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Wie erklär ich’s meinem Kind? : Warum Frauenfußball immer besser wird

Die niederländische Spielerin Desiree van Lunteren beim Match gegen China Bild: AFP

In Kanada läuft derzeit die Frauenfußball-WM – und bekommt nicht halb so viel Aufmerksamkeit wie die der Männer. Dabei sind Tempo und Athletik beim Fußballspielen gar nicht entscheidend.

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          Manche Leute behaupten, Frauen könnten nicht Fußball spielen. Besonders häufig hört man das, wenn wieder mal eine Frauenfußball-Weltmeisterschaft stattfindet, so wie jetzt gerade in Kanada. Die gleichen Leute sagen aber nicht, dass Frauen keine 100 Meter laufen oder nicht Tennis spielen können. Das ist komisch. Denn eigentlich gilt für all diese Sportarten das gleiche: Männer sind schneller und athletischer als Frauen. Das liegt vor allem daran, dass  sie mehr Muskelmasse und ein größeres Herz haben, das mit jedem Schlag  mehr Blut durch den Körper pumpt.  Während des Sports bekommen die Muskelzellen dadurch mehr Nährstoffe und Sauerstoff und können länger und besser durchhalten.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Aber natürlich braucht man beim Fußball nicht nur Muskeln, sondern auch Köpfchen. Denn man muss sich ja überlegen, wie man  den Ball am besten an den gegnerischen Spielern  vorbei bis ins Tor bekommt. Zum Beispiel muss man dafür die Schwächen der Gegner kennen und ausnutzen. So was nennt man Taktik, und das können Frauen natürlich genauso gut wie Männer. Außerdem muss man gut mit dem Ball umgehen können. Das können wiederum die am besten, die ganz viel üben und schon geübt haben, als sie noch klein waren.

          Fußball und richtige Männer

          Manchmal ist es aber so, dass Mädchen weniger Chancen haben zu üben als Jungen. Zum Beispiel, wenn ihr Verein sie nicht so häufig auf den Platz lässt oder sich weniger um ihre Förderung kümmert. Und später, wenn sie Frauen sind und  sogar in der Bundesliga spielen, können sie trotzdem nicht so viel trainieren wie die Männer, weil viele von ihnen  so wenig verdienen, dass sie noch einen anderen Beruf brauchen. Das hat sich in den letzten Jahren ein bisschen verändert, die besten Frauen bekommen jetzt mehr Geld und werden auch von ausländischen Vereinen eingekauft. Seitdem hat sich  die Qualität des Frauenfußballs sehr verbessert.

          Warum aber reden dann trotzdem so viele Leute schlecht über den Frauenfußball, nicht aber über Frauen, die eine andere Sportart ausüben? Das liegt daran, dass diese Leute  ihren Männerfußball so sehr lieben, dass er für sie nicht  nur ein Spiel ist, sondern viel damit zu tun hat, was es bedeutet, ein richtiger Mann zu sein.  Wenn aber auch Frauen Fußball spielen, funktioniert das nicht mehr so gut.

          So richtig kann man das nur verstehen, wenn man weiß, wie alles angefangen hat. Vor sechzig Jahren nämlich hat der Deutsche Fußballbund (DFB) den Vereinen verboten Frauenfußball anzubieten. Der Fußball, haben die gesagt, sei eine Kampfsportart, die „der Natur des Weibes im Wesentlichen fremd ist“. Manche Frauen haben gerade deshalb Fußball gespielt, weil sie sich nichts verbieten lassen wollten. Aus Trotz also.  Und da waren die anderen Leute dann sauer. Vor sechsundzwanzig Jahren hat die Frauen-Nationalmannschaft zum ersten Mal die Europameisterschaft gewonnen, und der DFB hat jeder Spielerin zur Belohnung ein Geschirr-Service geschenkt, weil er sich nicht vorstellen konnte, dass Frauen sich für etwas anderes interessieren als kochen. Erst danach wurde überhaupt eine Bundesliga gegründet. Und weil die noch so jung ist, ist es ja völlig normal, dass noch nicht alles perfekt läuft.

          Ein anderer Grund dafür, dass viele Leute  den Frauenfußball langweilig finden, ist, dass manche von den Spielerinnen nicht so aussehen, wie sich diese Leute das wünschen. Deshalb sind ein paar Fußballmanager vor ein paar  Jahren auf die komische Idee gekommen, die Frauen zum Friseur zu schicken und ihnen vorzuschlagen, Lippenstift aufzutragen. Aber das war natürlich Quatsch. Zum Glück will die deutsche Nationalmannschaft von so was jetzt nichts mehr wissen – und spielt einfach nur guten Fußball.

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