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Wie erkläre ich‘s meinem Kind? : Warum manche Menschen keine Flüchtlinge aufnehmen wollen

Dieses Boot malte ein Kind in einer Berliner Flüchtlingsunterkunft. Über die Segel spannen sich die deutsche und die syrische Flagge. Bild: Picture-Alliance

Zum Glück kämpfen nur ganz wenige mit Gewalt gegen Flüchtlingsunterkünfte. Aber viele skandieren: Das Boot ist voll. Doch auch wenn die Kosten steigen: Unser Wohlstand ist nicht in Gefahr.

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          Es sind Bilder, die man in Deutschland zum Glück lange nicht gesehen hat – plötzlich sind sie aber wieder da: Wütende Menschen demonstrieren vor Häusern, in denen Flüchtlinge Zuflucht gefunden haben. Mehrmals sind schon Wohnungen in Flammen aufgegangen, in die Flüchtlinge einziehen sollten. Einmal wurden sogar Menschen, die den Flüchtlingen helfen wollten, von Jugendlichen mit Steinen beworfen. „Das Boot ist voll“, finden diese Leute.

          Johannes Pennekamp

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaftsberichterstattung, zuständig für „Die Lounge“.

          Was sie damit meinen? Diese Leute sind der Ansicht, dass es schon genug Flüchtlinge in Deutschland gibt. Das Boot soll Deutschland symbolisieren, es kann angeblich sinken, wenn zu viele Menschen an Bord sind. Die Flüchtlingsgegner wollen lieber, dass die von Kriegen oder Verfolgung bedrohten Menschen in ihrer Heimat bleiben oder sich anderswo Hilfe suchen. Nicht jeder, der sagt, das Boot sei voll, ist gleich ein Gewalttäter, der Steine wirft oder Wohnungen anzündet. Aber der Satz ist auch nicht harmlos. Rechte Parteien wie die NPD oder die Republikaner haben ihn in der Vergangenheit auf ihre Wahlplakate gedruckt. Und wer ihn ausspricht, sitzt mit diesen Rechten zumindest in einem Boot.

          Uns geht es hier zwar viel besser als den Menschen in den Krisenländern, aber natürlich ist es für uns auch eine Herausforderung, die Flüchtlinge bei uns aufzunehmen. Es müssen leerstehende Wohnungen gefunden werden, und es muss überprüft werden, ob die Menschen in ihrer Heimat wirklich in Gefahr waren. Die Menschen müssen betreut und mit den nötigsten Dingen versorgt werden. Ihnen muss die Möglichkeit geboten werden, die fremde Sprache zu lernen und sich zu integrieren. Das alles kostet Geld, das die Steuerzahler aufbringen müssen. Bundesländer und Kommunen müssen in diesem Jahr 5 bis 6 Milliarden Euro bezahlen, weil viel mehr Flüchtlinge kommen als noch vor einem Jahr. Manche Länder und Kommunen warnen, dass das für sie kaum noch zu schaffen sei. Die Menschen, die nicht noch mehr Flüchtlinge bei uns haben wollen, finden das zu teuer. Sie fürchten, dass ihnen ein Stück von ihrem Wohlstand verloren geht, wenn wir uns um die Flüchtlinge kümmern. Viele andere Menschen finden das beschämend, denn unser Wohlstand bleibt sehr groß – gerade im Vergleich zu den hilfsbedürftigen Flüchtlingen.

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