https://www.faz.net/-i35-7ul6t

Wie erkläre ich es meinem Kind? : Warum es im Nahen Osten immer wieder Krieg gibt

  • -Aktualisiert am

Wandmalerei im nördlichen Gazastreifen Bild: dpa

Gaza, Irak, Libyen, Jemen, Syrien: Der Nahe Osten brennt mal wieder, und das vielleicht an mehr Orten gleichzeitig als je zuvor. Wie man Kindern erklären kann, worum dort so lange schon so erbittert gekämpft wird.

          Zu den vielen bewaffneten Konflikten kommt es, weil zwischen Algerien im Westen und Iran im Osten der Region die größten Gas- und Ölreserven der Welt lagern. Unter dem Wüstensand versteckt liegt der Treibstoff, der die globalisierte Wirtschaft am Laufen hält – Milliardengewinne multinationaler Konzerne hängen davon ebenso ab wie die Energieversorgung unzähliger Staaten. Zugang und Kontrolle sind seit Entdeckung der fossilen Energieträger im vergangenen Jahrhundert hart umkämpft, doch die Zeiten längst vorbei, in denen die Kolonialmächte sich die Rohstoffe nach eigenem Gutdünken unter den Nagel reißen konnten.

          Viele Akteure kämpfen inzwischen um den Zugang zum flüssigen Gold – was einer der Hauptgründe für die vielen Konflikte ist. Dazu gehört seit Neuestem auch die Terrorbande „Islamischer Staat“, die nun in aller Munde ist. Dass hundert Jahre nach Ende des Ersten Weltkriegs die damals willkürlich gezogenen Grenzen neu festgelegt werden, kann nicht mehr ausgeschlossen werden. Weil durch neue quasistaatliche Gebilde die alten Handels- und Kontrollsysteme aus den Fugen geraten, dürften die Konflikte eher noch komplexer werden – und auf Dauer unlösbar. Kein Wunder, dass auch die so genannten Nahostexperten in den Sondersendungen im Fernsehen immer wieder dieselben Fragen gestellt bekommen. Das heißt ja, dass auch sie keine schlüssigen Antworten parat haben.

          Sie kennen nur das Gesetz des Stärkeren

          Hinzu kommt, dass sich die muslimische Welt erst seit den arabischen Aufständen von 2011 wirklich vom kolonialen Erbe des 19. und 20. Jahrhunderts zu befreien beginnt. Kritisches Denken haben Religionsgelehrte lange verhindert, und über theologische Wahrheiten lässt sich eben schlecht streiten – aber ungebildete Männer umso leichter für militärische Einsätze gegen Andersgläubige gewinnen. Quer durch viele Länder verläuft außerdem der Riss zwischen Schiiten und Sunniten: Dass der Irak vor dem Zerfall steht, und auch der Libanon aus seiner Krise nicht herauskommt, hat unmittelbar damit zu tun.

          Das vielleicht größte Übel in Nahost sind jedoch die autoritären Regime, die die vorhandenen Konflikte nutzen, um sich selbst an der Macht zu halten. Die Schulen der arabischen Staaten gehören zu den schlechtesten der Welt, das machen sich die Herrschenden zunutze. Wer von der Regierung nur das Gesetz des Stärkeren gelehrt bekommt, weiß nicht, dass Kompromisse möglich sind – und nötig, um Konflikte gewaltfrei zu schlichten. Dabei wäre nichts wichtiger in einer Weltregion wie der arabischen, in der seit bald hundert Jahren kaum ein Monat vergeht, in dem nicht irgendwo gekämpft wird: Schiiten gegen Sunniten, Extremisten gegen Moderate, Palästinenser gegen Israelis, Amerikaner gegen Iraker.

          Weitere Themen

          Der Krieg ohne äußeren Feind

          Buch über Bürgerkriege : Der Krieg ohne äußeren Feind

          Der britische Historiker David Armitage schreibt über Bürgerkriege und hat auch die Gegenwart im Blick. Sein Buch versucht auf nicht einmal vierhundert Seiten globalgeschichtliche Zusammenhänge herzustellen. Zu viel gewollt.

          Topmeldungen

          Brexit-Chaos : Jetzt ist alles denkbar

          Nach der Verschiebung der Brexit-Abstimmung im Unterhaus erscheint alles denkbar: Theresa Mays Rücktritt, ihr Sturz, Neuwahlen – oder ein neu ausgehandelter Brexit-Vertrag.
          Annegret Kramp-Karrenbauer nach ihrer Wahl auf dem Parteitag

          Kramp-Karrenbauer : Wie hältst du‘s mit der Neuen?

          Was verändert die Wahl Annegret Kramp-Karrenbauers? SPD und Grüne sehen die CDU in schwieriger Lage, die FDP will Merz-Anhänger für sich gewinnen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.