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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum Nobelpreise so ein großes Ding sind

Ein winziges Nano-Auto, das elektrisch angetrieben wird: Dafür gab es den Chemie-Nobelpreis 2016. Bild: dpa

Es gibt höher dotierte Auszeichnungen für Wissenschaftler – aber keiner verleiht dem Preisträger so viel Ruhm wie ein Nobelpreis. Warum ist das so? Und warum wird Stephen Hawking ihn nie bekommen?

          Wer einen Nobelpreis bekommt, steht sofort in der Zeitung, kommt ins Fernsehen, wird überallhin eingeladen und zu allem Möglichen um seine Meinung gefragt – auch zu Dingen, von denen er oder sie auch nicht mehr Ahnung hat als die meisten von uns. Als Nobelpreisträger ist man eben ein Star und darf, wenn man das möchte, ins Rampenlicht. Und um seine berufliche Zukunft muss man sich dann auch nie wieder Sorgen machen. Es gibt keine Universität, die sich nicht einen Nobelpreisträger unter ihren Professoren wünscht.

          Ulf von Rauchhaupt

          verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Da erscheint das Geld fast schon nebensächlich. Dabei ist auch das nicht schlecht. Wer einen Nobelpreis alleine bekommt – und ihn nicht mit bis zu zwei anderen teilen muss - streicht gegenwärtig mehr als 800.000 Euro ein, zuzüglich einer goldenen Plakette mit einem aktuellen Materialwert von etwa 4700 Euro. Und in manchen Ländern, darunter auch in Deutschland, müssen die glücklichen Gewinner darauf noch nicht einmal Steuern zahlen.

          Das Preisgeld kommt aus dem Vermögen des schwedischen Chemikers und Unternehmers Alfred Nobel. Der hatte Ende des 19. Jahrhunderts nicht zuletzt an von ihm mitentwickelten neuartigen Sprengstoffen wie Dynamit sehr gut verdient. Bis auf eine Ausnahme waren die aber nicht für Kriegszwecke geeignet gewesen sondern eher für Anwendungen wie den Bergbau. Daher ist nicht ganz klar, ob sich der Nobelpreis wirklich einem schlechten Gewissen seine Stifters verdankt und nicht eher dem Bemühen, der Nachwelt in guter Erinnerung zu bleiben.

          Jedenfalls hatte Alfred Nobel zwölf Monate vor seinem Tod im Dezember 1896 verfügt, jedes Jahr sollen die Zinsen aus seinem hinterlassenen Vermögen in fünf Teile geteilt und damit Leistungen in Medizin, Chemie, Physik, Literatur sowie Bemühungen um den Frieden in der Welt ausgezeichnet werden. Erst 1968 stiftete die Schwedische Staatsbank noch einen sechsten Preis für Wirtschaftswissenschaften. Der heißt eigentlich „Alfred-Nobel-Gedächtnispreis“ und wird nach dem selben Verfahren vergeben, wie die fünf echten Nobelpreise: frühere Preisträger und ausgewählte Experten schlagen bis zum 1. Februar eines Jahres Leistungen zur Auszeichnungen vor. Daraus wählen schwedische Experten, im Falle der Physik und Chemie zum Beispiel die Schwedische Akademie der Wissenschaften, dann die Preisträger aus.

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          Alfred Nobel hatte das selbst so festgelegt. Dabei hatte er bewusst eine Auszeichnung im Sinn, die Forscher jeglicher Nationalität und Herkunft bekommen können. Das war zu seinen Lebzeiten etwas unerhört Neues gewesen, denn damals war man in den Nationalstaaten noch sehr darauf aus, vor allem den Ruhm der Wissenschaftler im jeweils eigenen Land zu mehren. Diese frühe Internationalität ist wahrscheinlich ein Grund dafür, warum die Nobelpreise schnell enorm angesehen waren – und bis heute so bedeutend sind. Wer damit geehrt wird, hat sich in einem fairen Vergleich unter Fachkollegen auf der ganzen Welt hervorgetan.

          Heute sind viele Wissenschafts-, Literatur- und Friedenspreise international und sie ehren auch Leistungen in Gebieten, die Nobel seinerzeit in seinem Testament nicht bedacht hatte. Die angesehensten und höchstdotierten von ihnen werden dann gerne mit dem Nobelpreis auf eine Stufe gestellt. Am berühmtesten ist sicher der „Nobelpreis“ für Mathematik – die alle vier Jahre vergebene Fields-Medaille. Und die Schwedische Akademie der Wissenschaften vergibt eigens für nicht-nobelpreisfähige Fächer seit 1982 den Crafoord-Preis, mit dem dann beispielsweise auch Geologen zu nobelähnlichen Würden gelangen können. Durch Nobels Stiftung benachteiligt sind auch wichtige theoretische Erkenntnisse, die sich gleichwohl nicht – oder noch nicht - in der Natur beobachten lassen. Der Physiker Peter Higgs bekam seinen Preis daher erst, als das zugehörige Teilchen endlich gefunden war. Und der berühmte Gravitationstheoretiker Stephen Hawking wird aus genau diesem Grund nie Nobelpreisträger werden. Die nach ihm benannte Strahlung Schwarzer Löcher ist viel zu schwach, um messbar zu sein. 

          Alfred Nobels über hundert Jahre alte Vorstellungen von einer preiswürdigen Leistung und die Realität der modernen Wissenschaft liegen heute auch in anderen Punkten ein wenig auseinander. Trotzdem wird sich das Nobelkomitee hüten, die Kriterien fundamental zu ändern – denn das könnte dem gewachsene Renommee des Preises und der damit verbundenen ungeheuren öffentlichen Wirkung schaden. In einem allerdings wird Nobels letzter Willen schon lange konsequent missachtet: Er hatte sich wortwörtlich gewünscht, seine Preise möge an jene gehen, „die im vergangenen Jahr der Menschheit den größten Nutzen erbracht haben.“ Doch so schnell zeigt sich in der Wissenschaft gewöhnlich kein Nutzen – in der Literatur ebenfalls nicht und auch Friedensbemühungen brauchen gewöhnlich ihre Zeit. Bei Wissenschaftlern ist es zudem sehr oft so, dass sie gar nicht irgendeines messbaren Nutzens wegen forschen und etwas Ähnliches lässt sich sicher auch von den Dichtern sagen. Daher setzt sich das Nobelkomitee über diesen Abschnitt des Testaments schon immer nobel hinweg.

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