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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Was es mit der Sommersonnenwende auf sich hat

Im Schein der Mitternachtssonne: Mittsommer am Nordkap in Norwegen Bild: Picture-Alliance

Am Sonntag ist Mittsommer. In alten Zeiten war es ein großes Fest, vielerorts wird es auch heute noch gefeiert. Und im Norden ist es ein einmaliges Naturschauspiel. Wie kommt es zustande?

          Am Sonntag ist Mittsommertag. Er markiert das offizielle Ende des Frühlings und den Beginn des Sommers oder, anders gesehen, die Mitte des Sommerhalbjahres. In einigen Ländern wird an den Tagen um oder kurz nach diesen Termin ordentlich gefeiert. Besonders hoch her geht es dabei in Schweden, aber auch die Dänen und Norweger, Esten und Finnen sind in dieser Zeit in Partystimmung. Nicht zufällig sind das alles Länder, die hoch im Norden liegen. Denn je nördlicher man kommt, desto länger bleibt im Sommer die Sonne am Himmel – und desto kürzer bleibt sie im Winter. Der Unterschied zwischen Sommer und Winter ist dort also auffälliger als in südlicheren Breiten.

          Ulf von Rauchhaupt

          verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das liegt daran, dass die Drehachse der Erde schief zur Sonne steht, zugleich aber während ihres jährlichen Umlaufs um die Sonne immer an die selbe Stelle am Sternenhimmel zeigt (es sei denn man wartet viele Jahrhunderte, dann verschiebt sich diese Richtung der Erdachse leicht). Das Sommerhalbjahr ist auf der Nordhalbkugel die Zeit, in der der Nordpol vom Sonnenlicht erreicht werden kann. Am Mittsommertag neigt sich die Erdachse genau auf die Sonne zu. Die Tage sind dann am längsten, und mittags steht die Sonne so hoch über dem Horizont wie sonst das ganze Jahr nicht. Das muss gefeiert werden, erst recht dort, wo es zu anderen Jahreszeiten besonders kalt und dunkel ist.

          Da die Tage anschließend wieder kürzer werden, die Sonne sich (von der Erde aus gesehen) also von ihrer höchsten Mittagsposition wieder abzuwenden beginnt, spricht man auch von der Sonnenwende, genauer der Sommersonnenwende. Es gibt auch eine Wintersonnenwende, mit der die längste Nacht des Jahres überstanden ist. In früheren Zeiten, als Heizung und künstliches Licht viel schwerer zu organisieren waren als heute, war die Wintersonnenwende daher das bedeutendere Fest.

          Daran erinnert noch unser Weihnachtstermin. Heute ist die Wintersonnenwende um den 21. Dezember, im Altertum war es aufgrund der erwähnten kleinen Verschiebung der Erdachse der 25. Dezember. Er war bereits ein besonderer Tag, als die frühen Christen begannen, an diesem Datum die Geburt Jesu zu feiern, dessen wahrer Geburtstag nicht überliefert ist. Aber auch für den Tag der Sommersonnenwende fand sich in der Kirche ein Grund zum Feiern. Sie fand im Altertum am 24. Juni statt und so legte man den Gedenktag des heiligen Johannes des Täufers auf diesen Termin.

          Auch heute noch kommen Hunderte jedes Jahr zur Sommersonnenwende in Stonehenge zusammen.

          Tatsächlich sind die Sonnwendtage wohl die ältesten überlieferten Feiertage überhaupt. So fanden sich Bezüge zu den längsten und kürzesten Tagen im Jahr auf der berühmten Himmelsscheibe von Nebra, die spätestens 1600 v. Chr. in der Bronzezeit entstand. Doch schon für die Menschen der Jungsteinzeit waren die Sonnenwenden wichtig. Das kann man an Bodenspuren einiger kreisförmiger Bauwerken wie dem in Goseck in Sachsen-Anhalt sehen, das zwischen 4800 und 4600 v.Chr. errichtet wurde und bei dem zwei der drei Tore auf jene Punkte am Horizont ausgerichtet sind, an denen damals am Tag der Wintersonnenwende die Sonne auf- beziehungsweise unterhing. In dem bekannteren, aber mehr als anderthalb Jahrtausende jüngeren Stonehenge in England scheint dagegen die Sommersonnenwende die Hauptrolle gespielt zuhaben. Das hufeisenförmige Ensemble von Steintoren im Zentrum der Anlage, das etwa zur selben Zeit entstand wie die großen Pyramiden in Ägypten, wies auf den Sonnenaufgang am Mittsommertag.

          Solche Kreisanlagen waren sehr wahrscheinlich Heiligtümer aber – entgegen einer verbreiteten Meinung – sicher keine Observatorien, mit denen man damals die Sonnwendtermine bestimmte. Denn erstens ist lange nicht bei allen eine Ausrichtung auf die Sonne nachweisbar. Zweitens muss man dazu keine Kreise aus Steinen oder Palisaden errichten – es genügt, den Schatten eines senkrecht im Boden steckenden Stabes zu verfolgen: Wenn er im Sommer mittags am kürzesten ist, weil die Sonne am höchsten steht, ist  Sonnwendzeit.

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