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Wie erkläre ich’s meinem Kind? : Warum so viele Amerikaner eine Waffe besitzen

  • -Aktualisiert am

Die Hersteller bauen immer gefährlichere Waffen: Diese Minigun gibt 50 Schüsse pro Sekunde ab. Immerhin ist sie zu groß, um sie mit sich zu führen. Bild: dpa

Im Schnitt kommt in Amerika auf jeden Menschen eine Waffe. Warum finden das dort so viele Menschen richtig und wichtig? Und warum ist das bei uns ganz anders?

          Lehrer an Amerikas Schulen sollen bewaffnet werden – wenn es nach Donald Trump geht. Der amerikanische Präsident sagte am Donnerstag, das könne Massaker verhindern, wie die Schießerei an einer Schule in Florida vergangene Woche. Dabei tötete ein Jugendlicher 17 seiner ehemaligen Mitschüler mit einem Sturmgewehr. So etwas kommt in den Vereinigten Staaten immer wieder vor. Trump sagt: Hätten auch die Lehrer Waffen, könnten sie die Amokläufer stoppen. In Europa haben wenige Menschen Verständnis für solche Vorschläge. Es fällt uns schwer zu verstehen, wieso es in Amerika so leicht ist, Waffen zu kaufen. Und weshalb sich auch nach brutalen Anschlägen viele Amerikaner dagegen wehren, Waffenverkäufe schwieriger zu machen. In Deutschland gelten strenge Regeln für Waffenbesitz; in Amerika darf eigentlich jeder Erwachsene Waffen kaufen. Viele tun das. Durchschnittlich kommt auf jeden Mann, jede Frau und jedes Kind eine. Nur wieso?

          Das besondere Verhältnis der Amerikaner zu Waffen hat mit ihrer Geschichte zu tun. Die Vereinigten Staaten waren nicht von Anfang an so ein großes Land wie heute. Als die Amerikaner sich 1776 mit Waffengewalt von Großbritannien freigekämpft hatten, war das Land nur ein schmaler Streifen an der Ostküste. In den folgenden anderthalb Jahrhunderten eroberten Pioniere immer mehr Gebiete im Westen. Sie wollten Land für ihre Farmen. Häufig gehörten die Gegenden aber schon jemand anderem: den Indianern.

          Es kam an den Grenzen immer wieder zu Konflikten mit den Ureinwohnern. Und dort gab es wenig Polizei und Militär. Da das Land sich noch im Aufbau befand, war die amerikanische Regierung nicht gut genug organisiert, um Gesetze auch in den Grenzregionen durchzusetzen. Oft wollte sie das auch gar nicht. Die Siedler vergrößerten Amerika ja. Doch wo es weder Polizei noch Militär gibt, verteidigen die Menschen sich selbst. Dafür nahmen sie Waffen mit. Es war eine gefährliche Zeit. Nur die eigenen Waffen bedeuteten Sicherheit und am Ende den Erfolg. Heute reichen die Vereinigten Staaten von der Ostküste bis zur Westküste. Waffen halfen, Amerika zu schaffen.

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          Daran erinnerten sich die Siedler, ihre Kinder und folgende Generationen, als alle schon lange keine Siedler mehr waren. Der amerikanische Traum, dass jeder es schaffen kann, jeder ein Stück Land bekommt, wurde auch mit Gewehren geträumt. Das ist Teil der amerikanischen Identität geworden. Amerikaner sehen sich noch heute als Pioniere. Die Ersten auf dem Mond, die Führenden auf vielen Gebieten. Waffen gehören für viele dazu, wenn sie unabhängig sein wollen.

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          Um das zu verstehen, kann man sich ein Land ein wenig wie einen Menschen vorstellen, mit Erfahrungen und einer Persönlichkeit. Amerika hat andere Erfahrungen gemacht als Deutschland. Uns haben Waffen ins Unglück geführt: Deutschland hat zwei Weltkriege verloren und grauenvolles Leid über die Welt gebracht. Auch deshalb haben Waffen hierzulande einen schlechten Ruf. Die Amerikaner haben mit Waffen ihr Land aufgebaut. Das ist ein Teil von dem, was sie sind. Und Völker sind oft bereit, große Nachteile in Kauf zu nehmen, um das, wofür sie sich halten, zu bewahren.

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