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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum die Bayern immer als Letzte Sommerferien haben

Kinder mit Schwimmtier in der Nordsee: Es bleibt immer der Neid auf jene, die den Urlaub noch vor sich haben. Bild: Picture-Alliance

Wenn der ganze Spaß für die einen vorbei ist, geht er für die anderen erst los. Ist das ungerecht? Und wie kam es dazu?

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          Die großen Ferien von Moritz aus Niedersachsen haben am 23. Juni begonnen. Jasper aus Bayern hatte am 29. Juli seinen letzten Schultag. Ihre Familien trafen sich am Gardasee. Wie viel Zeit haben sie miteinander verbracht? Die Antwort lautet: vier Tage. Das Fazit dieser Textaufgabe aber ist ein anderes: Versuche nie mit Familien aus anderen Bundesländern die Ferien zu verbringen. Denn das könnte schwierig werden - jedenfalls wenn eine der Familien aus Süddeutschland kommt. Das liegt am deutschen föderalistischen Feriensystem, das einmalig in Europa ist. Es funktioniert nach dem rotierenden Prinzip: Mal fängt der eine früher an, mal der andere. Dieses System beschlossen die Kultusminister 1964 mit dem „Hamburger Abkommen“. Sie erhofften sich davon, ihren Ländern von Jahr zu Jahr einen Ausgleich zwischen günstigen und weniger günstigen Sommerferienterminen zu bieten. Zudem soll es mit diesem System weniger Staus geben, weil nicht alle gleichzeitig mit vollgepacktem Auto auf den Straßen Richtung Süden fahren.

          Anke Schipp

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Doch das gilt nur für vierzehn Bundesländer. Bayern und Baden-Württemberg sind davon ausgenommen. Ihre Ferien starten immer erst Ende Juli oder Anfang August. Und Bayern hat immer als Letztes Sommerferien. In den sechziger Jahren wurde die süddeutsche Extrawurst damit begründet, dass die Kinder in den ländlichen Gegenden mit viel Landwirtschaft im Spätsommer bei der Ernte helfen sollten. Heute wird damit argumentiert, dass beide Länder Pfingstferien haben und zwischen diesen und den Sommerferien genügend Unterrichtszeit liegen müsse.

          Die Kinder aus Niedersachsen und Bremen sind also seit Mittwoch wieder in der Schule. In Bayern und Baden-Württemberg dagegen haben die Ferien gerade erst angefangen. Natürlich haben beide Bundesländer gleich lange Ferien, sechs Wochen, da komme, was wolle. Trotzdem bleibt ein Gefühl der Ungerechtigkeit, wenn man selbst mit gepackten Koffern in der Hotelanlage oder auf dem Campingplatz steht und traurig ist, dass die Ferien zu Ende sind - während es bei den anderen gerade erst losgeht. Jeder Schüler, der nördlich der Weißwurstgrenze lebt, hat das schon mal erlebt.

          Natürlich könnte man sie damit trösten: Ihr seid die Ersten gewesen! Aber es ist nun mal so, dass man immer die beneidet, die noch etwas Schönes vor sich haben. Hat man selbst gerade seinen Geburtstag gefeiert, beneidet man den Freund, der ihn im nächsten Monat feiert. Nie aber beneidet man den Freund, der den Geburtstag schon hinter sich hat. Hinzu kommt das latente Gefühl, die Bayern machen es einfach so, wie es ihnen passt, nach dem urbayerischen Motto: Mia san mia. Späte Ferien haben nämlich schon einige Vorteile: Oft sind die Flüge von Ende August an wieder günstiger. Und wer Anfang September nach Frankreich reisen will, findet leichter Unterkünfte, weil die Ferien in dem Nachbarland immer am 31. August enden. Es gibt aber auch Nachteile für die bayerischen Kinder, denn sie müssen im Juli, obwohl es schon richtig heiß werden kann, noch schwitzend im Klassenzimmer sitzen.

          In Internetforen hält sich übrigens hartnäckig die Theorie, dass Bayern, über das Jahr verteilt, mehr Ferien habe. Das stimmt nicht. Denn die Bayern haben zwar Pfingstferien, aber dafür nur eine Woche Herbstferien und zum Beispiel kürzere Weihnachtsferien als in Hessen. Alle Bundesländer in Deutschland haben über das Jahr verteilt 75 Tage Ferien. Und das mit den kirchlichen Feiertagen in Bayern - das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte.

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