müssen und deshalb ihre Meinung ohne große Rücksicht auf Verluste ändern. Oder Politiker, die nach langem Nachdenken vielleicht tatsächlich zu einem anderen Schluss kommen als noch vor kurzer Zeit, weil sich die Umstände plötzlich dramatisch geändert haben.

F.A.Z. Newsletter Familie

Sonntags um 10.00 Uhr

ANMELDEN

Angela Merkel ist das nach der Atomkatastrophe von Fukushima nach eigener Aussage so gegangen, als sie das Ende der Atomkraft in Deutschland beschloss, obwohl sie vorher jahrelang eine Verlängerung der Laufzeiten der Reaktoren befürwortet hatte. War das ein taktisches Manöver oder ein aufrichtig empfundener Richtungswechsel? Das können nur die Politiker selbst beantworten. Und ob Kalkül oder nicht: Es sind gerade drastische Schwenks wie dieser, die dem Urteil mancher Wähler, Politiker seien kaum mehr als ein Fähnchen im Wind, immer wieder neue Nahrung gibt.

Warum Trump seine Versprechen nicht halten kann

Dabei ist der wichtigste Faktor bei Wahlversprechen und ihrer Einhaltung noch ein anderer: der Wähler. Die Politiker wissen sehr genau um die Vergesslichkeit vieler Menschen, die sich nach einer Wahl lautstark über die „Unehrenhaftigkeit“ ihrer Politiker empören. Aber schon nach kurzer Zeit haben sie das oft schon wieder vergessen und geben derselben Partei bei der nächsten Wahl trotzdem wieder ihre Stimme.

Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen
Noch mehr Antworten auf neugierige Kinderfragen

Eine illustrierte Auswahl von Beiträgen unserer Kolumne „Wie erkläre ich’s meinem Kind?“ ist bei Reclam erschienen.

Zur Verlagsseite

Die Politiker brechen ihre Wahlversprechen eben nur so viel, wie die Wähler es ihnen durchgehen lassen. Und das ist manchmal sogar ziemlich gut so, wie man an Donald Trump sieht, dem amerikanischen Präsidenten. Er wurde von seinen Anhängern gewählt, weil er im Wahlkampf zum Teil ziemlich seltsame Versprechen gegeben hat: den Bau einer Tausende Kilometer langen Mauer an der Grenze zu Mexiko zum Beispiel, um die illegale Einwanderung zu bekämpfen. Auch nach seiner Wahl hat Trump vieles versprochen – etwa einen zeitweiligen Einwanderungsstopp für Bürger aus sieben überwiegend muslimischen Ländern.

Doch bislang hat er noch keines dieser Versprechen eingelöst. Denn die beiden Kammern des amerikanischen Kongresses, zwei Versammlungen von Politikern, die den Entscheidungen des Präsidenten zustimmen müssen, bevor sie verwirklicht werden. Diese Politiker sind mehrheitlich mit der Politik von Trump nicht einverstanden und blockieren bislang seine Vorhaben – zum Glück, wie viele Amerikaner finden, die Trump lieber heute als morgen los wären.

Manchmal kann es also auch ein Segen sein, wenn Politiker ihre Versprechen nicht einhalten.

Weitere Themen

Skulpturen auf Bleistiftspitzen Video-Seite öffnen

Kunstwerke in XXS : Skulpturen auf Bleistiftspitzen

Der bosnische Künstler und Bildhauer Jasenko Đorđević schafft es, unglaublich winzige und dennoch detailreiche Skulpturen aus Bleistiftminen zu erschaffen. Seine Miniaturkunst zeigt er in Ausstellungen in ganz Europa.

Topmeldungen

Aus bei Australian Open : Das große Rätsel Alexander Zverev

Er wollte die Australian Open gewinnen und damit im besten Fall die Nummer eins der Tennis-Welt werden. Doch ein völlig ratloser Alexander Zverev verliert im Achtelfinale, in dem alles schiefläuft.